Wem gehört die Gebärdensprache?

Essays zu einer Kritik des Hörens

Gebärdensprache ist sichtbar. Die Anwesenheit von Gebärdensprachdolmetscher*innen im öffentlichen Raum ist vertraut. Doch nicht nur für Gehörlose ist Gebärdensprache wichtig. Gebärdensprachkurse und -studiengänge sind bei Hörenden beliebt und zeugen von einer wachsenden Neugierde an dieser besonderen Sprache. Tomas Vollhaber bewegt sich auf einem Grat zwischen der Forderung nach Anerkennung der Interessen Gehörloser und der Entdeckung der Gebärdensprache durch Hörende. Mit seinen Essays wendet er sich an Menschen aus dem Bereich der Sprach- und Kulturwissenschaft, der Deaf Studies und Disability Studies und an jene, die mehr vom Körper und seinen Sprachen erfahren wollen.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Vorwort

    Seiten 9 - 12
  4. Sprache

    Wem gehört die Gebärdensprache?

    Seiten 15 - 32
  5. »Sur le pont d'Avignon, on y danse, on y danse, sur le pont d'Avignon, on y danse tous en rond«

    Seiten 33 - 40
  6. Eine Sprache der Unterdrückung

    Seiten 41 - 58
  7. Zeig es ihnen!

    Seiten 59 - 72
  8. Ikonische Differenz

    Seiten 73 - 92
  9. Theater

    Gebärdensprachkunst: Poetik und Politik

    Seiten 95 - 124
  10. Die Entpolitisierung des Theaters

    Seiten 125 - 136
  11. Leere Signifikanten

    Seiten 137 - 152
  12. Literatur der tauben Künstlerin Ruth Schaumann

    »Vom tiefen Schlummerruf der Taube«

    Seiten 155 - 174
  13. Ruth Schaumanns unendliches Schreiben

    Seiten 175 - 196
  14. »Eine Außenseiterin, eine Nonkonformistin in ganz hohem Maße«

    Seiten 197 - 228
  15. Literatur über gehörlose Menschen

    Hörende schreiben über Gehörlose: Ein Traum von tiefer Stille

    Seiten 231 - 252
  16. »Wer ist diese taubstumme Frau, die pausenlos meine Nächte stört?«

    Seiten 253 - 258
  17. »Ich stehe mir selbst gegenüber wie einem Taubstummen«

    Seiten 259 - 268
  18. »Der Taube hilft den Hörenden und der Idiot zeigt den Weg zur Einsicht«

    Seiten 269 - 278
  19. Film

    Verordnete Einsprachigkeit

    Seiten 281 - 290
  20. Deaf Studies

    In Leder über den Campus

    Seiten 293 - 310
  21. Akte der Verständigung

    Seiten 311 - 344
  22. Kritik des Hörens

    Seiten 345 - 368
  23. Gespräche

    Das D'Amato-System – eine Oper in Laut- und Gebärdensprache

    Seiten 371 - 388
  24. »Poesie ist eine Einbahnstraße«

    Seiten 389 - 398
  25. »Mysteriöse Macht«

    Seiten 399 - 408
  26. »Er hatte einfach keine Angst«

    Seiten 409 - 422
  27. »Gebärdensprache als Sprache loslassen und sich an neue Ausdrucksformen wagen«

    Seiten 423 - 434
  28. »Gebärdensprache hat viel mit Tanz zu tun«

    Seiten 435 - 448
  29. Verzeichnisse

    Textverzeichnis

    Seiten 451 - 452
  30. Literaturverzeichnis

    Seiten 453 - 470
  31. Abbildungsverzeichnis

    Seiten 471 - 474
Mehr
44,99 € *

9. Juni 2021, 474 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5455-8
Dateigröße: 10.84 MB

als Sofortdownload verfügbar

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer.

Weiterempfehlen

Tomas Vollhaber

Thomas Vollhaber, Universität Hamburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Fast alle Menschen wissen, dass Gebärdensprache die Sprache tauber Menschen ist. Wie kommt es, dass auch hörende Menschen von dieser Sprache angesprochen und manche von ihr so begeistert sind, dass sie sie erlernen wollen, obwohl sie keinen Kontakt zu tauben Menschen haben? Worin unterscheidet sich die Beschäftigung mit dieser Sprache von der mit einer anderen Fremdsprache? Was berührt Hörende, wenn sie Gebärdensprache sehen? Auf diese Fragen versucht das Buch Antworten zu geben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Bisher haben die meisten Bücher über Gebärdensprache deren Sprachstruktur im Blick. Oder es sind Lehrbücher für Menschen, die Gebärdensprache erlernen. Diese Bücher begreifen Gebärdensprache als Sprache tauber Menschen. Außerdem gibt es jede Menge Bücher zu Gesten und Körpersprache. In diesen Büchern ist von tauben Menschen nicht die Rede. Mein Buch versucht, die komplizierte Beziehung zwischen hörenden und tauben Menschen zu beleuchten sowie die Bedeutung von Gebärdensprache für taube und hörende Menschen zu verstehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die akademischen und pädagogischen Debatten um Inklusion haben die binäre Vorstellung von behinderten und nicht behinderten, von tauben und hörenden Menschen aufgebrochen und auf die Bedeutung der engen Beziehung hingewiesen, die behinderte und nicht behinderte Menschen miteinander verbindet. Wie in den Disability Studies erwarten hörende und taube Studierende der Deaf Studies auch eine kulturwissenschaftliche Perspektive, die für die eigene Verortung im Studiengang erforderlich ist.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Inklusive Kulturprojekte fragen danach, wie wir das, was wir voneinander lernen, kulturell umsetzen können. Dazu bedarf es eines kritischen Blicks auf die eigene Perspektive, aber auch auf die der anderen. Ich möchte mit Menschen diskutieren, die diesen kritischen Blick auf die eigene Perspektive wagen und sich nicht von denen entmutigen lassen, die an geordneten Welten, sei es die der Behinderten, der Hörenden oder der Gehörlosen, festhalten. Mit anderen Worten: Ich möchte mit Menschen diskutieren, die Sprache als etwas begreifen, das nicht beherrscht, sondern erfahren werden will.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Hörende und taube Menschen haben sich viel mitzuteilen und können eine Menge voneinander lernen. Das ist nicht einfach – aber es ist der Mühe wert.

Autor_in(nen)
Tomas Vollhaber
Buchtitel
Wem gehört die Gebärdensprache? Essays zu einer Kritik des Hörens
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
474
Ausstattung
92 SW-Abbildungen, 3 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-5455-8
DOI
10.14361/9783839454558
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFG DSB AN
BISAC-Code
SOC029000 LIT000000 PER011020
THEMA-Code
JBFM DSB ATD
Erscheinungsdatum
9. Juni 2021
Themen
Kultur, Theater, Literatur, Sprache, Film
Adressaten
Kulturwissenschaft, Deaf Studies, Disability Studies, Performance Studies
Schlagworte
Gehörlosigkeit, Sprache, Deutsche Gebärdensprache, Gehörlose, Hörende, Theater, Literatur, Film, Kulturelle Aneignung, Kultur, Behinderung, Allgemeine Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung