Kinderhandel oder Koranerziehung?

Kontroversen um die bettelnden Talibé in Senegal

Über die Lebensbedingungen von Senegals bettelnden Koranschülern empören sich Kinderrechtsaktivisten weltweit. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass es um mehr geht als um Bettelerträge und Berufschancen. Auf dem Spiel stehen der Einfluss von Staat und Religion, internationale Interessen und konkurrierende Konzepte von Erziehung und Bildung.

Sarah Fuchs analysiert in ihrer ethnografischen Studie die Deutungskämpfe, die Kinderrechtsaktivisten, Staat und religiöse Akteure in Senegal um die bettelnden Koranschüler austragen. Sie leistet damit einen innovativen Beitrag zu der Frage, wie transnational zirkulierende Diskurse und Praktiken mit lokalen Kontexten der Sinngebung und Bedeutungszuschreibung interagieren.

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3. November 2020, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5456-1

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Sarah Fuchs

Sarah Fuchs, Universität Konstanz, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In vieler Hinsicht gilt Senegal als ›Musterland‹ der westafrikanischen Region, trotzdem hält sich das international scharf kritisierte Phänomen der bettelnden Koranschüler hartnäckig. Was steckt dahinter, dass es als Senegals weit verbreitetste Form des ›Kinderhandels‹ diskutiert und gleichzeitig toleriert und verteidigt wird? In Zeiten eines vordergründig breiten globalen Konsens über Menschen- und Kinderrechte ist es spannend, sich näher anzuschauen, wie mit solchen Diskursen in spezifischen lokalen Kontexten umgegangen wird.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch gibt mit Bezug auf die bettelnden Koranschüler ein Beispiel dafür, auf welche Weise und mit welchen Konsequenzen in Senegal transnationale Diskurse wie die um ›Kinderrechte‹ oder ›Kinderhandel‹ mit lokalen Sinngebungen ausgehandelt werden. Meine Untersuchung zeigt die Vielfalt an Deutungsmöglichkeiten, Identitäts- und Interessenskonflikte, die mit diesem Phänomen verbunden sind und sich, abhängig von sich wandelnden sozialen und politischen Gegebenheiten, kontinuierlich weiter verändern und neu formieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Neuere ethnologische Forschungen haben sich kritisch mit normativen Perspektiven auf Kinderrechte im globalen Süden auseinandergesetzt. Zunehmend richtet sich das Interesse dabei auch darauf, wie solche machtvollen transnationalen Konzepte und Diskurse in lokale Praktiken und Bedeutungszusammenhänge ›übersetzt‹ werden und umgekehrt. Meine Untersuchung greift diese Perspektiven mit einem diskursanalytischen und sozialkonstruktivistischen Fokus auf – bezogen auf ein besonders kontroverses Fallbeispiel.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit einem engeren thematischen Bezug würde ich das Buch gern mit Vertretern von Organisationen diskutieren, die das Betteln der Koranschüler ›abschaffen‹ wollen, dabei aber ihre westliche Brille nicht absetzen und deren gesellschaftliche Einbettung nicht ausreichend in den Blick nehmen.

Darüber hinaus fände ich es inspirierend mit Personen zu sprechen, die vergleichbare diskursive Spannungsfelder um ganz andere Phänomene, z.B. in europäischen Gesellschaften, beobachten – dies würde noch eine weitere Ebene des Perspektivenwechsels ermöglichen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch zeigt, dass es in den Kontroversen um Senegals bettelnde Koranschüler um mehr geht als es vordergründig scheint: Sie sind ein Spiegel der Geschichte und Gegenwart zugleich von Staat und Gesellschaft und weisen auf komplexe (Re-)Konstruktionsprozesse von lokalen Selbstverständnissen in Zeiten zunehmender globaler Verflechtungen.

Autor_in(nen)
Sarah Fuchs
Buchtitel
Kinderhandel oder Koranerziehung? Kontroversen um die bettelnden Talibé in Senegal
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
320
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5456-1
DOI
10.14361/9783839454565
Warengruppe
1752
BIC-Code
JHMC JFSR2
BISAC-Code
SOC002010 SOC049000
THEMA-Code
JHMC QRPP
Erscheinungsdatum
3. November 2020
Auflage
1
Themen
Kultur, Soziale Ungleichheit
Adressaten
Ethnologie, Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaft sowie Praktiker*innen im Bereich Kinderrechte und Entwicklungszusammenarbeit
Schlagworte
Senegal, Kinderrechte, Menschenhandel, Islam, Koranschule, Beruf, Religion, Staat, Erziehung, Bildung, Internationale Interessen, Kultur, Soziale Ungleichheit, Ethnologie, Kulturanthropologie, Islamwissenschaft, Afrika

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