Paradigmen des Idyllischen

Ökonomie – Ökologie – Artikulation – Gemeinschaft

Die Idylle ist allgegenwärtig: Unabhängig von der literarischen Gattung finden sich ihre Elemente sowohl in unterschiedlichen textuellen Formationen als auch in anderen kulturellen Artefakten sowie der Alltagskultur. Aktuelle Phänomene wie z.B. das Wiedererstarken von Nationalismen, die Sehnsucht nach dem »einfachen Leben« oder das Verhältnis von Mensch und Umwelt sind in spezifischer Weise mit idyllischen Motiven, Topoi oder Deutungsmustern verbunden. Die Aufsätze dieses Bandes werfen einen kulturwissenschaftlichen Blick auf die vier paradigmatischen Bereiche Ökologie, Ökonomie, Artikulation und Gemeinschaft. Sie untersuchen, wie idyllisierende Verfahren in unterschiedlichen historischen Kontexten zum Einsatz kommen, um Ordnungen, Naturverhältnisse und Diskurse zu strukturieren. Dabei entwickeln sie kulturwissenschaftliche Perspektiven auf aktuelle Debatten, die die zentrale Rolle der Idylle als Wunsch- und Gegenbild kritisch in den Blick nehmen.

39,00 € *

22. Dezember 2021, 244 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5473-8

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer. Deutschsprachige Bücher = gebundener Ladenpreis, fremdsprachige Bücher = unverbindliche Preisempfehlung. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Weiterempfehlen

Nils Jablonski

Nils Jablonski, FernUniversität Hagen, Deutschland

Solvejg Nitzke

Solvejg Nitzke, Technische Universität Dresden, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Idylle ist relevanter denn je. Angesichts systemischer Krisen in Politik, Umwelt und Gesundheit ist das vielleicht auch kein Wunder. Für uns als Literatur- und Kulturwissenschaftler*innen ist es wichtig, dass dabei nicht aus dem Blick gerät, dass ›die Idylle‹ nicht nur ein harmonischer Zustand oder ein hübsches Bild ist, sondern ein effektives Instrument, um Situationen zu ordnen und zu bewerten. Dieses Buch beschäftigt sich also mit dem Zusammenhang der idyllischen Tradition und dem, was die Idylle in verschiedenen historischen Kontexten tut.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Funktion von Idyllen wird weniger (in einem klassisch literaturwissenschaftlichen Sinn) als eine Frage von Form oder Inhalt bzw. von Modus oder Genre untersucht, sondern in einer medienkulturwissenschaftlichen Perspektive vor dem Hintergrund der Wirksamkeit ihrer paradigmatischen Felder Ökonomie, Ökologie, Artikulation und Gemeinschaft. In diesem Kontext werden Fragen sowohl zur Darstellung und Darstellbarkeit von Natur als auch zur Repräsentation von ökonomischem Wissen, zu den Subjektivierungspotenzialen von Sag- und Unsagbarkeiten im Modus idyllischen Sprechens sowie zur Interaktion idyllischer Formen mit Diskursen und Praktiken sozialer Kohärenzbildung gestellt. Dabei ergeben sich spannende Zusammenhänge – beispielsweise zwischen frühneuzeitlichen und aufklärerischen Idyllen, Disneyfilmen und Instagram.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Idylle ist diskursstiftend, das heißt, sie ist nicht nur Abbild bestimmter Diskussionen und Wissenszusammenhänge, sie stellt sie aktiv her. Ihre gemeinhin postulierte ›Einfachheit‹ ist ein struktureller Effekt und nicht nur das Ergebnis eines Vereinfachungsprozesses. Sie macht also Dinge einfach, aber dadurch fallen auch immer wieder Umstände unter den Tisch, deren Komplexität vielleicht Beachtung finden sollte oder hätte finden sollen. Idyllen also nicht nur als Gefäß zu betrachten, in das immer neue Phänomene gefüllt werden, sondern als flexibles Set an Prozessen oder Verfahren, ist wichtig, um zu begreifen, welche Rolle sie in aktuellen Debatten in der Forschung und jenseits davon spielen. Idyllen avancieren nämlich zum Korrektiv, zum Anreiz oder Fluchtort, denn ihre jeweilige Funktion hängt dann nicht nur vom (literarischen) Text, (medialen) Artefakt oder (soziokulturellen und -historischen) Kontext ab, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel der vier paradigmatischen Felder, in denen sich das Idyllische aktualisiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Jean-Jacques Rousseau und Walt Disney.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Indem nicht das Idyllische zum Paradigma erhoben, sondern von Paradigmen des Idyllischen ausgegangen wird, reflektiert das Buch die Wandelbarkeit idyllischer Verfahren und Schreibweisen, Motive und Themen, wobei sich mithilfe der vier Paradigmen spezifische Diskurse, Wissensbestände und kulturelle Praktiken sowie deren Transformationen in Bezug auf die Idylle perspektivieren und beschreiben lassen.

Autor_in(nen)
Nils Jablonski / Solvejg Nitzke (Hg.)
Buchtitel
Paradigmen des Idyllischen Ökonomie – Ökologie – Artikulation – Gemeinschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
244
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 5 SW-Abbildungen, 3 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5473-8
DOI
10.14361/9783839454732
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB HBTB
BISAC-Code
LIT000000 HIS054000
THEMA-Code
DSB NHTB
Erscheinungsdatum
22. Dezember 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Kulturgeschichte, Natur, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Idylle, Ökologie, Ökonomie, Literatur, Kultur, Natur, Gemeinschaft, Gender, Kulturgeschichte, Gesellschaft, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung