Wirklichkeit im Wandel

Schreibweisen des Realismus bei Balzac und Houellebecq

Die Romane von Michel Houellebecq betreiben eine schonungslose Analyse der Gesellschaft mit ihren alten und neuen Ökonomien, dem Kapitalismus und seinen sozialen, moralischen und kulturellen Verwerfungen. Dabei orientieren sie sich an dem Vorbild Honoré de Balzacs und dem »realistischen« Roman des 19. Jahrhunderts.

Gero Faßbecks Studie liefert einen Vergleich der zwei Autoren, ihrer jeweiligen Weltbilder und Schreibweisen. Vor dem Hintergrund der komplexen Theoriegeschichte des »Realismus« im 20. Jahrhundert wird gezeigt, dass die Romane von Houellebecq unmittelbar an das gesellschaftskritische Spätwerk von Balzac anknüpfen und es im Sinne der Postmoderne erneuern. Das paradoxe Unterfangen seines Romanwerks beruht auf der Erfindung einer Schreibweise, die mit den Mitteln der Moderne und der Postmoderne für den Erhalt der Tradition kämpft.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. Danksagung

    Seiten 7 - 8
  4. 1. Einleitung

    1.1 Problemstellung und Zielsetzung

    Seiten 9 - 16
  5. 1.2 Stand der Forschung

    Seiten 16 - 18
  6. 1.3 Korpus und Gliederung der Arbeit

    Seiten 19 - 20
  7. 2. Theoretische ›Realismus‹-Diskurse im 20. Jahrhundert

    2.1 Der Epochenbegriff ›Realismus‹ und das Problem seiner Bestimmung

    Seiten 21 - 28
  8. 2.2 ›Realismus‹ zwischen Widerspiegelung und Nachahmung

    Seiten 28 - 35
  9. 2.3 Von der Nachahmung zur Darstellung

    Seiten 35 - 41
  10. 2.4 Von der Darstellung zum »Code« der Repräsentation

    Seiten 41 - 48
  11. 3. Balzac als Diskursbegründer des ›realistischen‹ Romans

    3.1 Der »Avant-propos« als Programmschrift einer wissenschaftlichen Romanpoetik

    Seiten 49 - 57
  12. 3.2 Das mimetische Begehren als Strukturprinzip der Erzählung und Motor der gesellschaftlichen Dynamik: La Cousine Bette (1846)

    Seiten 57 - 93
  13. 3.3 Groteske Wirklichkeitsverzerrung und die Grenzen des wissenschaftlichen ›Realismus‹: Le Cousin Pons (1847)

    Seiten 93 - 132
  14. 4. Schreibweisen des ›Realismus‹ in der Postmoderne

    4.1 Von der Irreversibilität des Verfalls: Houellebecqs Funktionsbestimmung des Romans

    Seiten 133 - 142
  15. 4.2 Leiden als Ausgangspunkt für das Schreiben: Extension du domaine de la lutte (1994) und die Neubegründung des Romans als Wissenschaft

    Seiten 143 - 195
  16. 4.3 Gesellschaftskritik und Wissenschaftsskepsis in Les particules élémentaires (1998)

    Seiten 195 - 242
  17. 4.4 Das Ende der Glaubwürdigkeit: ›postmodernes‹ Erzählen in La carte et le territoire (2010)

    Seiten 242 - 286
  18. 4.5 Soumission (2015) oder die Suche nach einem Ausweg aus der Krise der westlichen Zivilisation

    Seiten 287 - 320
  19. 5. Zusammenfassung

    Einführung

    Seiten 321 - 332
  20. Literaturverzeichnis

    Seiten 333 - 356
Mehr
49,99 € *

16. April 2021, 356 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5474-9
Dateigröße: 2.75 MB

als Sofortdownload verfügbar

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer.

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Gero Faßbeck

Gero Faßbeck, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die moderne Gesellschaft ist geprägt von Wandel und Dynamik. Balzacs Romane zeichnen ein ambivalentes Bild der Moderne, indem sie die negativen Begleiterscheinungen des gesellschaftlichen Wandels in den Blick nehmen. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Schriftsteller hat auch Houellebecq ein ausgeprägtes Gespür für Veränderungsprozesse in Kultur und Gesellschaft. Die Gegenüberstellung von Balzac und Houellebecq macht jedoch deutlich, dass unsere postmoderne Wirklichkeit in Wahrheit gar nicht allzu sehr verschieden ist von derjenigen des bürgerlichen Zeitalters.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch leistet einerseits einen Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Theorie-Debatte, indem es den Wandel des Realismus-Begriffs im Übergang vom 19. Jahrhundert zur Postmoderne skizziert. Durch die Heranziehung kulturwissenschaftlicher Theorien eröffnet das Buch andererseits aber auch neue Lesarten der Romane und liefert damit zugleich ein differenziertes Bild ihrer zugrunde liegenden Wirklichkeitskonzepte.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In Literatur, Kunst, Philosophie und im Theater wird schon seit längerem über ein Ende der ›Postmoderne‹ spekuliert. Auch in der Forschung mehrten sich zuletzt häufiger die Stimmen, die eine ›Rückkehr‹ oder ›Wiederkehr‹ des Realismus konstatieren. Das Buch knüpft an diese Thesen an, indem es die Schreibweisen von Balzac als einem kanonischen ›Realisten‹ des 19. Jahrhunderts und Michel Houellebecq als einem zeitgenössischen (postmodernen) ›Realisten‹ einer eingehenden Analyse unterzieht.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am liebsten natürlich mit den beiden Autoren selbst. Im Fall von Balzac ist das leider nicht mehr möglich, aber wer weiß, vielleicht ergibt sich eines Tages ja die Gelegenheit für ein Gespräch mit Houellebecq.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Was man die ›Wirklichkeit‹ der Literatur nennt, ist das Produkt unterschiedlicher Schreibweisen, denen das vorliegende Buch am Beispiel von Balzac und Houellebecq nachgeht.

Autor_in(nen)
Gero Faßbeck
Buchtitel
Wirklichkeit im Wandel Schreibweisen des Realismus bei Balzac und Houellebecq
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
356
ISBN
978-3-8394-5474-9
DOI
10.14361/9783839454749
Warengruppe
1566
BIC-Code
DSB DSA
BISAC-Code
LIT004150 LIT000000 LIT006000
THEMA-Code
DSB DSA
Erscheinungsdatum
16. April 2021
Themen
Kulturgeschichte, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kultur- und Medienwissenschaft
Schlagworte
Realismus, Michel Houellebecq, Honoré De Balzac, Wirklichkeit, Roman, Literatur, Kulturgeschichte, Französische Literatur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Literaturtheorie, Romanistik, Literaturwissenschaft

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