Der alte Mensch als Verschlusssache

Corona und die Verdichtung der Kasernierung in Pflegeheimen

Die soziale Ausgrenzung hochaltriger Menschen in Pflegeheimen ist mit der Corona-Krise eskaliert und macht die traditionellen Strukturprobleme des Pflegesektors überdeutlich. Statt ein Ort des alltäglichen Lebens und normalen Wohnens mit sozialen Kontakten zu sein, bestimmen mehr denn je Schutz und Sicherheit die Wirklichkeit der Bewohner*innen: Der alte Mensch im Pflegeheim wird zur Verschlusssache. Frank Schulz-Nieswandt nimmt sich in seiner interdisziplinären Analyse der Frage an, was angesichts der Krise an und mit den Menschen in diesen Wohnformen geschieht.

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12. März 2021, 178 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5500-1

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Frank Schulz-Nieswandt

Frank Schulz-Nieswandt, Universität zu Köln, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Corona-Krise hat genau diesen Fragen-Komplex aufgeworfen: Die Pandemie hat die soziale Ausgrenzung alter Menschen in der Sonderwohnform der Pflegeheime nochmals gesteigert zur ›Kasernierung‹. Mit Blick auf die grundrechtlichen Normvorgaben der Selbstbestimmung und der Teilhabe stellt sich die Frage nach gesellschaftspolitischen Alternativen zu dieser Sonderwohnform. Es geht um die Differenzierung des Wohnformenangebots, um Perspektiven hoher Lebensqualität bis zum Lebensende zu ermöglichen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Corona-Krise hat diese Fragen in eskalierender Weise aufgeworfen. Neu ist das Problem nicht: Die Debatten um Deinstitutionalisierung, Enthospitalisierung und Normalisierung haben schon eine längere Tradition (auch in der Psychiatrie, in der ›Behindertenhilfe‹ und in der Kinder- und Jugendhilfe). Die Studie fokussiert aber intensiver auf die Grundrechtsverletzungen und bietet kultursoziologische und tiefenpsychologische Einsichten in die sozialen Mechanismen dieser Sonderwelten vor dem Hintergrund der fatalen Wachstumsdynamiken des Sektors.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Analyse ist interdisziplinär, weil anders die Komplexität sozialpolitischer Fragen gar nicht angemessen erfasst werden kann. Die Analyse bringt aber die Perspektive Kritischer Theorie ein und stärkt einen kulturwissenschaftlichen Blick mit psychologischen »Tiefenbohrungen« in Verbindung mit einer normativen Wissenschaft als Skalierung der sozialen Wirklichkeit an den Sollvorgaben der Anthropologie und Ethik des sozialen Rechtsstaates.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die Kritik der Analyse mündet ja in einer Vision einer ganz anderen Sorgekultur. Sie muss diskutiert werden in dem Kräftefeld zwischen Anbietern, Politik und Zivilgesellschaft, finalisiert auf einen Wandel der kommunalen Daseinsvorsorgelandschaften. Bund, Länder und Kommunen sind daher ebenso gefragt wie Verbände, Kirchen etc., die Bürgerschaft und die Wissenschaften. Dies deshalb, weil Pflegepolitik keine isolierte Sektorpolitik ist, sondern diagnostisches Brennglas unserer gesamtgesellschaftlichen Aufstellung.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Uralt ist die Goldene Regel: Tue nichts dem Mitmenschen an, von dem Du nicht möchtest, das der Mitmensch es Dir antut: Daher die Folgerung: Normaler Sozialraum statt Kasernierung!

Autor_in(nen)
Frank Schulz-Nieswandt
Buchtitel
Der alte Mensch als Verschlusssache Corona und die Verdichtung der Kasernierung in Pflegeheimen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
178
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-5500-1
DOI
10.14361/9783839455005
Warengruppe
1728
BIC-Code
JFSP31 JKS MQC
BISAC-Code
SOC013000 POL029000 MED058200
THEMA-Code
JBSP4 JKS MQC
Erscheinungsdatum
12. März 2021
Auflage
1
Themen
Alter
Adressaten
Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaft, Psychologie, Rechtswissenschaft sowie Fachgesellschaften, Sozialverbände und Ministerien
Schlagworte
Langzeitpflegeheim, Pandemie, Ausgrenzung, Sozialer Tod, Corona-Krise, Sozialität, Sicherheit, Schutz, Alter, Pflege, Wohnen, Sozialpolitik, Menschenrechte, Soziologie

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