Co-Parenting und die Zukunft der Liebe

Über post-romantische Elternschaft

»Co-Parenting« als Familienkonzept breitet sich aus und stellt die Versprechen des romantischen Liebesideals mitsamt seinem geschlechterungleichen Normalfamilienmodell in Frage. Doch was bedeutet das für die Liebe selbst? Wird sie zerstört oder transformiert und öffnet sie sich für neue Familien- und Beziehungsformen? Entfaltet sich in der post-romantischen Elternschaft gar ein utopisch-emanzipatives Potenzial, das Frauen und LGBTIQ*s aus patriarchalen, hetero- und paarnormativen Herrschaftsverhältnissen befreit? Neben Gegenwarts- und Zukunftsszenarien erkundet Christine Wimbauer auch die gesellschaftspolitischen Herausforderungen dieser Entwicklungen.

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15. Januar 2021, 298 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5503-2

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Christine Wimbauer

Christine Wimbauer, Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die romantische Liebe gilt als Heilsversprecherin und als Fundament gemeinsamen Elternglücks. Sie birgt aber auch Fallstricke: Überhöhte Ansprüche, unerreichbare Ideale, Überforderung, Leiden an ihrer Flüchtigkeit. Co-Parenting – eine Familie zu gründen, ohne sich dabei auf romantische Liebe zu berufen - verspricht Elternglück jenseits dieser Fallstricke und die Befreiung von Geschlechterungleichheiten. Es birgt womöglich gar utopisches Potenzial. Das Buch wirft Licht auf Chancen und Grenzen.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?

Co-Parenting, als von Anfang an ohne romantische Liebe geplante Elternschaft, breitet sich seit einigen Jahren aus. In gesellschaftlichen Debatten zeichnen Kritiker das Ende der überkommenen Vater-Mutter-Kind/er-Familie. Feministische und queertheoretische Stimmen betonen hingegen die Chancen auf Emanzipation und auf Familiengründungen jenseits der heterosexuellen Norm. Einer vermeintlichen familialen Dystopie steht also die Ermöglichung des erstrebten Kinderglückes für mehr Menschen entgegen.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Anders als getrennte oder geschiedene Co-Eltern und deren Herausforderungen werden Eltern, die bewusst auf romantische Paar-Liebe verzichten, bisher kaum beachtet. Im Licht gesellschaftlicher Paarnormativität gelten solche postromantischen Lebensformen als defizitär. Sie sind aber keineswegs lieb-los oder liebesfrei. Im Gegenteil, die Liebe zum Kind und die dauerhafte Sorge für das Kind sind das Fundament dieser Familien. Mein Buch zielt darauf, das Verständnis von Familie und Liebe zu erweitern.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Sie zeigt, dass die zuverlässige Sorge- und Verantwortungsübernahme für Kinder ganz wesentliche Grundlage von Elternschaft ist. Romantische Liebe muss nicht notwendig das Fundament von Familie sein. Aber auch in Co-Eltern-Familien verschwinden Geschlechterungleichheiten nicht von selbst, egal ob in heterosexuellen oder nicht heterosexuellen. Geschlecht bleibt also auch in postromantischen Beziehungen eine zentrale Kategorie für ungleiche Sorge- und Erwerbsarbeitsteilung.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die sich mit Liebe, Familie, Kindern, neuen Lebens- und Liebesformen befassen – wissenschaftlich, theoretisch, empirisch oder alltagspraktisch.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch lotet die Potenziale und Spannungen postromantischer Co-Elternschaft zwischen dem Ende der überkommenen Familie, der Befreiung aus patriarchalen und heteronormativen Abhängigkeiten, einem utopischen Lebens- und Liebesentwurf und weiter bestehenden Geschlechterungleichheiten aus.

»Das Buch von Christine Wimbauer ist in jedem Fall lesenswert. Man findet darin keine facts and figures, sondern – neben vielen empirischen Beispielen und Zitaten aus jahrelanger qualitativer Forschungsarbeit zu Familien – vor allem kluge Fragen, spannende Denkstöße und aktuelle familiensoziologische Erkenntnisse.«
Claudia Zerle-Elsäßer, https://www.soziopolis.de, 21.10.2021
»Das Buch fordert eine reflexive Auseinandersetzung geradezu heraus. Es zu lesen, ist schon allein deshalb ungemein gewinnbringend.«
Hans Günther Homfeldt, www.socialnet.de, 28.05.2021
»Eine äußerst empfehlenswerte wissenschaftliche Schrift, die uns auch zum Nachdenken über unsere eigenen Beziehungen zu den Partnern und Kindern bewegt.«
Gisela Thiele, www.socialnet.de, 11.05.2021
»Der Soziologin gelingt es, die eigene Vorstellungswelt von Familie gehörig auf den Kopf zu stellen. Und vielleicht ist das nicht das Schlechteste ...«
Cornelia Grobner, Die Presse, 13.03.2021
O-Ton: »Wir brauchen mehr Sensibilität für vielfältige Formen von Familie und Liebe« – Christine Wimbauer im Interview an der Humboldt Universität Berlin am 09.03.2021.
HU Berlin
O-Ton: »Befreiung oder bekannte Ungleichheiten?« – Christine Wimbauer auf dem Genderblog der HU Berlin am 12.02.2021.
Genderblog
O-Ton: »Alle Familien sind richtig« – Christine Wimbauer im Interview bei der taz am 09.02.2021.
taz
O-Ton: »Mehr als romantische Liebe zwischen zwei Menschen« – Christine Wimbauer im Gespräch bei Deutschlandfunk Kultur am 06.02.2021.
Kinderkriegen und die neue Vielfalt der Elternschaft
Besprochen in:
https://jochenkoenig.net, 17.01.2021
https://www.m945.de, 24.03.2021, Benjamin Markthaler
https://www.dornrosa.de, 4 (2021), Viola Schubert-Lehnhardt
Auto Stadt Leben, 3 (2021), Karin Pittermann
https://www.sowi.hu-berlin.de, 14.07.2021
Psychologie heute, 9 (2021)
Autor_in(nen)
Christine Wimbauer
Buchtitel
Co-Parenting und die Zukunft der Liebe Über post-romantische Elternschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
298
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5503-2
DOI
10.14361/9783839455036
Warengruppe
1729
BIC-Code
JHBK JFC
BISAC-Code
SOC026010 SOC022000 SOC041000
THEMA-Code
JHBK JBCC
Erscheinungsdatum
15. Januar 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Familie
Adressaten
Soziologie, Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaft, Queer Theory, Love Studies, Familienforschung, Familiensoziologie, Familienrecht, Familienpsychologie, Familienberatung sowie Praktiker*innen und Interessierte am Thema Co-Elternschaft
Schlagworte
Liebe, Paarbeziehungen, Familie, Lebensformen, Kinder, Elternschaft, Ko-Elternschaft, Geschlecht, Familienrecht, LGBTIQ*, Queer, Ungleichheiten, Diskriminierung, Gleichstellung, Heteronormativität, Postromantik, Utopie, Dystopie, Zukunft, Gesellschaft, Familiensoziologie, Kultursoziologie, Lebensstil, Soziologie

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