Der Offenbacher Ansatz

Zur Theorie der Produktsprache

Die Theorie der Produktsprache stellte einen Paradigmenwechsel in der Designtheorie dar. An der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt, erweiterte sie das funktionalistische Verständnis von Produkten hinsichtlich ihrer Zeichenhaftigkeit und Bedeutungsdimension. Dieser Band macht wichtige historische Dokumente aus dieser Zeit wieder zugänglich und kontextualisiert sie mit Interviews und Stellungnahmen von Zeitzeugen. Die Aktualität der Produktsprache, auch als wesentlicher Bestandteil der Lehre im Design, wird von Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis diskutiert. Als Ausblick werden aktuelle Forschungsfragen im Zusammenhang mit einer Weiterentwicklung der Theorie der Produktsprache formuliert.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 6
  2. Inhalt

    Seiten 7 - 10
  3. EINLEITUNG

    Vorwort

    Seiten 13 - 14
  4. Der Offenbacher Ansatz. Zur Einleitung

    Seiten 15 - 24
  5. ARCHIV

    Designtheorie auf neuem Wege. Anfänge, Etappen und Kontexte des Offenbacher Ansatzes

    Seiten 27 - 37
  6. Dialektik der Gestaltung

    Seiten 38 - 65
  7. Sinn-liche Funktionen im Design

    Seiten 66 - 84
  8. Formalästhetische Funktionen

    Seiten 85 - 87
  9. Grundlagen einer Theorie der Produktsprache. Einführung

    Seiten 88 - 122
  10. Grundlagen einer Theorie der Produktsprache. Anzeichenfunktionen

    Seiten 123 - 183
  11. Grundlagen einer Theorie der Produktsprache. Symbolfunktionen

    Seiten 184 - 207
  12. Wie kommt ein ›funktionalistischer Designer‹ zum Ornament?

    Seiten 208 - 212
  13. des-in – ein neues Ornarment? Weniger Konsum durch mehr Sinnlichkeit – Produkte als Leitbilder zur Umweltfreundlichkeit

    Seiten 213 - 222
  14. KONTEXT

    Kontexte. Zur Vorgeschichte des »Offenbacher Ansatzes«

    Seiten 225 - 232
  15. Stilwandel unter Mitsprache des Designs Rückblick auf die Entwicklung und den Gebrauch der Theorie der Produktsprache

    Seiten 233 - 247
  16. »… im Rückblick habe ich schon den Eindruck, dass wir für lange Zeit Avantgarde waren «

    Seiten 248 - 256
  17. »Für uns stand dagegen immer der praktizierende Designer im Vordergrund.«

    Seiten 257 - 268
  18. Design muss Sinn machen. Zu einer neuen Designtheorie

    Seiten 269 - 283
  19. »Man schafft keine Theorie des Designs, indem man sich einfach nur im diskursiven Raum aufhält …«

    Seiten 284 - 288
  20. »… mit dieser Theorie kann nur umgehen, wer auch aktiv gestaltet«

    Seiten 289 - 295
  21. »Es ging darum, durch Design zu umweltbewussten Lösungen zu kommen.«

    Seiten 296 - 299
  22. Der diskrete Charme der Ökologie

    Seiten 300 - 303
  23. Entfernung Luftlinie 18,3 km: Design in Offenbach und Kronberg. Produktsprachen bei Dieter Rams/Braun und an der HfG Offenbach

    Seiten 304 - 309
  24. Horst Oehlke und der erweiterte Funktionalismus in der DDR

    Seiten 310 - 324
  25. Functional, Beautiful, and Meaningful Products Designed To Be Loved …

    Seiten 325 - 330
  26. POSITIONEN

    Design Discourse

    Seiten 333 - 341
  27. Vom Design Turn zum Project Turn

    Seiten 342 - 350
  28. Schnee und öffentlicher Raum. Über das Verhältnis von Design und Sprache im öffentlichen Interesse

    Seiten 351 - 361
  29. In-Formation. Zur produktsprachlichen Analyse von Mobilitätsprozessen

    Seiten 362 - 382
  30. Die Bedeutung der Produktsprache für die Gestaltung interaktiver Medien

    Seiten 383 - 391
  31. »Wir müssen die Schnittstelle zur Gesellschaft und unseren Auftraggebern besser gestalten …«

    Seiten 392 - 397
  32. Produktsprache, unter anderem

    Seiten 398 - 401
  33. Der Offenbacher Ansatz – und was aus der Produktsprache heute wird

    Seiten 402 - 406
  34. »Gestalterischer Alltag ist kein Wettbewerb um die beste gestalterische Lösung, sondern um die beste Begründung!«

    Seiten 407 - 411
  35. »Design muss als politisch hoch aufgeladene Praxis gelehrt werden …«

    Seiten 412 - 416
  36. Vom erweiterten Funktionalismus zur erweiterten Symbolfunktion: Resonanzerfahrungen in der Sozial- und Fiktionsdimension

    Seiten 417 - 431
  37. Gestaltung in einer digitalen Welt – zur Designforschung und der Simultanität intuitiver und systemischer Prozesse im Materialdesign

    Seiten 432 - 446
  38. ANHANG

    Biografien

    Seiten 449 - 476
  39. Danksagung

    Seite 477
  40. Bildnachweis

    Seiten 478 - 484
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12. Januar 2021, 484 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5569-2
Dateigröße: 17.78 MB

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Thilo Schwer

Thilo Schwer, Hochschule der bildenden Künste Essen, Deutschland

Kai Vöckler

Kai Vöckler, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In den 1970-80er Jahren wurde an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach eine an der Entwurfspraxis orientierte Theorie der Produktsprache entwickelt. Sie erweiterte das funktionalistische Verständnis um psychologisch bedeutsame Faktoren und leitete damit einen Paradigmenwechsel in der Designtheorie ein. Diese im allgemeinen Sprachgebrauch als ›Offenbacher Ansatz‹ bekannte

Neuausrichtung brachte die designgeschichtlich wichtige Hinwendung zur semantischen Dimension von Produkten: Artefakte sind nicht nur Funktions-, sondern auch Informationsträger.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es werden zentrale, vergriffene Texte wieder zugänglich gemacht und designtheoretisch kontextualisiert: Die Theorie der Produktsprache formulierte die grundlegende Erkenntnis, dass die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt die eigentliche Gestaltungsaufgabe für die Disziplin darstellt. Damit wurden Entwicklungen hin zur User Experience wie auch dem Interaction oder dem System Design theoretisch vorgedacht. Auch im Kontext vernetzter Dienstleistungen und Artefakte ist dieses Modell zur Strukturierung der Mensch-Objekt-Relation in hohem Maße praxisrelevant.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mit dem Offenbacher Ansatz wurde ein wichtiges Verständnis der Mensch-Objekt-Relation entwickelt, aus dem sich die produktsprachlichen Funktionen ableiten. Das berührt die Debatten um die subjektformierende Affektivität von gestalteten Umwelten, die sich aus einem ›Gefüge [agencement]‹ anorganischer und organischer Körper zusammensetzt (Deleuze/Guattari), aber auch das Mithandeln von Objekten, die selbst zu Beteiligten an sozialen Prozessen werden (Latour) wie die der ›Intra-Aktion‹ (Barad) zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren. Vor dem Hintergrund neuer responsiver KI-Technologien fordert dies die Designtheorie zu einer Reformulierung der Gestaltungsaufgabe heraus. Der produktsprachliche Ansatz bietet dafür eine gute Grundlage.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Sozialwissenschaftler_innen, die (mit Ausnahmen) jetzt erst entdeckt haben, dass die gestalteten Dinge nicht nur Material und Ressource für soziale Praktiken sind, sondern an gesellschaftlichen Prozessen mitwirken. Für die Gestaltungsdisziplinen Design und Architektur keine überraschende Erkenntnis. Ebenso wäre ein Diskurs mit Vertretern des Managements fruchtbar, um die strategische und sinngebende Kompetenz des Designs für die Entwicklung des Unternehmenszwecks und der Organisation abseits der Objekte zu eruieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Theorie der Produktsprache richtete den Fokus der Gestaltung auf die Interaktion von Menschen mit Objekten und Informationen aus und schuf damit die designtheoretische Grundlage für eine Neuausrichtung der Disziplin.

»Eine wertvolle Publikation vor, an der man bei den Diskursen um Designtheorien nicht mehr wird vorüber gehen können. Das Verdienst der Herausgeber besteht darin, nicht nur wichtige historische Texte wieder zugänglich gemacht, sondern auch Kontexte und Weiterentwicklungen der Produktsprache aufgezeigt zu haben.«
Wolfgang Schepers, https://gfdg.org, 25.04.2021
Besprochen in:
https://gfdg.org, 16.02.2021
https://prometheus.uni-koeln.de, 8 (2021)
http://www.designlabor-gutenberg.de, 11.05.2021
Autor_in(nen)
Thilo Schwer / Kai Vöckler (Hg.)
Buchtitel
Der Offenbacher Ansatz Zur Theorie der Produktsprache
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
484
Ausstattung
229 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5569-2
DOI
10.14361/9783839455692
Warengruppe
1585
BIC-Code
AK
BISAC-Code
DES008000
THEMA-Code
AK
Erscheinungsdatum
12. Januar 2021
Themen
Sprache, Design
Adressaten
Design, Designwissenschaft, Kunstwissenschaft
Schlagworte
Produktsprache, Design, Designtheorie, Designgeschichte, Gestaltung, Produktsemantik, Sprache

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