Freie Zeit

Eine politische Idee von der Antike bis zur Digitalisierung

»Das Reich der Freiheit beginnt in der That erst da, wo das Arbeiten, das durch Noth und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört« - so einst Karl Marx.

Und heute? Trotz weitgehender Automatisierung bleibt die Norm der Vollzeitarbeit bestehen. Das Motto »Sozial ist, was Arbeit schafft« wird von fast allen politischen Akteuren getragen. Zugleich wird die bisherige Form der Vollzeitarbeitsgesellschaft in vielen Momenten brüchiger und ungleicher: Pflegekrise, Gender-Pay-Gap, prekäre Jobs oder unregulierte Crowdwork auf digitalen Plattformen offenbaren nur einige der vielfältigen Bruchlinien.

Mit Blick auf die politische Ideengeschichte der freien Zeit und die aktuellen Debatten um Automatisierung und Digitalisierung entwirft Gregor Ritschel ein Plädoyer für den schrittweisen Ausgang aus der bisherigen Arbeits- in eine »Multiaktivitätsgesellschaft« (André Gorz). Er zeigt: Eine Verkürzung der Arbeitszeit kann uns eine sozialere, kreativere und auch umweltschonendere Welt ermöglichen.

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5. November 2021, 274 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5572-2
Dateigröße: 1.88 MB

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Gregor Ritschel

Gregor Ritschel, Hochschule Merseburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ich wollte zeigen, dass freie Zeit immer ein Sehnsuchtsraum war und ist. Heute gilt dies umso mehr, denn in einer Welt prekärer Jobs können wir uns immer weniger mit der Lohnarbeit identifizieren. Hinzu kommt, dass noch immer viele Menschen in der Arbeitswelt stark fremdbestimmt sind. So ist man beispielsweise gezwungen an Meetings teilzunehmen an deren Sinnhaftigkeit man zweifelt oder ein strahlendes Dienstleistungslächeln an den Tag zu legen.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?

Freie Zeit ist ein angesagtes Thema, denkt man etwa an die Debatten um das Grundeinkommen. Zugleich kann man beobachten, dass viele von uns im Corona-Lockdown mit Zwangspausen und Sinnfragen konfrontiert waren, während andere bis zur völligen Erschöpfung arbeiteten. Problematisch wird es immer dann, wenn die Lohnarbeit ausufert oder nicht zumindest zum Teil um ihrer selbst willen gemacht wird.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich zeige, dass die politische Ideengeschichte nicht nur politische Freiheiten und Eigentum thematisiert, sondern auch die Ressource Zeit, als Vorbedingung von Kritikfähigkeit, individueller Entfaltung und des Engagements. Heute sind Zeitfragen mit der ausufernden Konsumgesellschaft, der sozialen Ungleichheit und den Debatten über Automatisierung verkoppelt. Neu ist auch die Erosion der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, insofern wir mit Freizeitaktivitäten wertvolle Daten produzieren.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Das Thema Zeit liegt heute eher im Spielfeld der Soziologe als in dem der Politikwissenschaft. Man denke etwa an Hartmut Rosas Buch über Beschleunigung. Die politische Philosophie wäre aber gut beraten sich wieder an neuen Utopien zu üben. Neben retrospektiven Problemanalysen braucht es auch neue Ideale, die als konkrete politische Ziele verfolgt werden können.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit dem Bundesministerium für freie Zeit und Soziales.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Nicht die Automatisierung, sondern die politische Idee einer Multiaktivitätsgesellschaft lässt uns den Mangel überwinden, der uns zwischen Arbeit und Konsum gefangen hält.

Autor_in(nen)
Gregor Ritschel
Buchtitel
Freie Zeit Eine politische Idee von der Antike bis zur Digitalisierung
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
274
ISBN
978-3-8394-5572-2
DOI
10.14361/9783839455722
Warengruppe
1733
BIC-Code
JPA HBTB
BISAC-Code
POL010000 HIS054000 SOC041000
THEMA-Code
JPA NHTB
Erscheinungsdatum
5. November 2021
Themen
Zeitdiagnose, Politik, Leben, Arbeit
Adressaten
Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Soziologie, Geschichtswissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Freie Zeit, Freizeit, Politik, Ideengeschichte, Zukunft der Arbeit, Leben, Politische Theorie, Sozialgeschichte, Arbeits- und Industriesoziologie, Politikwissenschaft

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