Pädophilie

Eine Diskursgeschichte

Aus den Katalogen sexueller Abweichung des 19. Jahrhunderts hat bis heute ein »letzter Perverser« überlebt und diskursiv enorm an Bedeutung gewonnen: die Figur des Pädophilen. Katrin M. Kämpf folgt den Spuren der speziellen deutschen Geschichte des Pädophiliediskurses. Sie analysiert, wie eine Figur aus der Frühzeit der Sexualforschung – die im Nationalsozialismus teilweise antisemitisch aufgeladen wurde und während der »Sexuellen Revolution« eine große Rolle spielte – zum Kristallisationspunkt von biopolitischen Sicherheits- und Risikodiskursen werden konnte.

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30. November 2021, 318 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5577-3

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Katrin M. Kämpf

Katrin M. Kämpf, Kunsthochschule für Medien in Köln, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Gegenwärtig taucht das Thema Pädophilie nicht allein im Kontext von Kinderschutzanliegen oder sexualwissenschaftlichen Diagnosen und Therapieangeboten auf. Die Figur des Pädophilen, der pädophilen Netzwerke oder der Vorwurf der Förderung pro-pädophiler Positionen spielen auch in Debatten um Sexualaufklärung in Schulen, transnationalen Angriffen auf Feminist_innen und in verschiedenen rechten Verschwörungsnarrativen eine immer größere Rolle. Um diese Entwicklung zu analysieren, braucht es ein Verständnis der Geschichte der Kategorie Pädophilie, auch da sie seit ihrer sexualmedizinischen Konstruktion mit biopolitischen Fragen verknüpft ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch bietet die erste ausführliche Geschichte des deutschsprachigen Pädophiliediskurses ab dem 19. Jahrhundert und folgt sowohl sexualwissenschaftlichen Verhandlungen als auch ihrer Rezeption. Ich fokussiere dabei aus epistemologischer und diskursanalytischer Perspektive auf die Bedingungen, überhaupt eine Kategorie wie ›Pädophilie‹ denken, wissenschaftlich beschreiben und mit Bedeutungen aufladen zu können. Außerdem verfolge ich anhand des Pädophiliediskurses die Entwicklung der Sexualforschung hin zu einer Technowissenschaft und ihre Verknüpfungen mit biopolitischen Regierungs- und Herrschaftsweisen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In der Wissenschaft wird Pädophilie derzeit mit wenigen Ausnahmen primär als sexualmedizinisches Phänomen behandelt. Dabei ist Pädophilie ein Sexualitätsdiskurs mit einer Geschichte, mit Verknüpfungen mit antisemitischen Verschwörungserzählungen, mit Biopolitiken, mit der Konstruktion der bürgerlichen Familie oder auch mit medizinischer Diagnosetechnik, die aus sexualitätsgeschichtlicher, kulturwissenschaftlicher, technikforschender, queertheoretischer oder epistemologischer Perspektive untersucht werden sollten.

Autor_in(nen)
Katrin M. Kämpf
Buchtitel
Pädophilie Eine Diskursgeschichte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
318
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5577-3
DOI
10.14361/9783839455777
Warengruppe
1729
BIC-Code
JHBK5 HBTB JPA
BISAC-Code
SOC000000 HIS054000 POL010000
THEMA-Code
JHBK JBFW NHTB JPA
Erscheinungsdatum
30. November 2021
Auflage
1
Themen
Kultur, Körper, Biopolitik, Kulturgeschichte
Adressaten
Kulturwissenschaft, Gender Studies, Sexualwissenschaft, Science & Technology Studies, Wissenschaftsgeschichte, Sexualmedizin
Schlagworte
Pädophilie, Sexualitätsgeschichte, Queer Theory, Feministische Science & Technology Studies, Epistemologie der Sexualität, Diskursgeschichte, Biopolitik, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Deutsche Geschichte, Kulturgeschichte, Körper, Sexualität, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Kulturwissenschaft

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