Der asymptomatische Mensch

Die Medikalisierung der Lebenswelt am Beispiel von Alzheimer und Demenz

Wir leben im Zeitalter des asymptomatischen Menschen. Die Medikalisierung unserer Lebenswelt ist so weit vorangeschritten, dass Krankheitsbegriffe, die unseren Alltag maßgeblich prägen, kaum noch Überschneidungen mit unserer sinnlichen Erfahrung aufweisen. Lebenswissenschaften, Biotechnologien und Versorgungssysteme bestimmen unseren Umgang mit Gegenwart, Körper und Macht. Bildgebende Verfahren und Bioinformatik verwandeln medizinische Prognostik in einen selbstreferenziellen Wert. Hans Vogt zeigt: Nicht mehr nur bestimmte Lebensabschnitte haben Krankheitsstatus. Vielmehr bewegt sich der Mensch der Spätmoderne stets in fließend ineinander übergehenden Modulationen einer lebenslangen Diagnose.

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5. Februar 2021, 238 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5578-0

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Hans Vogt

Hans Vogt, Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Unser Bild von Krankheit als einer Grunderfahrung menschlichen Daseins wandelt sich gerade fundamental. Während dem Kranksein in der Gegenwart immer weniger Raum zugestanden wird, werden hochtechnologische Diagnostiken und Biomarker immer dominanter. Was folgt daraus für die Lebenswelt von Individuum und Gesellschaft und für unseren Umgang mit den Hilfsbedürftigen? Das Buch gibt hierauf keine endgültige Antwort, ist aber eine erste Momentaufnahme dieses Wandels.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Thema der ›Zivilisationskrankheit Demenz‹, welches Lebensstilprävention ins Zentrum setzte, wird gegenwärtig durch eine rein biologische Alzheimer-Prävention ersetzt. Diese ist positiver und positivistischer: Der potenzielle Demenz-Patient wollte das Übel der Krankheit in seiner Vagheit verhindern. Der asymptomatische, bereits als krank geltende Patient lebt vor allem in der Hoffnung und im Glauben an die Eindeutigkeits- und Heilsversprechungen der Forschung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Eine grundlegende (und deshalb womöglich randständige) Bedeutung. Im Kontext der medizinischen Alzheimer-Forschung könnte das Buch ketzerisch wirken. Im Kontext der sozialen Auseinandersetzung mit Demenz und Krankheit im Allgemeinen sollte dieses tiefwirkende Thema unbedingt bedacht sein. Nicht zuletzt bezüglich der gegenwärtigen Corona-Krise, in der allgemeine Verwirrung herrscht über den Unterschied zwischen Infektion und Erkrankung.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit jedem und jeder einzelnen, unabhängig von Profession und anderen sozialen Kategorien. Das könnte eine neue Studie werden.

5. Ihr Buch in einem Satz:

›Krank ist, wer Träger der molekularbiologischen Krankheits-Merkmale ist.‹

Besprochen in:
demenz, 49 (2021), Kirsten Vogeler
Autor_in(nen)
Hans Vogt
Buchtitel
Der asymptomatische Mensch Die Medikalisierung der Lebenswelt am Beispiel von Alzheimer und Demenz
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
238
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5578-0
DOI
10.14361/9783839455784
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JFSP31 JHB
BISAC-Code
SOC057000 SOC013000 SOC022000
THEMA-Code
JBFN MBS JBSP4 JHB
Erscheinungsdatum
5. Februar 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Alter, Medizin
Adressaten
Soziologie, Medical Humanities, Medizinsoziologie, Wissenssoziologie
Schlagworte
Alzheimer, Demenz, Medikalisierung, Neurowissenschaften, Biopolitik, Alter, Medizin, Gesellschaft, Medizinsoziologie, Körper, Soziologie

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