Im Zwischenraum der beschleunigten Moderne

Eine Bau- und Kulturgeschichte des Wartens auf Eisenbahnen, 1830-1935

Wartezeiten bilden ein unliebsames Alltagsphänomen, das uns jenseits seiner negativen Zuschreibung tiefe Einblicke in die Zeitkultur der Moderne gewährt. Anhand einer Archäologie von Architekturen und literarisch-künstlerischen Rezeptionen des Wartens zeigt Robin Kellermann am Beispiel des Eisenbahnverkehrs auf, wie sich Rahmung und Wahrnehmung dieses zeitlichen Zwischenraums im Laufe der Moderne von einem Zustand der würdigen Erwartung und Vorfreude zum Störfaktor der beschleunigten Welt wandelten. Damit erweitert er unser Verständnis der Epoche um ihre vielfach erzeugten Momente des Stillstands und erkundet einen Temporalzustand, der konstitutiv für die Verkehrsentwicklung wurde und trotz aller Auslöschungsversuche untrennbar mit ihr verbunden bleibt.

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12. Januar 2021, 496 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5589-0
Dateigröße: 22.49 MB

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Robin Kellermann

Robin Kellermann, Technische Universität Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil die Moderne zwar zurecht als Epoche der Beschleunigung bezeichnet wird, im Schatten der Beschleunigung jedoch systembedingt zahllose Situationen des Wartens entstanden, die zum unfreiwilligen Begleiter der modernen Lebenswelt wurden. Trotz ihrer Alltagsrelevanz erfuhren solche Wartesituationen bislang keinerlei systematische Widmung. Am Beispiel des Wartens an Bahnhöfen beleuchtet das Buch daher einen der Hauptschauplätze modernen Wartens und erkundet ein geächtetes Zeitphänomen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es erforscht erstmals den Wandel der Räume, Praktiken und Rezeptionen des Wartens im Kontext des öffentlichen Verkehrs. Es zeigt auf, welche operativen und sozialen Funktionen das Warten am Bahnhof erfüllte, warum es als ein spezifisch neues, modernes Phänomen erscheint und wie sich die Wahrnehmung dieses Zustands allmählich von der Vorfreude zum Symbol einer Gesellschaftskrise wandelte. Damit wird deutlich, dass die gegenwärtig negative Wahrnehmung des Wartens weit weniger alt ist als man glauben mag.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch besetzt eine Leerstelle im Bereich der historischen Mobilitätsforschung, die ihren Blick meist auf Verkehrstechnik und -infrastrukturen legt, sich jedoch kaum den ›Randerscheinungen‹ der Reiseerfahrungen widmet. Ohne den Einbezug der Momente des Stillstands lassen sich aber weder die Moderne noch deren Verkehrsentwicklung ganzheitlich verstehen. Zudem bereichert diese ›Geschichte des Wartens‹ aktuelle zeitsoziologische und -philosophische Debatten zur kulturell attestierten ›Zeitkrise‹.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

In einer rauchgeschwängerten Runde aus Georg Simmel, Hartmut Rosa und Wolfgang Schivelbusch.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Warten auf Abfahrt mag als ein unliebsamer Zustand anmuten, aber es hat eine Geschichte, die es zu erzählen gilt, weil es viel über unsere Kultur verrät.

Autor_in(nen)
Robin Kellermann
Buchtitel
Im Zwischenraum der beschleunigten Moderne Eine Bau- und Kulturgeschichte des Wartens auf Eisenbahnen, 1830-1935
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
496
Ausstattung
37 SW-Abbildungen, 16 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-5589-0
DOI
10.14361/9783839455890
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB TBX
BISAC-Code
HIS054000 TEC056000
THEMA-Code
NHTB TBX
Erscheinungsdatum
12. Januar 2021
Themen
Raum, Kulturgeschichte, Technik
Adressaten
Historische Mobilitätsforschung, Kulturwissenschaft, Architektur- und Baugeschichte, Zeitphilosophie
Schlagworte
Eisenbahn, Moderne, Mobilität, Bahnhof, Warten, Zeit, Architektur, Kultur, Verkehr, Kunst, Literatur, Kulturgeschichte, Technik, Raum, Technikgeschichte, Zeitphilosophie, Kulturwissenschaft

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