Überwachen und konsumieren

Kontrolle, Normen und soziale Beziehungen in der digitalen Gesellschaft

Die Digitalisierung unserer Lebenswelten ist allgegenwärtig und ermöglicht die Überwachung unseres Alltages in bisher ungekannten Formen. Warum aber gibt es dagegen so wenig Widerstand, obwohl Datenschützer immerzu warnen und Whistleblower wie Edward Snowden das ganze Ausmaß der Massenüberwachung öffentlich machen? Nils Zurawski konstatiert, dass solche Fragen am Phänomen selbst vorbeigehen, wenn sie nicht die Bedeutung des Konsums als elementares gesellschaftliches Element ernst nehmen. Er zeigt, welche symbolische Kraft Technologien haben und wieso Digitalisierung zu einer Re-Feudalisierung von Lebenswelten führt. In dieser Perspektive wird Überwachung zu einem Teil des Konsums und wirkt identitätsstiftend. Das Buch stellt Alternativen für andere Wege bereit, mit Digitalisierung umzugehen, und neue Möglichkeiten, Überwachung zu diskutieren.

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19. April 2021, 114 Seiten
ISBN: 978-3-7328-5606-0
Dateigröße: 0.28 MB

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Nils Zurawski

Nils Zurawski, Universität Hamburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil es eine andere, weitere Perspektive auf Überwachung und Konsum braucht, die wegkommt von einer kulturpessimistischen Sichtweise der unmündigen Bürger*innen, welche gefangen sind zwischen Datenschutz, Technologie und Konsum. Scheinbar unverschuldet und hoffnungslos stehen diese der Entwicklung gegenüber – dabei besteht hier vielmehr eine Wechselwirkung, die für eine emanzipatorische Weiterentwicklung der Digitalisierung essentiell ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Eine frische Sicht auf Überwachung, welche bisher zu sehr am Paradigma des Panopticon und der unausweichlichen Massenüberwachung festhängt. Die Erweiterung um das Thema Konsum als soziale Bedingung und Treiber von Überwachung kann der Debatte neue Impulse bieten, da der Fokus weg von Daten(schutz) und hin zu Normen, Bedürfnissen, Träumen und dem Kapitalismus selbst kommt. Möglicherweise kann hier ein neuer Pfad eröffnet werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Essay plädiert dafür, Überwachung im sozialen Kontext zu betrachten, als einen Teil sozialer Praxis. Das soll auch ermutigen, andere Forschungsansätze stärker in Betracht zu ziehen, z.B ethnographisch-anthropologische, die sich um die Bedeutung von und für Überwachung durch die und in der Alltagswelt kümmert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wenn ich die freie Wahl hätte: Mit JG Ballard, um mit ihm über sein Buch »Das Reich kommt« zu sprechen. Darin stehen ganze Sätze, die ich so in mein Buch übernehmen hätte können. Ich würde gern seine Einschätzung auf die Welt von heute wissen, wo rechtsautoritäre Stmmungen sich tatsächlich mit Konsumismus vermischen. Da er bereits 2009 gestorben ist, würde ich mich dann für Armin Nassehi entscheiden, um mit ihm über Digitalisierung, Muster, Bedürfnisse und die soziologische Gegenwart unterhalten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

›Der Konsumismus ist das Beste, was je erfunden wurde, um die Leute zu kontrollieren.‹ (JG Ballard). Der Essay erkundet die Bedingungen hinter diesem Satz.

O-Ton: »Optionsmaschinen und die Formatierung der Welt« – Nils Zurawski bei Telepolis am 16.01.2021.
http://bit.ly/3c7skNw
Besprochen in:
https://www.surveillance-studies.org, 20.04.2021
ekz-bibliotheksservice, 23 (2021)
Autor_in(nen)
Nils Zurawski
Buchtitel
Überwachen und konsumieren Kontrolle, Normen und soziale Beziehungen in der digitalen Gesellschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
114
ISBN
978-3-7328-5606-0
DOI
10.14361/9783839456064
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JFFT JHBA
BISAC-Code
SOC022000 SOC026000
THEMA-Code
JBCC JBFS JHBA
Erscheinungsdatum
19. April 2021
Themen
Gesellschaft, Internet, Sozialität
Adressaten
Soziologie, Kulturanthropologie, Kriminologie, Cultural Studies, Medienwissenschaft, Datenschutz, Surveillance Studies sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Überwachung, Konsum, Kontrolle, KI, Technologie, Distinktion, Digitalisierung, Gesellschaft, Internet, Sozialität, Kultursoziologie, Soziologische Theorie, Mediensoziologie, Soziologie

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