Die Gabe als drittes Prinzip zwischen Markt und Staat?

Perspektiven von Marcel Mauss bis zur Gegenwart

Marcel Mauss schrieb 1923 in seinem Essay Die Gabe, er habe in den Motiven des Gabentauschs »einen der Felsen gefunden, auf denen unsere Gesellschaften ruhen«. Bis heute wirft diese These Fragen auf: Wie stiftet die Gabe Solidarität, Anerkennung und Vertrauen in vormodernen Gesellschaften? Gelingt ihr das auch in modernen Gesellschaften? Aufbauend auf einer pointierten Rezeptionsgeschichte von Mauss' Essay und im Dialog mit Denkern aus Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften kommt dieses Buch zu dem Ergebnis, dass die Gabe neben Markt und Staat eine zentrale Funktion in unserer Gesellschaft hat. Darüber hinaus wird gezeigt, welche politischen Konsequenzen daraus resultieren und wie Gabeninteraktionen zur Sicherung des sozialen Gefüges genutzt werden können.

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27. Mai 2021, 210 Seiten
ISBN: 978-3-7328-5661-9
Dateigröße: 0.52 MB

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Marc Frick

Marc Frick, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (Mannheim), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Marcel Mauss gelingt es mithilfe der Kategorie der Gabe, Faktoren in den Blick zu nehmen, die für ein gelingendes Zusammenleben und stabilen sozialen Zusammenhalt essentiell sind. Begriffe wie Vertrauen, Großzügigkeit und Anerkennung sind für die Gabe entscheidend, werden aber in modernen marktwirtschaftlichen Gesellschaften als ›weiche Faktoren‹ unterschätzt. Das Buch zeigt, wie das Prinzip der Gabe eine mittlerer Rolle zwischen Markt und Staat einnimmt und zu einem gelingenden Leben beiträgt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die explizite Frage nach der Position des Prinzips der Gabe zwischen Markt und Staat ist neu. Ich zeige anhand von konkreten Debatten zwischen prominenten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern wie Kenneth Arrow, Robert Solow, Richard Titmuss und Michael Walzer, dass die Beschäftigung mit der Kategorie der Gabe praktische Erkenntnisse für den gegenwärtigen Diskurs bereithält – auch über den spezifischen ethnologisch, soziologisch und philosophisch geprägten Gabendiskurs hinaus.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Forschung zu prosozialen Verhalten in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wird durch die Rezeption von Mauss` Klassiker und seiner Perspektiven wesentlich ergänzt. Denn darin sind zentrale Kategorien und gesellschaftliche Dimensionen von Prosozialität bereits angelegt. Die aktuelle Pandemieerfahrung stellt uns zusätzlich vor die drängende Frage, welche persönlichen Interaktionsformen unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt sind und auch in der Pandemie ermöglicht werden sollten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Michael Walzer, Kenneth Arrow und Thomas Hobbes – im Rahmen eines kostenlosen Vesperbrotes im Anschluss an eine freiwillige Blutspende beim Roten Kreuz.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Von der Familie bis zur komplexen Gesellschaft bilden Gabenpraktiken eine Grundlage unseres Zusammenlebens – Zeit, sie genauer in den Blick zu nehmen.

Autor_in(nen)
Marc Frick
Buchtitel
Die Gabe als drittes Prinzip zwischen Markt und Staat? Perspektiven von Marcel Mauss bis zur Gegenwart
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
210
ISBN
978-3-7328-5661-9
Warengruppe
1733
BIC-Code
JPA HPS JFC
BISAC-Code
POL010000 PHI019000 SOC022000
THEMA-Code
JPA QDTS JBCC
Erscheinungsdatum
27. Mai 2021
Themen
Politik
Adressaten
Politische Philosophie, Politikwissenschaft, Politische Theorie, Soziologie, Ethnologie, Wirtschaftswissenschaft
Schlagworte
Gabe, Markt, Staat, Gesellschaft, Solidarität, Anerkennung, Vertrauen, Marcel Mauss, Sozialer Zusammenhalt, Politik, Politische Theorie, Politische Philosophie, Kulturtheorie, Politische Soziologie, Politikwissenschaft

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