Ohnmacht in der Demokratie

Das gebrochene Versprechen politischer Teilhabe

Die Demokratie ist durch ein nur begrenzt eingelöstes allgemeines Gleichheits- und Partizipationsversprechen gekennzeichnet: Viele Menschen fühlen sich politisch handlungsunfähig und haben den Eindruck, kein Gehör zu finden oder nicht repräsentiert zu werden. Am Beispiel der Situation von Geflüchteten in Deutschland zeigt Nikolai Huke die Ursachen und Folgen dieser Schieflage auf. Die Konfrontation mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen im privaten Alltag, in Behörden und in der Arbeitswelt, so die These, erfahren Subalterne als Ohnmacht. Politisches Engagement erscheint ihnen infolgedessen wenig erfolgversprechend. Demokratische Partizipation wird dadurch sozial selektiv und die Demokratie grundlegend unterminiert.

35,00 € *

27. Oktober 2021, ca. 320 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5682-4

Erscheint voraussichtlich bis zum 27. Oktober 2021

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Nikolai Huke

Nikolai Huke, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Demokratie verspricht allen Bürger*innen eine gleichberechtigte Teilhabe. Empirisch zeigt sich jedoch, dass alltägliche soziale Ungleichheit politische Ungleichheit zur Folge hat. Das Versprechen gleicher demokratischer Teilhabe existiert offensichtlich nur in mehrfachem Wortsinne in gebrochener Form, als selektiv eingelöster Anspruch: Es ist ›nicht eingelöst worden‹, aber auch bruchstückhaft und bricht sich an gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Mit meinem Buch zeige ich, dass alltägliche Ohnmachtserfahrungen dabei eine zentrale Rolle spielen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch verknüpft demokratietheoretische Perspektiven mit postkolonialen und gramscianischen Debatten um Subalternität, Ansätzen der kritischen Theorie, reproduktionstheoretischen Perspektiven im Anschluss an Pierre Bourdieu und John H. Goldthorpe sowie pädagogischen und psychologischen Debatten um Ohnmacht. Es macht darüber sichtbar, dass demokratische Handlungsfähigkeit nicht einfach vorausgesetzt werden kann, sondern eine Frage der Lebensbedingungen ist, die Menschen alltäglich umgeben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ohnmachtserfahrungen und ihre Konsequenzen bleiben bisher in demokratietheoretischen Forschungsdebatten unterbelichtet. Zwar weisen quantitative Studien immer wieder auf weit verbreitete Demokratiedistanz und Politikverdrossenheit hin. Anschließend wird jedoch der Blick zumeist auf Institutionen der liberalen Demokratie und die Frage ihrer Legitimität gerichtet. Die subjektive Dimension, das heißt, warum und unter welchen Bedingungen sich Menschen bewusst oder unbewusst gegen eine politische Partizipation in der Demokratie entscheiden, wird vernachlässigt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

In meinem Buch habe ich Ohnmachtserfahrungen von Geflüchteten in den Mittelpunkt gestellt, weil sich aus diesen viel über generelle Probleme der Demokratie lernen lässt. Spannend wäre es, diese Erfahrungen mit Forscher*innen zu diskutieren, die die politische Marginalisierung anderer Bevölkerungsgruppen untersuchen, etwa von Armutsbetroffenen. Ansonsten würde ich mich über eine Debatte über das Buch mit Wissenschaftler*innen freuen, die den Verlust politischer Gleichheit (z.B. Armin Schäfer) oder Versprechen der pluralen Demokratie (z.B. Naika Foroutan) in den Blick nehmen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer von Demokratie redet, sollte über die ohnmächtig machenden Verhältnisse, die Menschen alltäglich umgeben, nicht schweigen.

Autor_in(nen)
Nikolai Huke
Buchtitel
Ohnmacht in der Demokratie Das gebrochene Versprechen politischer Teilhabe
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 320
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 23 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5682-4
Warengruppe
1733
BIC-Code
JPHV JPA JPQB
BISAC-Code
POL007000 POL010000 POL028000
THEMA-Code
JPHV JPA JPQB
Erscheinungsdatum
27. Oktober 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Politik, Migration, Soziale Ungleichheit
Adressaten
Politikwissenschaft, Demokratietheorie, Migrationsforschung, Soziologie, Verwaltungswissenschaft, Soziale Bewegungsforschung sowie Praktiker*innen im Bereich der sozialen und politischen Arbeit
Schlagworte
Demokratie, Partizipation, Teilhabe, Ungleichheit, Flucht, Migration, Rassismus, Prekarität, Alltag, Behörde, Arbeitsmarkt, Industrielle Beziehungen, Politik, Gesellschaft, Politische Theorie, Migrationspolitik, Zivilgesellschaft, Politikwissenschaft

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