Die Suche nach Differenz

Denkmalpflege im Spannungsfeld globaler Kulturerbepolitik

Denkmalpflege als »westlich-modern« zu vereinnahmen, ließ den Erhalt des Materiellen über den Imperialismus und die Nationalstaatenbildung sowie postkoloniale Diskussionen und kritische Kulturstudien zu einem vermeintlich autoritären Konzept werden. Der inhärente Ethnozentrismus verstellt dabei den Blick auf den Erhalt des kulturellen Erbes als globalen Aushandlungsprozess. Martina Oeter geht den Macht- und Wissensstrukturen in der internationalen Kulturerbepolitik nach und zeigt, dass die Aufwertung des immateriellen Erbes – als demokratische Antwort auf den vorherrschenden Denkmalkult – materielles Kulturerbe abgewertet hat und seither eine Auseinandersetzung mit dessen gesellschaftlichen Werten erschwert.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. Abkürzungsverzeichnis

    Seiten 7 - 8
  4. 1. Das Thema

    1.1 Bedeutung, Eingrenzung und Zielsetzung

    Seiten 9 - 12
  5. 1.2 Einführung: Der Mythos der modernen Denkmalpflege im Zeichen des material turn

    Seiten 12 - 20
  6. 1.3 Stand der Forschung

    Seiten 20 - 50
  7. 2. Vom Vorwärtsgehen und Zurückschauen: Die westliche Moderne und ihre Denkmalpflege

    2.1 Der inszenierte Bruch mit der Vergangenheit

    Seiten 51 - 57
  8. 2.2 Moderner Historismus oder die Ambivalenz der Moderne

    Seiten 57 - 65
  9. 2.3 Auf der Suche nach dem Wert der eigenen Geschichte

    Seiten 65 - 75
  10. 2.4 Grenzüberschreitung: Denkmalpflege zwischen Verflechtung und Abgrenzung

    Seiten 75 - 82
  11. 2.5 Zwischenbilanz I: Westlich-moderne Denkmalpflege im Widerstreit

    Seiten 82 - 84
  12. 2.6 Fokus auf Deutschland

    Seiten 84 - 142
  13. 3. Die außereuropäische Welt als Experimentierfeld des modernen Kulturerbeerhalts

    3.1 Der Erhalt des kulturellen Erbes im Zeichen von Eurozentrismus und Internationalisierung

    Seiten 143 - 148
  14. 3.2 Der Okzident erfindet sich selbst – eine Horizonterweiterung zwischen Modernebezug und Zivilisierungsmission

    Seiten 148 - 160
  15. 3.3 Der imperiale Wettstreit – Entdecker werden zu Kulturerbebewahrern

    Seiten 160 - 168
  16. 3.4 Auf der Suche nach Differenz – die Gegenüberstellung von westlicher Moderne und traditionellen Kulturen

    Seiten 168 - 174
  17. 4. Die Internationalisierung des Kulturerbekonzepts

    4.1 Brüchige Wertschätzung – Geschichten von Krieg und gesellschaftlicher Modernisierung

    Seiten 175 - 181
  18. 4.2 Von Athen nach Venedig – Internationale Konferenzen suchen nach neuen Wegen des Kulturerbeerhalts

    Seiten 181 - 188
  19. 4.3 Die Welterbekonvention und die Grenzen der Diplomatie

    Seiten 188 - 197
  20. 4.4 Die Burra Charter und die Provinzialisierung des Kulturerbes

    Seiten 197 - 200
  21. 4.5 Fokus auf Japan

    Seiten 200 - 212
  22. 4.6 Zwischenbilanz II: Japans Denkmalpflege im Widerstreit

    Seiten 213 - 222
  23. 5. Geteiltes Erbe: Der Westen und der Rest der Welt

    5.1 Die Authentizitätsdebatte und der Paradigmenwechsel im Kulturerbeerhalt

    Seiten 223 - 228
  24. 5.2 Japans Kulturdiplomatie und die Ost-West-Dichotomie

    Seiten 229 - 230
  25. 5.3 Die Konferenz von Nara im Zeichen des Orientalismus

    Seiten 231 - 238
  26. 5.4 Das Konzept des Immateriellen Kulturerbes als Antwort auf den westlich-materiellen Kulturerbediskurs

    Seiten 238 - 248
  27. 5.5 Die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen: Demokratisierung oder Provinzialisierung des Kulturerbeerhalts?

    Seiten 248 - 252
  28. 6. Die anthropologische Wende: Alles Kulturerbe ist immateriell?

    Seiten 253 - 258
  29. 7. Resümee

    Seiten 259 - 280
  30. 8. Der Wert historischer Substanz

    Seiten 281 - 292
  31. Literaturverzeichnis

    Seiten 293 - 402
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48,00 € *

27. Mai 2021, 402 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5686-2

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Martina Oeter

Martina Oeter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Schwerpunkt meiner Betrachtung liegt auf der Baudenkmalpflege im internationalen Kontext. Bis in die späten 1980er Jahre war das gesellschaftliche Interesse eher auf das materielle Kulturerbe konzentriert. Das hat sich geändert. Heute scheint der Fokus sogar stärker auf dem Immateriellen wie Bräuchen und Ausdrucksformen zu liegen. Warum das so ist, hat viel mit der Geschichte und der Globalisierung der Denkmalpflege zu tun die, wie ich darlege, von Ethnozentrismus geprägt sind.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Klischee von modernem Westen und vormodernem Rest der Welt ist auch in Denkmalpflege und Kulturerbeerhalt tief verwurzelt. Der Westen steht entsprechend für eine aufgeklärt geschichtsbewusste Gesellschaft, die die Relikte der Vergangenheit bewahren will, ganz im Gegensatz zum Rest der Welt, der noch in den vormodernen Traditionen verhaftet ist und deshalb andere Konzepte des Kulturerbeerhalts hat. Dieses Klischee steht einer überfälligen substanziellen Diskussion über Werte von Kulturerbe im Wege.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es geht um die Gegenüberstellung, die den Westen als modern, entwickelt und rational darstellt, während der Gegenpol, das Andere, unterentwickelt und traditionell zu sein scheint, oder als Sehnsuchtsort auch geheimnisvoll und exotisch. Bisher eher außerhalb Deutschlands aufgearbeitet, ist die nun auch hier geführte Debatte um Kolonialismus und die Restitution von Kulturschätzen ein sehr aktuelles Forschungsthema, das nicht zuletzt durch den Bau des Humboldtforums in Berlin in Gang gesetzt wurde.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wichtig ist das Beleuchten der Thematik von verschiedenen Seiten. Wünschen würde ich mir eine Diskussionsrunde mit Kulturerbeinteressierten und Experten der Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Politikwissenschaften aus unterschiedlichen Kontinenten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Sich der Denkmalpflege über eine Horizonterweiterung zu nähern, die auch Modernebezug, Imperialismus, Nationalismus und Krieg einbezieht, weitet unseren Blick für geschichtliche Zusammenhänge und Werte von Kulturerbe.

Autor_in(nen)
Martina Oeter
Buchtitel
Die Suche nach Differenz Denkmalpflege im Spannungsfeld globaler Kulturerbepolitik
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
402
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 33 SW-Abbildungen, 5 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5686-2
DOI
10.14361/9783839456866
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC HBTB KJM
BISAC-Code
SOC022000 HIS054000 BUS041000
THEMA-Code
JBCC NHTB KJM
Erscheinungsdatum
27. Mai 2021
Auflage
1
Themen
Kulturmanagement, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur
Adressaten
Denkmalpflege, Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaft, Postcolonial Studies, Politikwissenschaft
Schlagworte
Denkmalpflege, Kulturerbe, Imperialismus, Ethnozentrismus, Postkolonialismus, Japan, Deutschland, Burra Charta, Erinnerungskultur, Kulturgeschichte, Kulturmanagement, Globalgeschichte, Kulturwissenschaft

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