Die Suche nach Differenz

Denkmalpflege im Spannungsfeld globaler Kulturerbepolitik

Denkmalpflege als »westlich-modern« zu vereinnahmen, ließ den Erhalt des Materiellen über den Imperialismus und die Nationalstaatenbildung sowie postkoloniale Diskussionen und kritische Kulturstudien zu einem vermeintlich autoritären Konzept werden. Der inhärente Ethnozentrismus verstellt dabei den Blick auf den Erhalt des kulturellen Erbes als globalen Aushandlungsprozess. Martina Oeter geht den Macht- und Wissensstrukturen in der internationalen Kulturerbepolitik nach und zeigt, dass die Aufwertung des immateriellen Erbes – als demokratische Antwort auf den vorherrschenden Denkmalkult – materielles Kulturerbe abgewertet hat und seither eine Auseinandersetzung mit dessen gesellschaftlichen Werten erschwert.

47,99 € *

10. Mai 2021, 402 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5686-6
Dateigröße: 10.33 MB

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Martina Oeter

Martina Oeter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Schwerpunkt meiner Betrachtung liegt auf der Baudenkmalpflege im internationalen Kontext. Bis in die späten 1980er Jahre war das gesellschaftliche Interesse eher auf das materielle Kulturerbe konzentriert. Das hat sich geändert. Heute scheint der Fokus sogar stärker auf dem Immateriellen wie Bräuchen und Ausdrucksformen zu liegen. Warum das so ist, hat viel mit der Geschichte und der Globalisierung der Denkmalpflege zu tun die, wie ich darlege, von Ethnozentrismus geprägt sind.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Klischee von modernem Westen und vormodernem Rest der Welt ist auch in Denkmalpflege und Kulturerbeerhalt tief verwurzelt. Der Westen steht entsprechend für eine aufgeklärt geschichtsbewusste Gesellschaft, die die Relikte der Vergangenheit bewahren will, ganz im Gegensatz zum Rest der Welt, der noch in den vormodernen Traditionen verhaftet ist und deshalb andere Konzepte des Kulturerbeerhalts hat. Dieses Klischee steht einer überfälligen substanziellen Diskussion über Werte von Kulturerbe im Wege.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es geht um die Gegenüberstellung, die den Westen als modern, entwickelt und rational darstellt, während der Gegenpol, das Andere, unterentwickelt und traditionell zu sein scheint, oder als Sehnsuchtsort auch geheimnisvoll und exotisch. Bisher eher außerhalb Deutschlands aufgearbeitet, ist die nun auch hier geführte Debatte um Kolonialismus und die Restitution von Kulturschätzen ein sehr aktuelles Forschungsthema, das nicht zuletzt durch den Bau des Humboldtforums in Berlin in Gang gesetzt wurde.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wichtig ist das Beleuchten der Thematik von verschiedenen Seiten. Wünschen würde ich mir eine Diskussionsrunde mit Kulturerbeinteressierten und Experten der Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Politikwissenschaften aus unterschiedlichen Kontinenten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Sich der Denkmalpflege über eine Horizonterweiterung zu nähern, die auch Modernebezug, Imperialismus, Nationalismus und Krieg einbezieht, weitet unseren Blick für geschichtliche Zusammenhänge und Werte von Kulturerbe.

Autor_in(nen)
Martina Oeter
Buchtitel
Die Suche nach Differenz Denkmalpflege im Spannungsfeld globaler Kulturerbepolitik
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
402
Ausstattung
33 SW-Abbildungen, 5 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-5686-6
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC HBTB KJM
BISAC-Code
SOC022000 HIS054000 BUS041000
THEMA-Code
JBCC NHTB KJM
Erscheinungsdatum
10. Mai 2021
Themen
Kulturmanagement, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur
Adressaten
Denkmalpflege, Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaft, Postcolonial Studies, Politikwissenschaft
Schlagworte
Denkmalpflege, Kulturerbe, Imperialismus, Ethnozentrismus, Postkolonialismus, Japan, Deutschland, Burra Charta, Erinnerungskultur, Kulturgeschichte, Kulturmanagement, Globalgeschichte, Kulturwissenschaft

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