Das Selbstmordattentat im Bild

Aktualität und Geschichte von Märtyrerzeugnissen

Selbstmordattentate werden seit jeher von Bildern begleitet und durch diese bestimmt. Von Märtyrerpostern über Videotestamente bis hin zu Computersimulationen und Livestreams vom Tatort – die Bildproduktionen der Milizen sind auf vielfältige Weise an der Tat beteiligt und müssen als Akteure im politischen Feld ernstgenommen werden. Verena Straub zeigt erstmals die Geschichte sogenannter Märtyrerzeugnisse auf, die seit den 1970er Jahren in diversen politischen Kontexten operieren. In zahlreichen Falluntersuchungen analysiert sie deren ästhetische und mediale Bandbreite, ihre Handlungsdimensionen und Genderpolitiken, ihre künstlerischen Aneignungen und ethischen Herausforderungen.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. 1 Einleitung: Das Selbstmordattentat im Bild

    1.1 VOM BILDERKRIEG ZUR BILDOPERATION

    Seiten 7 - 15
  4. 1.2 BEZEUGEN – ERZEUGEN – ÜBERZEUGEN

    Seiten 16 - 21
  5. 1.3 SELBSTMORDATTENTAT, TERRORISMUS, MARTYRIUM. PROBLEMATISIERUNG DER BEGRIFFLICHKEITEN

    Seiten 21 - 30
  6. 1.4 VON DEN ASSASSINEN ZUM ISLAMISCHEN STAAT? KONTUREN EINER GESCHICHTE DES SELBSTMORDATTENTATS

    Seiten 30 - 38
  7. 2 Märtyrerposter als sekundäre Zeugnisse

    2.1 DAS MÄRTYRERPOSTER ZWISCHEN BEZEUGEN UND ERZEUGEN

    Seiten 39 - 51
  8. 2.2 KAMIKAZE, FEDAJIN, SCHAHID? DIE FOTOGRAFIEN PALÄSTINENSISCHER SELBSTMORDATTENTÄTER*INNEN AB 1974

    Seiten 51 - 60
  9. 2.3 KOPIEREN UND ÜBERZEUGEN. PALÄSTINENSISCHE MÄRTYRERPOSTER ALS POP-IKONEN

    Seiten 60 - 72
  10. 2.4 DER ›ERFOLG‹ VON BILDOPERATIONEN. DIE ERSTEN SELBSTMORDATTENTATE VON HISBOLLAH UND AMAL

    Seiten 73 - 80
  11. 2.5 BILDOPERATIONEN IM RAUM. MÄRTYRERPOSTER IN SERIENPRODUKTION

    Seiten 80 - 86
  12. 2.6 RAHMENWECHSEL. DAS MÄRTYRERPOSTER IM KUNSTKONTEXT

    Seiten 86 - 98
  13. 3 Videotestamente. Das eigene Martyrium bezeugen?

    3.1 »I AM THE MARTYR«. DIE ›ERFINDUNG‹ DES VIDEOTESTAMENTS IM LIBANON AB 1985

    Seiten 99 - 145
  14. 3.2 »THE STUTTERING OF THE MARTYR«. ELIAS KHOURYS UND RABIH MROUÉS PERFORMANCES THREE POSTERS (2000) UND ON THREE POSTERS (2004)

    Seiten 145 - 153
  15. 3.3 VOM MÄRTYRERTESTAMENT ZU EINER DRAMATURGIE DER ZEUGENSCHAFT: DIE FERNSEHPRODUKTIONEN DER HISBOLLAH

    Seiten 153 - 176
  16. 3.4 »I AM THE FEMALE MARTYR«. VIDEOTESTAMENTE PALÄSTINENSISCHER SELBSTMORDATTENTÄTERINNEN AB 2002

    Seiten 176 - 212
  17. 4 Digitale Postproduktionen. Simulation und Interaktivität im Videotestament 2.0

    4.1 SELBSTMORDATTENTÄTER IN DER BLUE BOX. DIE VIDEOTESTAMENTE DER AL-QAIDA SEIT 9/11

    Seiten 213 - 224
  18. 4.2 DIE SIMULATION DES PARADIESES. DIE POSTPRODUKTION ALS AUGENZEUGNIS?

    Seiten 225 - 235
  19. 4.3 DAS VIDEOTESTAMENT IM ZEITALTER DES EGO-SHOOTERS

    Seiten 236 - 260
  20. 4.4 MEDIENZEUGENSCHAFT. ETHIK UND SELBSTREFLEXION

    Seiten 261 - 270
  21. 5 Schluss: Das Märtyrerzeugnis als Selfie im Livestream

    Seiten 271 - 284
  22. Literatur

    Seiten 285 - 302
  23. Abbildungsnachweis

    Seiten 303 - 310
  24. Dank

    Seiten 311 - 314
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0,00 € *

3. September 2021, ca. 314 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5715-3
Dateigröße: ca. 14.63 MB

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Verena Straub

Verena Straub, Freie Universität Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Zwanzig Jahre nach 9/11 ist das Thema Selbstmordattentat gerade wieder in aller Munde. Über die Macht der Medienbilder wurde vielfach diskutiert. Umso überraschender ist es, dass es bislang nur wenige Versuche gibt, auch die Funktionen der Bilder zu erklären, die von den Attentätern selbst in Umlauf gebracht wurden. Mit dem Buch liegt erstmals eine bildhistorische Analyse und Theoretisierung sogenannter Märtyrerzeugnisse vor, die Selbstmordattentate nach wie vor entscheidend prägen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch zeigt, dass das Videotestament des selbsternannten ›Märtyrers‹ eine äußerst komplexe Geschichte aufweist – und das sowohl in politischer als auch in medialer Hinsicht. Dies wird in aktuellen Debatten um islamistisch motivierte Selbstmordattentate und deren Online-Bilderflut häufig vergessen. Die bildhistorische Perspektive schärft den Blick dafür, auf welch unterschiedliche Art und Weise Märtyrertestamente in das militante Geschehen involviert sind.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In meinem Buch geht es um die vielfältigen ›operativen‹ Funktionen dieser Bildzeugnisse. Dies schließt an eine aktuelle Debatte der Medien- und Bildwissenschaft an. Gerade im Kontext militärischer Konflikte wurde vermehrt betont, dass Bilder nicht nur abbilden, sondern performative und konstitutive Rollen übernehmen. Dabei geht es notwendigerweise auch um die ethischen Herausforderungen, die mit diesen Bildern verbunden sind und die in meinem Buch zentral diskutiert werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde das Buch gerne mit Personen diskutieren, die sich mit dem Thema Selbstmordattentat aus unterschiedlichen (Fach-)Richtungen beschäftigen. Da mit meinem Blick als deutsche Kunsthistorikerin eine ganz bestimmte Perspektive einhergeht, würde ich das Buch besonders gern mit Menschen diskutieren, deren Blickrichtung sich von meiner unterscheidet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Von Märtyrerpostern über Videotestamente bis hin zu Livestreams vom Tatort – eine bildhistorische Perspektive auf ein brisantes Thema.

Autor_in(nen)
Verena Straub
Buchtitel
Das Selbstmordattentat im Bild Aktualität und Geschichte von Märtyrerzeugnissen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 314
Ausstattung
35 Farbabbildungen, 85 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5715-3
DOI
10.14361/9783839457153
Warengruppe
1581
BIC-Code
ABA JFD JFFE JPWL
BISAC-Code
ART009000 SOC052000 SOC051000 POL037000
THEMA-Code
ABA JBCT JBFK JPWL
Erscheinungsdatum
3. September 2021
Themen
Medien, Gewalt, Bild, Kunst
Adressaten
Bildwissenschaft, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Terrorforschung
Schlagworte
Bild, Kunst, Medien, Terror, Selbstmordattentat, Politik, Gewalt, Bildwissenschaft, Terrorismus, Fundamentalismus, Kunstwissenschaft

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