Der Widerspenstigen Verstümmelung

Eine Geschichte der Kliteridektomie im »Westen«, 1500-2000

Die Kliteridektomie war auch in westlichen Gesellschaften ein massenhaft angewandtes Mittel zur Kontrolle weiblicher Sexualität. Norbert Finzsch geht der Geschichte der weiblichen Genitalverstümmelung, kurz FGM oder FMC, nach und konzentriert sich dabei territorial auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA. Die Untersuchung reicht von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart und gibt Einblicke in die diskursiven Schichten dieser sexistischen Praxis und in die gewaltsamen Auswirkungen für die betroffenen Frauen. Nicht zuletzt deckt die sozialpsychologische Perspektive vieles über männliche Ängste vor (sexueller) Autonomie von Frauen auf.

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10. Mai 2021, 528 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5717-3

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Norbert Finzsch

Norbert Finzsch, Universität zu Köln, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) ist ein häufig diskutiertes Thema und wird heute ausschließlich mit muslimischen und afrikanischen Gesellschaften oder muslimischen und afrikanischen Communities in der Diaspora assoziiert. Mir lag im Sinne des ›Provincializing the West‹ daran zu zeigen, wie lang die Geschichte des FGM/C in Europa und Nordamerika zurückreicht. Die operierten Frauen und Mädchen kamen aus allen Schichten der europäischen Bevölkerung. Sie hinterließen keine schriftlichen Quellen, weshalb die Forschung sie bisher kaum wahrgenommen hat.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch zeigt die lange Tradition weißer männlicher Mediziner bei der Einhegung und Kontrolle weiblicher Sexualität zwischen 1500 und 1980, vor allem dort, wo es um die Kontrolle von nicht primär auf biologische Reproduktion gerichtete Sexualität ging. Frauen, die diesen Operationen unterworfen wurden, leisteten Widerstand gegen die Einhegung ihrer Sexualität, indem sie Frauen begehrten, masturbierten, sich ›hysterisch‹ gebärdeten, ›frigide‹ oder ›nymphomanisch‹ wurden. Die ›Anomalität‹ sollte durch chirurgische Eingriffe am weiblichen Körper behoben werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Thema ist anschlussfähig an die Diskussion um kosmetische Operationen an weiblichen Genitalien, an die Rolle westlicher Medizin bei Versuchen am Menschen und an die feministisch-informierte Diskussion um die Geschichte der Sexualitäten und der Körper. Das Thema dient ferner der Kontextualisierung europäischer Vorstellungen von Weiblichkeit und Begehren und leistet einen Beitrag zur Historisierung der Psychoanalyse.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Irene Franken vom Kölner Frauengeschichtsverein.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die weibliche Genitalverstümmelung als eine medizinische Praxis im gesamten ›Westen‹ zwischen 1500 und 2000 wird in diesem Buch erstmalig untersucht.

»Spannend und aufschlussreich.«
Ramona Westhof, Deutschlandfunk – Andruck, 02.08.2021
Autor_in(nen)
Norbert Finzsch
Buchtitel
Der Widerspenstigen Verstümmelung Eine Geschichte der Kliteridektomie im »Westen«, 1500-2000
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
528
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 30 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5717-3
DOI
10.14361/9783839457177
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB JFSJ
BISAC-Code
HIS054000 SOC032000
THEMA-Code
NHTB JBSF
Erscheinungsdatum
10. Mai 2021
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Körper, Gewalt, Kulturgeschichte
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Medizin, Sexualwissenschaft
Schlagworte
Genitalverstümmelung, Klitoridektomie, Kliteridektomie, Medizin, Sexualität, Europa, Nordamerika, Frühe Neuzeit, Neuere und Neueste Geschichte, Zeitgeschichte, Sexuelle Devianz, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Frauengesundheit, Frauenmedizin, Kulturgeschichte, Geschlecht, Gewalt, Geschlechtergeschichte, Gender Studies, Medizingeschichte, Geschichtswissenschaft

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