Lebenswelten jenseits der Parallelgesellschaft

Postmigrantische Perspektiven auf Integrationskurse in Deutschland und Belgien

Das Ruhrgebiet und die Region Brüssel-Hauptstadt sind durch Migration entstandene kosmopolitische Ballungszentren, in denen Integrationsprozesse besondere Bedeutung haben. Severin Frenzel hat acht Integrationskursteilnehmende aus diesen Regionen zu ihrem herausfordernden Alltag zwischen Integrationspflicht und Zukunftsoffenheit befragt. Zusätzlich zur Reflexion ihrer Lernprozesse und des Kursgeschehens berichten sie von ihren Zielen und Träumen und davon, was sie selbst unter Integration verstehen. Dabei widersprechen sie klassischen Deutungsmustern von Kulturkonflikt und Parallelgesellschaft, sodass die Analyse ihrer Erzählungen lesenswerte neue Sichtweisen auf Integration und Integrationskurse sowie auf Sprache, Bildung und Urbanität bietet.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. Danksagung

    Seiten 7 - 8
  4. Einleitung

    Seiten 9 - 16
  5. 1. Darstellung und Diskussion des Forschungsstandes

    1.1 Desintegrationsdiskurse und die Entstehung der Integrationspflicht

    Seiten 17 - 70
  6. 1.2 Integrationspflicht und Integrationskurs

    Seiten 70 - 88
  7. 2. Theoretische Grundlegung

    2.1 Der cultural lag und Integration als polykontextuelle Systeminklusion

    Seiten 89 - 92
  8. 2.2 Toxische und resiliente gesellschaftliche Narrative

    Seiten 92 - 94
  9. 2.3 Chancenreiche Biografien und reflexive Pädagogik

    Seiten 94 - 98
  10. 2.4 Alltägliche Lebensführung

    Seiten 98 - 100
  11. 3. Methodologie und Forschungsdesign

    3.1 Forschungsfragen, Themenkomplexe und Herangehensweise

    Seiten 101 - 105
  12. 3.2 Transkriptionsregeln – Transkriptionen als Konstrukte

    Seiten 105 - 107
  13. 3.3 Forschungskorpus

    Seite 107
  14. 3.4 Auswertungsverfahren und Interpretation

    Seiten 107 - 116
  15. 4.1 Vier Fallstudien – Interviews im Ruhrgebiet

    4.1.1 Inci – Es ist egal, welche Sprache, welches Land, welche Kultur, welcher Glaube

    Seiten 117 - 150
  16. 4.1.2 Sirada – Heute spricht mein Mann auch Thai

    Seiten 151 - 174
  17. 4.1.3 Volodymyr – Ich bin Sportmeister

    Seiten 174 - 196
  18. 4.1.4 Florean – Die Italiener sagen: tutto il mondo un paese

    Seiten 197 - 221
  19. 4.2 Vier Fallstudien – Interviews in Brüssel

    4.2.1 Aristide – Ich mag es, jeden zu treffen von woanders

    Seiten 222 - 239
  20. 4.2.2 Moufid – Ich möchte hier bilingual sein

    Seiten 240 - 258
  21. 4.2.3 Dilara – Eine Stadt hat viele Orte, die nützlich sind, wenn du neu bist

    Seiten 259 - 280
  22. 4.2.4 Pierre – Und ich freue mich darauf, in diesem Land zu leben und zu bleiben

    Seiten 281 - 298
  23. 5. Fazit – Acht Fallstudien, Integrationskurs und Inburgeringstraject im Vergleich

    5.1 Erwachsenenbildung, Integrationspflicht und Lebensweltbezug

    Seiten 299 - 311
  24. 5.2 Habitustransformation oder reframing?

    Seiten 311 - 323
  25. 5.3 Integrationskurs und Alltägliche Lebensführung

    Seiten 323 - 337
  26. 5.4 Sprachlernprozesse und Sprachumgebung

    Seiten 337 - 347
  27. 5.5 Felder der Mehrdeutigkeit

    Seiten 347 - 354
  28. 5.6 Inburgering, Integration und Verweise auf gesellschaftliche Deutungsmuster

    Seiten 354 - 365
  29. 5.7 Kritische Anmerkungen zur empirischen Untersuchung

    Seiten 365 - 367
  30. 5.8 Gespräch mit Piet Rabau – Alltag, Urbanität und die Entstehung selbstorganisierter Strukturen

    Seiten 367 - 376
  31. 6. Ausblick – Bildung für die postmigrantische Gesellschaft

    6.1 Das transtopische Sprachlabor der postmigrantischen Gesellschaft

    Seiten 377 - 381
  32. 6.2 Postmigrantische Mobilität – Topologische Entfernungen, transnationales Kapital und eine neue Definition von Zentrum und Peripherie

    Seiten 381 - 385
  33. 6.3 Die Gesellschaft braucht eine postmigrantische Bildung

    Seiten 385 - 402
  34. Abbildungsverzeichnis

    Seiten 403 - 404
  35. Literaturverzeichnis

    Seiten 405 - 416
  36. Internetquellen (alphabetisch)

    Seiten 417 - 420
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49,00 € *

14. Juni 2021, 420 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5727-2

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Severin Frenzel

Severin Frenzel, Bildungs- und Sozialwissenschaftler, Schweiz/Deutschland/Belgien

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In den urbanen Regionen gibt es eine sichtbare Normalisierung und Veralltäglichung mehrheimischen Lebens. Als gesellschaftliche Normalitätsvorstellung hat sich die dauerhafte und unspektakuläre Anwesenheit von Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte bisher jedoch nicht durchgesetzt. Stattdessen wird ihnen eine Integrationspflicht auferlegt. Das Anliegen meines Buches ist, die Erfahrungsschätze der Menschen in diesem Spannungsfeld zwischen Alltagsnormalität und Integrationsdruck zu heben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch basiert auf einer Blickumkehr. Integrationskursteilnehmende in Brüssel und im Ruhrgebiet sind diejenigen, die in meinem Buch über Integrationsprozesse berichten. Sie werfen spannende Fragen auf, etwa welche gesellschaftlichen Integrationsangebote überhaupt zur Verfügung stehen und ob und wie diese in Anspruch genommen werden können. Gerade der Vergleich zwischen Deutschland und Belgien zeigt unterschiedliche Wege, die auch zu unterschiedlichen Möglichkeiten der Beheimatung führen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Lange Zeit wurde Migration als wissenschaftliches Spezialthema betrachtet. Die neue postmigrantische Perspektive räumt damit auf, indem sie Migration zum Ausgangspunkt jeder Gesellschaftsanalyse macht. Es handelt sich aber keineswegs um einen ausdefinierten Ansatz, sondern stattdessen um eine recht offene Perspektive, die zu Innovationen einlädt. Das hat mir ermöglicht, eine geeignete Methodik selbst zu entwickeln und das Thema auf eine kreative, neue und spannende Weise zu bearbeiten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde die Inhalte meines Buches gerne mit all jenen diskutieren, die sich für Migration und Integration interessieren, mit Zufallsbekanntschaften in einem Brüsseler Straßencafé, mit anderen Fahrgästen in der Dortmunder U-Bahn und an jedem weiteren Ort, wo Menschen unvermittelt und spontan ins Gespräch kommen. Schön wäre auch, wenn das Buch den wissenschaftlichen Diskurs über Migration und Integration befruchtet und die Diskussion der Perspektiven und möglichen Herangehensweisen fördert.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer wissen möchte, was Integration lebensweltlich tatsächlich bedeutet, muss die Expert_innen zu Wort kommen lassen – die Zugewanderten selbst.

Autor_in(nen)
Severin Frenzel
Buchtitel
Lebenswelten jenseits der Parallelgesellschaft Postmigrantische Perspektiven auf Integrationskurse in Deutschland und Belgien
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
420
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 19 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5727-2
DOI
10.14361/9783839457276
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFN JNA JFC
BISAC-Code
SOC007000 SOC026000 EDU040000 SOC022000
THEMA-Code
JBFH JNA JBCC
Erscheinungsdatum
14. Juni 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Europa, Migration, Sprache
Adressaten
Bildungswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaft, Migrationsforschung sowie DaZ-/DaF-Lehrpersonen, Integrationskursanbieter*innen und Sozialberater*innen
Schlagworte
Integrationskurs, Migration, Postmigrantische Gesellschaft, Integration, Diversität, Ruhrgebiet, Brüssel, Sprache, Bildung, Urbanität, Kulturkonflikt, Gesellschaft, Bildungssoziologie, Kultursoziologie, Qualitative Sozialforschung, Soziologie

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