Nichtstun als politische Praxis

Literarische Reflexionen von Untätigkeit in der Moderne

In der Moderne gilt das Nichtstun gemeinhin als wertlos oder gefährlich. Im Gegensatz dazu betrachtet Agatha Frischmuth das Phänomen in einer völlig neuen Auslegung von Hannah Arendts Handlungsphilosophie als eine genuin politische Praxis, die die im westlichen Denken fest verankerte Binäropposition zwischen Handlung und Nichthandlung auflöst. Ihre literaturwissenschaftliche Studie zeigt in diskursanalytischen Lektüren der Romane von Robert Walser, Thomas Mann, Georges Perec und Mirosław Nahacz Überraschendes auf: eine bisher ungeahnt enge Verknüpfung des Nichtstun-Motivs mit einer Sehnsucht nach Gemeinschaft und die Darstellung des Nichtstuns als uneigentliches Erzählen und Sprechen.

0,00 € *

3. August 2021, 330 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5739-9
Dateigröße: 2.35 MB

Weiterempfehlen

Agatha Frischmuth

Agatha Frischmuth, Freie Universität Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir leben in einer Zeit, die Arbeit und Tätigsein über alles stellt. Gängige Begriffe wie ›Leistungsgesellschaft‹ und ›Fortschrittsideologie‹ veranschaulichen es: Man erwartet, dass ständig und auf eine ganz bestimmte Art und Weise etwas getan werden muss. Das ist auf Dauer ein ziemlicher Gewaltakt, und gleichzeitig schwer zu umgehen. Ein möglicher Weg, sich davon freizumachen, ist das Nichtstun.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meinem Buch geht es darum, Nichtstun weder mit Faulheit noch mit Freizeit, Muße und Spaß zu assoziieren, sondern als politische Handlung zu verstehen. In einer Welt, in der man ohne Arbeit nichts wert ist, ist absichtsvolles Nichtstun nämlich Kritik an, Rebellion gegen, und Veränderung dieser Welt! Die Philosophie und Literatur des 20. Jahrhunderts haben viel darüber nachgedacht, wie man sich von dieser ›Diktatur des Tuns‹ befreien kann. Daraus habe ich eine neue Handlungstheorie entwickelt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Nichtstun wird je nach Disziplin mit unterschiedlichem Interesse erforscht. Schaut die Literaturwissenschaft klassischerweise eher auf ästhetische und poetische Aspekte, untersucht die Soziologie beispielsweise bevorzugt gesellschaftliche Zusammenhänge. Das Politische wird in den meisten Fällen nur implizit mitverhandelt. Für mich war es der explizite Fokus: Meine aus der politischen Philosophie gespeiste Lesart der Poetik literarischer Texte eröffnet neue Perspektiven auf die politische Tragweite des Nichtstuns.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Prinzipiell mit jedem und jeder, der und die maßloses Arbeiten für ein unanfechtbares Axiom des erfolgreichen und guten Lebens hält. Aber wenn Tote für Diskussionsrunden auferstehen könnten, dann zuallererst mit Hannah Arendt und Michel Foucault. Giorgio Agamben würde moderieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Schon Cato wusste: Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut.

Autor_in(nen)
Agatha Frischmuth
Buchtitel
Nichtstun als politische Praxis Literarische Reflexionen von Untätigkeit in der Moderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
330
Ausstattung
1 Farbabbildung
ISBN
978-3-8394-5739-9
DOI
10.14361/9783839457399
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JFC
BISAC-Code
LIT000000 SOC022000 LIT004170
THEMA-Code
DSB JBCC
Erscheinungsdatum
3. August 2021
Themen
Gesellschaft, Kultur, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Philosophie, Kulturwissenschaft, Germanistik, Romanistik, Slawistik, Soziologie
Schlagworte
Nichtstun, Handlung, Nichthandlung, Literatur, Philosophie, Politik, 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Arbeit, Moderne, Hannah Arendt, Handlungsphilosophie, Gesellschaft, Kultur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturtheorie, Germanistik, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung