Geschichten zerstören

Antinarrative Prosa in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts

»Der typische Geschichtenzerstörer« sei er, sagt Thomas Bernhard über sich und sein Schreiben, Peter Handkes Erzähler wird vom »Antifabeltier« heimgesucht und Elfriede Jelineks Bekenntnis als Romanautorin lautet: »Ich schlage sozusagen mit der Axt drein«. Aber warum unterziehen österreichische Autor*innen nach 1945 das Erzählen als traditionelle Kulturtechnik einer solch scharfen Kritik? Viktor Konitzer verfolgt die Geschichte politischer Erzählfeindschaft bis zu den Ursprüngen einer genuin österreichischen Literatur zurück. Dabei entdeckt er spannende Formen des Nicht-Erzählens – und zeigt, wo die Geschichtenzerstörer*innen Zuflucht suchen: im reinen Fluss der Sprache, der Prosa.

48,99 € *

3. September 2021, ca. 408 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5791-7
Dateigröße: ca. 4.66 MB

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Viktor Konitzer

Viktor Konitzer, Mitarbeiter im Umweltschutz, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ob Stifter, Musil oder Jelinek: Einige der besten deutschsprachigen Erzähltexte der letzten beiden Jahrhunderte richten sich radikal gegen das, was man landläufig unter Erzählen versteht. Das ist ein Paradox, dessen Geschichte und Systematik ich auf den Grund gehen wollte. Wie kommt es zu erzählfeindlichen Erzähltexten und welche literarischen Techniken nutzen sie? Und: Warum sind sie trotz – oder gerade wegen – ihrer ›Geschichtenzerstörung‹ so überraschend unterhaltsam zu lesen?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es zeigt nicht nur, dass es innerhalb der deutschsprachigen Literatur mit der österreichischen eine Tradition gibt, die in puncto Erzählen völlig eigene Wege geht, sondern auch, dass gerade die Verneinung des ›Geschichtelerzählens‹ (Broch) einige der narratologisch spannendsten Phänomene hervorbringt. Und es wirft ein Schlaglicht auf mitunter unerwartete Querverbindungen – oder hätten Sie gedacht, dass Wittgenstein, Kafka und Bernhard in gewisser Weise ganz ähnlich schreiben?

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Neben seinen kulturgeschichtlichen und erzähltheoretischen Einsichten bringt mein Buch auch die Auseinandersetzung mit einem literaturwissenschaftlichen Grundbegriff voran, der gerade schwer im Kommen ist: der Prosa. Als Konzept einer ›reinen‹, ungebunden voranströmenden Rede lässt sie sich durchaus als Konkurrenz zum allgegenwärtigen Konzept des ›Storytelling‹ verstehen. Darüber hinaus zeige ich, dass die Entscheidung für oder gegen das Erzählen immer auch eine politische Dimension hat.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Nach unseligem österreichischen Vorbild ist im letzten Jahrzehnt in Deutschland ein Rechtspopulismus erstarkt, der sich einfacher Erzählungen nach dem Schema ›Wir‹ und ›Die‹ bedient, fiktive Zusammenhänge konstruiert und reale kappt – genau die Strategien, gegen die sich antinarrative Texte wenden. Vielleicht wäre das nicht sehr ergiebig, aber mich reizt der Gedanke, über diese mythenkritischen Aspekte mit Prof. Jörg Meuthen von der AFD zu sprechen. Der wirkt doch ›eigentlich‹ ganz vernünftig.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Geschichten zerstören« widmet sich dem Versuch, Erzählungen ohne Helden und Handlung zu erzählen – seinen Gründen, seinem Scheitern, seiner Größe.

Autor_in(nen)
Viktor Konitzer
Buchtitel
Geschichten zerstören Antinarrative Prosa in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 408
Ausstattung
7 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5791-7
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB HBTB DSA
BISAC-Code
LIT004170 HIS054000 LIT006000
THEMA-Code
DSB NHTB DSA
Erscheinungsdatum
3. September 2021
Themen
Kultur, Kulturgeschichte, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Germanistik, Erzählforschung, Kulturwissenschaft, Kulturgeschichte
Schlagworte
Erzählen, Österreich, Prosa, Geschichte, 20. Jahrhundert, Erzählkritik, Literatur, Kulturgeschichte, Kultur, Germanistik, Literaturtheorie, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

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