Utopielyrik

Möglichkeitsdimensionen im poetischen Werk. Friedrich Hölderlin – Rainer Maria Rilke – Paul Celan

Während utopische Romane zum Kanon der Literatur(-wissenschaft) gehören, steht utopische Lyrik selten im Fokus. Wie Björn Hayer zeigt, ist eine neue Lesart der poetischen Werke von Friedrich Hölderlin, Rainer Maria Rilke und Paul Celan, denen man bislang nicht unbedingt eine optimistische Sicht auf die Moderne bescheinigt hat, im Lichte der Zukunftsgerichtetheit lohnenswert: Zum einen werden darin politische und kulturelle Visionen ersichtlich, die vom Traum einer egalitären Gesellschaft bis hin zu einer die Grenze des Jenseits überschreitenden Erinnerungskultur reichen. Zum anderen fördert die Untersuchung sprachästhetische Entwürfe zutage, die unmittelbar an die Dynamik der Utopie als Denkprozess gekoppelt sind.

60,00 € *

27. Juli 2021, 288 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5805-7

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Björn Hayer

Björn Hayer, Universität Koblenz-Landau, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Mich hat die Frage gereizt, welchen Beitrag eigentlich die Lyrik für das gegenwärtige Klima und die gegenwärtigen Bedürfnisse der Gesellschaft leisten kann, zumal sie doch im Großen und Ganzen jene Gattung darstellt, der im Vergleich mit Prosa und Dramatik am wenigsten Beachtung zukommt. Und so stellte ich zunächst beim Studium aktueller Autor_innen fest, dass es in deren lyrischen Miniaturen ein deutliches Zukunftsbewusstsein zu konstatieren gibt, das mir dann zunehmend eben auch bei Dichtern der Literaturgeschichte aufgefallen ist. Da wir nun in der Post-Merkel-Ära mehr denn je die Dringlichkeit zum Umbau der Gesellschaft vor Augen haben, kann die Lyrik uns tastsächlich eine ästhetische Anleitung für utopisches Denken vermitteln.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich glaube, es eröffnet neue Sichtweisen auf die Dichtung. Im Grunde versuche ich, deren performative Anlage begrifflich genauer zu fassen. Dies betrifft ihre Polyvalenz, ihre Polyphonie sowie ihre oftmals schwer zu beschreibende Sprachbewegung. Ferner gilt mein Bestreben dem Aufzeigen des Politischen im Ästhetischen. Es geht mir ja nicht darum, irgendwelche Staats- und Systemutopien ausfindig zu machen, die man ohnehin eher in Romanen antrifft, sondern die in der formalen Gestaltung selbst zum Ausdruck kommende utopische Bestimmung zu erfassen. Damit verbindet sich dann im Übrigen auch die Frage, was die Lyrik in den Leser_innen auslöst und inwiefern sie vermag in ihnen den Funken zu zünden, von dem die Imagination besserer Welten ausgehen kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Thema hat Innovationskraft, da es zunächst einmal drei Autoren unter einer theoretischen Perspektive analysiert, die für sie bislang noch nicht, zumindest was die vorliegende terminologischen Form anbetrifft, angewandt wurde. Ich meine herauszustellen, dass die Deutung der Werke Hölderlins, Rilkes und Celans im Hinblick auf utopische Potenziale dabei vor allem einen Mehrwert für deren Umgang mit krisenartigen Modernitätserfahrungen birgt. Alle sahen sich schweren Umwälzungen auf sozialer und politischer Ebene ausgesetzt. Wie ich nun behaupte, basiert vieles in ihren Texten nicht auf Fluchtbewegungen oder einem klagenden Impetus. Sie bergen vielmehr – häufiger als bislang behauptet – auch eine hoffnungsvolle Offenheit für die Zukunft und bessere Welten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Zum einen natürlich mit erfahrenen Lyrikkenner_innen und -forscher_innen, zum anderen aber auch mit Sozialwissenschaftler_innen, bei denen die Beschäftigung mit Utopien genuin sehr ausgeprägt ist. Vor allem bin ich darum bemüht, in Utopien mehr als etwas Statisches zu sehen. Sie bedürfen dialektischer Denkentwicklungen und eines experimentellen Geistes, wie man ihn gerade und vielleicht nirgendwo so stark entfaltet vorfindet wie in der Lyrik antrifft.

Besprochen in:
https://signaturen-magazin.de, 12 (2021), Björn Hayer
Autor*in(nen)
Björn Hayer
Buchtitel
Utopielyrik Möglichkeitsdimensionen im poetischen Werk. Friedrich Hölderlin – Rainer Maria Rilke – Paul Celan
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
288
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5805-7
DOI
10.14361/9783839458051
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB JFC DSA
BISAC-Code
LIT004170 SOC022000 LIT006000
THEMA-Code
DSB JBCC DSA
Erscheinungsdatum
27. Juli 2021
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Germanistik, Kulturwissenschaft, Utopian Studies
Schlagworte
Literatur, Utopie, Lyrik, Gedichte, Poesie, Moderne, Philosophie, Zukunft, Krise, Ästhetik, Hölderlin, Rilke, Celan, Bloch, Kulturgeschichte, Germanistik, Kulturtheorie, Literaturtheorie, Literaturwissenschaft

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