EU-Staatlichkeit zwischen Ausbau und Stagnation

Kritische Perspektiven auf die Transformationsprozesse in der Euro-Krise

Die nicht-hegemonial verankerte EU-Interventionsstaatlichkeit im Herrschaftsmodus der (Selbst-)Disziplinierung stellt die Akteur*innen in der Europäischen Union vor große Herausforderungen. Johannes Gerken widmet sich, aufbauend auf den Traditionslinien kritischer Europaforschung, dem durch die Euro-Krise induzierten EU-Staatlichkeitsausbau und entwickelt ein eigenes begriffliches Verständnis der EU-Staatlichkeit. Auf Grundlage einer historisch-materialistischen Staatlichkeitsanalyse präsentiert er eine Einordnung der Politik zur Bewältigung der Euro-Krise in den Gesamtzusammenhang der EU-Staatlichkeitsgenese.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Danksagung

    Seiten 9 - 10
  4. 1 Der Ausbau der EU-Staatlichkeit in der Euro-Krise

    Seiten 11 - 20
  5. 2 Die Staatlichkeit der Europäischen Union

    Einleitung

    Seiten 21 - 22
  6. 2.1 Über die Staatlichkeitspraxis des EU-»Staatsapparate-Ensembles«

    Seiten 22 - 33
  7. 2.2 Über die »Konzentration und Monopolisierung symbolischer Macht« im Prozess der EU-Staatlichkeitsgenese

    Seiten 33 - 36
  8. 2.3 Über »Kräfteverhältnisse«, »Hegemonie« und die »integrale Staatlichkeit« der EU

    Seiten 36 - 44
  9. 2.4 Über »Staatsprojekte«, »Akkumulationsstrategien« und das EU-Staatlichkeitstelos

    Seiten 44 - 46
  10. 2.5 Die EU-Staatlichkeit als Praxis, Prozess, Verhältnis und Projekt

    Seiten 47 - 48
  11. 2.6 Krisen als Kristallisationspunkt der Reproduktion und Transformation von Staatlichkeit

    Seiten 48 - 52
  12. 3 Historisch-materialistische Staatlichkeitsanalyse

    Einleitung

    Seiten 53 - 54
  13. 3.1 Rekonstruktive Konstitutionalisierungsanalyse

    Seiten 55 - 57
  14. 3.2 Kräfteverhältnisanalyse

    Seiten 58 - 61
  15. 3.3 Verdichtungsanalyse

    Seiten 61 - 62
  16. 3.4 Analytisches Vorgehen und Darstellungsform

    Seiten 62 - 64
  17. 4 EU-Staatlichkeitsgenese vor der Euro-Krise und die EWWU im Zentrum neoliberaler Hegemonie

    4.1 Die politischen Projekte auf dem Weg zur EWWU

    Seiten 65 - 74
  18. 4.2 Vertragliche Grundlagen der EWWU und die EU-Wirtschaftsverfassung

    Seiten 74 - 79
  19. 4.3 Die Akkumulationsstrategie und das Staatsprojekt der EU unter neoliberalen Vorzeichen

    Seiten 79 - 88
  20. 5 Die Euro-Krise als Funktionskrise der neoliberalen EWWU

    5.1 Die transatlantische Finanzmarktkrise als Ausgangspunkt

    Seiten 89 - 92
  21. 5.2 Von der transatlantischen Finanzmarkt- zur europäischen Bankenkrise

    Seiten 92 - 95
  22. 5.3 Von der europäischen Banken- zur staatlichen Refinanzierungskrise

    Seiten 95 - 97
  23. 5.4 Die Euro- als EWWU-Funktionskrise

    Seiten 97 - 100
  24. 6 Strategische Suchprozesse und neoliberale Rückeroberungen

    Einleitung

    Seiten 101 - 104
  25. 6.1 Die Umdeutung zur Staatsschuldenkrise als erstes strategisch-diskursives Moment neoliberaler Rückeroberung

    Seiten 104 - 107
  26. 6.2 Der exzeptionelle Charakter der Krise und das Rettungsdispositiv als zweites strategisch-diskursives Moment neoliberaler Rückeroberung

    Seiten 107 - 109
  27. 6.3 »Europe 2020« und die Wettbewerbsfähigkeitsdoktrin als drittes strategisch -diskursives Moment neoliberaler Rückeroberung

    Seiten 110 - 120
  28. 7 Reaktiver Staatlichkeitsausbau in der Euro-Krise

    7.1 Das EUSA-Krisennarrativ und die sich verdichtende Reformagenda des reaktiven EU-Staatlichkeitsausbaus

    Seiten 121 - 140
  29. 7.2 Implementierung einer außerunionsvertraglichen Notstandsverfassung

    Seiten 140 - 153
  30. 7.3 Fortentwicklung der vertragsbasierten Wirtschafts- und Fiskalverfassung

    Seiten 153 - 197
  31. 7.4 Aufbau einer (impliziten) Finanzstabilisierungsverfassung

    Seiten 197 - 212
  32. 7.5 Die ausgebaute EU-Interventionsstaatlichkeit und ihr Herrschaftsmodus der (Selbst-)Disziplinierung

    Seiten 213 - 222
  33. 7.6 Die fortschreitende Hegemoniekrise in der Phase des reaktiven EU-Staatlichkeitsausbaus

    Seiten 223 - 234
  34. 8 Inkrementeller Staatlichkeitsausbau in der sich abschwächenden Euro-Krise

    Einleitung

    Seiten 235 - 236
  35. 8.1 Das Scheitern der erweiterten Reformagenda 2012/13

    Seiten 236 - 248
  36. 8.2 »Vertiefung durch Handeln« als neue Devise

    Seiten 248 - 253
  37. 8.3 Konsolidierung des fiskalpolitischen Regierens

    Seiten 254 - 262
  38. 8.4 Konsolidierung des wirtschaftspolitischen Regierens

    Seiten 262 - 273
  39. 8.5 Die inkrementell ausgebaute EU-Interventionsstaatlichkeit

    Seiten 273 - 274
  40. 8.6 Allianzwechsel und die Strategie der nachholenden hegemonialen Absicherung in der Phase inkrementellen Staatlichkeitsausbaus

    Seiten 274 - 280
  41. 9 Stagnierender Staatlichkeitsausbau im Anschluss an die Euro-Krise

    9.1 Die »Zukunft Europas« und die »Vollendung der EWWU«

    Seiten 281 - 293
  42. 9.2 Das Nikolauspaket und die Diskussion um die Fiskalunion

    Seiten 293 - 310
  43. 9.3 Der EU-Staatlichkeitsausbau zwischen Ambition und Stagnation

    Seiten 310 - 314
  44. 10 Die Genese der EU-Staatlichkeit in der Euro-Krise und ihre Fragilität im Status quo

    10.1 Auf der Suche nach einem kohärenten Staatsprojekt in der Euro-Krise und die Persistenz seiner neoliberalen Variante

    Seiten 315 - 320
  45. 10.2 Zwischen Fragilität, Lethargie und latenter Staatlichkeitskrise – Die EU nach 10 Jahren Euro-Krise

    Seiten 320 - 324
  46. 10.3 Die Corona- als neue Durchsetzungskrise des EU-Staatlichkeitsausbaus?

    Seiten 324 - 332
  47. Abkürzungsverzeichnis

    Seiten 333 - 336
  48. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

    Seiten 337 - 338
  49. Literatur- und Quellenverzeichnis

    Seiten 339 - 392
  50. Anhang

    Seiten 393 - 400
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15. Juli 2021, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5822-4

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Johannes Gerken

Johannes Gerken, Universität Kassel, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die EU tritt uns täglich als Herrschaftsakteurin entgegen, die sich in Krisen immer wieder qualitativ fortentwickelte. Auch die Euro-Krise leitete Transformationsprozesse ein, die den Herrschaftscharakter der EU veränderten und in einem deutlich wahrnehmbaren Ausbau der EU-Staatlichkeit resultierte. Es ist deshalb geboten, die Logiken, denen dieser Staatlichkeitsausbau folgte, zu untersuchen und theoretisch auf Begriffe zu bringen, die die heutige Verfasstheit der EU zu beschreiben helfen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit dem Buch werden erstmals die gesamte krisendominierte Integrationsdekade ab Herbst 2009 und somit auch die sich an die Hochphase der Krise anschließenden inkrementellen Fortentwicklungen in den Blick genommen. Es beschreibt dabei eine EU, die durch eine nicht-hegemonial verankerte Interventionsstaatlichkeit im Herrschaftsmodus der (Selbst-)Disziplinierung gekennzeichnet ist und in einem Zustand der Fragilität, Lethargie sowie einer latent schwelenden Staatlichkeitskrise verharrt, der sie bis heute paralysiert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Meine Untersuchung soll einen Beitrag leisten, künftige Integrationsentwicklungen und -dynamiken besser antizipieren und einordnen zu können. Hierzu bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit den kriseninduzierten Transformations- und Ausbauprozessen der EU-Staatlichkeit sowie der ›politischen Altlasten‹ der Euro-Krise. Dies verdeutlichen aktuell unter anderem auch die EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise, die viele direkte Bezüge zur vorherigen Krisendekade aufweisen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Selbst in offiziellen EU-Dokumenten werden die 2010er Jahre heute teilweise als ein ›verlorenes Jahrzehnt‹ qualifiziert. Dabei waren es gerade einige bewusste Unterlassungen politisch Verantwortlicher im ersten kritischen Zeitraum der Euro-Krise, die verschärfend wirkten und die gesamte Krisendekade prägten. Insofern wäre ein Austausch mit jenen Akteur*innen besonders spannend, deren anfängliches Nicht- oder zu zögerliche Handeln und deren anschließende Fokussierung auf eine austeritäre Bewältigungsstrategie weitreichende Folgen haben sollte.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer die Verfasstheit der EU und ihrer Staatlichkeit in Gegenwart und Zukunft besser verstehen möchte, kommt an der Euro-Krise und an diesem Buch nicht vorbei.

Autor_in(nen)
Johannes Gerken
Buchtitel
EU-Staatlichkeit zwischen Ausbau und Stagnation Kritische Perspektiven auf die Transformationsprozesse in der Euro-Krise
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
400
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 3 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5822-4
DOI
10.14361/9783839458228
Warengruppe
1737
BIC-Code
JPSN2 JPHC
BISAC-Code
POL011000 POL010000 POL040000
THEMA-Code
JPSN JPHC
Erscheinungsdatum
15. Juli 2021
Auflage
1
Themen
Politik, Europa
Adressaten
Politik- und Gesellschaftswissenschaften, Europaforschung und Staatstheorie
Schlagworte
Eurokrise, Europäische Union, Wirtschafts- und Währungsunion, Staatstheorie, EU-Staatlichkeit, Politik, Europa, Europäische Politik, Staat, Politisches System, Politische Theorie, Politikwissenschaft

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