EU-Staatlichkeit zwischen Ausbau und Stagnation

Kritische Perspektiven auf die Transformationsprozesse in der Euro-Krise

Die nicht-hegemonial verankerte EU-Interventionsstaatlichkeit im Herrschaftsmodus der (Selbst-)Disziplinierung stellt die Akteur*innen in der Europäischen Union vor große Herausforderungen. Johannes Gerken widmet sich, aufbauend auf den Traditionslinien kritischer Europaforschung, dem durch die Euro-Krise induzierten EU-Staatlichkeitsausbau und entwickelt ein eigenes begriffliches Verständnis der EU-Staatlichkeit. Auf Grundlage einer historisch-materialistischen Staatlichkeitsanalyse präsentiert er eine Einordnung der Politik zur Bewältigung der Euro-Krise in den Gesamtzusammenhang der EU-Staatlichkeitsgenese.

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18. Juni 2021, 400 Seiten
ISBN: 978-3-7328-5822-4
Dateigröße: 2.41 MB

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Johannes Gerken

Johannes Gerken, Universität Kassel, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die EU tritt uns täglich als Herrschaftsakteurin entgegen, die sich in Krisen immer wieder qualitativ fortentwickelte. Auch die Euro-Krise leitete Transformationsprozesse ein, die den Herrschaftscharakter der EU veränderten und in einem deutlich wahrnehmbaren Ausbau der EU-Staatlichkeit resultierte. Es ist deshalb geboten, die Logiken, denen dieser Staatlichkeitsausbau folgte, zu untersuchen und theoretisch auf Begriffe zu bringen, die die heutige Verfasstheit der EU zu beschreiben helfen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit dem Buch werden erstmals die gesamte krisendominierte Integrationsdekade ab Herbst 2009 und somit auch die sich an die Hochphase der Krise anschließenden inkrementellen Fortentwicklungen in den Blick genommen. Es beschreibt dabei eine EU, die durch eine nicht-hegemonial verankerte Interventionsstaatlichkeit im Herrschaftsmodus der (Selbst-)Disziplinierung gekennzeichnet ist und in einem Zustand der Fragilität, Lethargie sowie einer latent schwelenden Staatlichkeitskrise verharrt, der sie bis heute paralysiert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Meine Untersuchung soll einen Beitrag leisten, künftige Integrationsentwicklungen und -dynamiken besser antizipieren und einordnen zu können. Hierzu bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit den kriseninduzierten Transformations- und Ausbauprozessen der EU-Staatlichkeit sowie der ›politischen Altlasten‹ der Euro-Krise. Dies verdeutlichen aktuell unter anderem auch die EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise, die viele direkte Bezüge zur vorherigen Krisendekade aufweisen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Selbst in offiziellen EU-Dokumenten werden die 2010er Jahre heute teilweise als ein ›verlorenes Jahrzehnt‹ qualifiziert. Dabei waren es gerade einige bewusste Unterlassungen politisch Verantwortlicher im ersten kritischen Zeitraum der Euro-Krise, die verschärfend wirkten und die gesamte Krisendekade prägten. Insofern wäre ein Austausch mit jenen Akteur*innen besonders spannend, deren anfängliches Nicht- oder zu zögerliches Handeln und deren anschließende Fokussierung auf eine austeritäre Bewältigungsstrategie weitreichende Folgen haben sollte.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer die Verfasstheit der EU und ihrer Staatlichkeit in Gegenwart und Zukunft besser verstehen möchte, kommt an der Euro-Krise und an diesem Buch nicht vorbei.

Autor_in(nen)
Johannes Gerken
Buchtitel
EU-Staatlichkeit zwischen Ausbau und Stagnation Kritische Perspektiven auf die Transformationsprozesse in der Euro-Krise
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
400
Ausstattung
3 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-7328-5822-4
DOI
10.14361/9783839458228
Warengruppe
1737
BIC-Code
JPSN2 JPHC
BISAC-Code
POL011000 POL010000 POL040000
THEMA-Code
JPSN JPHC
Erscheinungsdatum
18. Juni 2021
Themen
Politik, Europa
Adressaten
Politik- und Gesellschaftswissenschaften, Europaforschung und Staatstheorie
Schlagworte
Eurokrise, Europäische Union, Wirtschafts- und Währungsunion, Staatstheorie, EU-Staatlichkeit, Politik, Europa, Europäische Politik, Staat, Politisches System, Politische Theorie, Politikwissenschaft

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