Der lange Weg zum Internet

Computer als Kommunikationsmedien zwischen Gegenkultur und Industriepolitik in den 1970er/1980er Jahren

Vernetzte Computer sind das wichtigste Kommunikationsmedium unserer Zeit. Die Verschmelzung von Datenverarbeitung und Telekommunikation war allerdings kein gradliniger Prozess. Das neuartige »Medium Computer« entwickelte sich vielmehr in einem komplexen Wechselverhältnis von technologischen Innovationen, dem Wandel von Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik sowie gegenkulturellen Strömungen. In seiner zeithistorischen Studie analysiert Matthias Röhr diesen durchwachsenen Verlauf und zeigt auf, wie die Bundespost in den 1970er und 1980er Jahren mit Bildschirmtext und ISDN auf diese Entwicklung reagierte, und warum Hackerkulturen als Reaktion hierauf für ein »Menschenrecht auf freien Datenaustausch« eintraten.

49,99 € *

3. September 2021, 376 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5930-0
Dateigröße: 2.62 MB

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Matthias Röhr

Matthias Röhr, Universität Siegen, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir wissen bislang nur wenig über die Geschichte des Computers als Kommunikationsmedium. Häufig wird dies auf die Formel, das Internet sei aus dem amerikanischen ARPANET entstanden, reduziert. Bei meinen Recherchen zu dem Thema ist mir aber schon früh aufgefallen, dass dieses Narrativ nur einen kleinen Ausschnitt einer deutlich vielfältigeren Entwicklung wiedergibt. Mit dem Buch möchte ich daher zeigen, dass sich die Geschichte der Computervernetzung nicht allein auf das ARPANET beschränkt, sondern sich das heutige Internet in einem komplexen Wechselspiel aus staatlicher Industriepolitik und gegenkulturellen Einflüssen entwickelt hat. Mit diesem Wissen fällt es leichter, das Nebeneinander von Fragilität und Stabilität zu begreifen, das für das Internet als wichtigstes Medium unserer Zeit kennzeichnend ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Internet hat auch eine sehr interessante europäische Geschichte. Hier wurde die Vernetzung von Computern lange Zeit vor allem als industriepolitisches Werkzeug zur Unterstützung der nationalen Computerindustrien im Konkurrenzkampf mit den amerikanischen Wettbewerbern gesehen. Da vernetzte Computer aber schon früh als Medium mit revolutionärem Potenzial erkannt worden waren, brachte diese Instrumentalisierung Hacker auf den Plan, die dieses neue Medium aus einer gegenkulturellen Prägung heraus nutzen wollten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Frage, welche Rollen gegenkulturelle Strömungen und die Technisierung des Alltags durch die Mikroelektronik ›nach dem Boom‹ für die Herausbildung einer gesellschaftlich wirksamen ›Cyberkultur‹ gespielt haben, ist noch weitgehend offen. Ich kann zeigen, dass die Vermischung von Gegenkultur und Mikrochip nicht erst in den 1990er-Jahren stattfand, sondern ein seit den 1960er-Jahren laufender Prozess war, der in starkem Maße auch von staatlichem Handeln – oder dessen Scheitern – beeinflusst worden war.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich hätte das Buch gerne mit Axel Schildt diskutiert, der das Thema so spannend fand, dass er vorgeschlagen hat, daraus ein Promotionsprojekt zu machen. Leider ist er in der Schlussphase des Projektes verstorben, sodass er das fertige Buch nicht mehr in den Händen halten kann.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Computer entwickelten sich zwischen den 1950er und 1990er Jahren zu einem Kommunikationsmedium, das vom Wechselspiel aus technologischen und ökonomischen Entwicklungen, staatlichen Reaktionen und Versuchen, innerhalb dieser Entwicklung gegenkulturelle Freiräume aufzubauen, nachhaltig geprägt wurde.

»Das Buch ist trotz oder wegen des umfangreichen Gehalts an Informationen und tiefgehenden Analysen sowie der Beschreibung der Abhängigkeiten der verwendeten Techniken untereinander, genauso wie mit den Hinweisen auf die Verbindungen zu Politik und Industrie, gut lesbar und damit von hohem Wert nicht nur als große Erzählung, so auch als Grundlagenwerk für den ganzen Bereich ohne Einschränkungen nutzbar und
zitierbar.«
Peter Dahms, https://www.dahms-projekt.de, 14.10.2021
Autor_in(nen)
Matthias Röhr
Buchtitel
Der lange Weg zum Internet Computer als Kommunikationsmedien zwischen Gegenkultur und Industriepolitik in den 1970er/1980er Jahren
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
376
ISBN
978-3-8394-5930-0
DOI
10.14361/9783839459300
Warengruppe
1557
BIC-Code
HBLW3 TBX KCZ
BISAC-Code
HIS037070 HIS054000 TEC056000 BUS023000
THEMA-Code
TBX KCZ
Erscheinungsdatum
3. September 2021
Themen
Gesellschaft, Globalisierung, Wirtschaft, Technik, Internet, Kulturgeschichte
Adressaten
Zeitgeschichte, Mediengeschichte, Technikgeschichte, Kommunikationsgeschichte, Wirtschaftsgeschichte
Schlagworte
Computer, Telekommunikation, Internet, Geschichte, Bundespost, Technik, Innovation, Datenverarbeitung, Industriepolitik, Globalisierung, Kulturgeschichte, Zeitgeschichte, Technikgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Globalgeschichte, Geschichtswissenschaft

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