Infrastrukturen der Biosicherheit

Zur Macht sozio-technischer Prognoseverfahren am Beispiel des Syndromischen Gesundheitsmonitoring in den USA

Angesichts unkalkulierbarer Bedrohungsszenarien werden Prognosen und Früherkennung immer wichtiger. Die verfügbaren Werkzeuge hierfür sind selbst politisch operativ und etablieren eine »Zukunft als Katastrophe« mit entsprechenden Konsequenzen. Henning Füller setzt den Fokus auf verbundene Machtwirkungen und zeigt, dass mit Monitoring-Techniken postpolitische Vorentscheidungen performativ getroffen werden. Seine Fallstudie zur Anwendung des indikatorbasierten Verfahrens Syndromic Surveillance in den USA befasst sich exemplarisch unter anderem mit der Bearbeitung öffentlicher Gesundheit als Sicherheitsproblem sowie mit der Etablierung des Ist-Zustands als Horizont des Politischen.

35,00 € *

27. Juli 2022, ca. 282 Seiten
ISBN: 978-3-8376-6021-0

Erscheint voraussichtlich bis zum 27. Juli 2022

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Henning Füller

Henning Füller, Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Trotz drängender Zukunftsfragen wird nur ein enger politische Gestaltungsspielraum akzeptiert und wahrgenommen. Dies führt in eine immer ausweglosere Situation. Das Buch untersucht einen Aspekt dieser postpolitischen Hinwendung zur Zukunft. Konkret geht es um datenbasierte Früherkennung, die derzeit in vielen Bereichen eine Antwort auf katastrophische Szenarien liefert. Am Beispiel Syndromisches Gesundheitsmonitoring werden Verkürzungen solcher sozio-technischer Bearbeitungen des Politischen deutlich.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Kritik an der ›Datafizierung‹ von Politik ist meist breit angelegt und stellt auf die generelle Problematik einer technischen Lösung sozialer Probleme ab, oder richtet sich im Detail auf die Blindstellen bestimmter Verfahren, Datenmodelle etc. Mit dem Buch ziele ich auf den Graubereich dazwischen. Es geht um eine machtkritische Perspektive die von der detaillierten Auseinandersetzung mit sozio-technischen Einrichtungen zu gesellschaftlichen Vorstellungen, d.h. epistemischen Machtwirkungen führt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Sozialwissenschaftliche und insbesondere geographische Forschung hat in den letzten Jahren stark von der Hypothese relationaler Ontologien und der Annahme einer wechselseitigen Hervorbringung räumlicher Phänomene in sozio-technischen Bezügen profitiert. Ein Dilemma solcher Ansätze ist allerdings der notwendige Verzicht auf Kontext und damit die fehlende Berücksichtigung von Macht. Entlang des Infrastruktur-Begriffs arbeitet das Buch eine Heuristik heraus, die dieses Dilemma umgehen hilft.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit der COVID-19 Pandemie ist ein Schlaglicht auf Public Health gefallen. Strukturelle Hintergründe von Gesundheit sind breit sichtbar geworden aber auch die im Buch behandelten Fragen von Früherkennung, ›emerging diseases‹ und ›Preparedness‹ werden neu verhandelt. Ich würde mich freuen, die aus der Fallstudie gewonnenen Einwände in diese Diskussion einzubringen, etwa im Gespräch mit dem Leiter des neu eingerichteten ›Global Hub for Pandemic Intelligence‹ der WHO in Berlin.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch untersucht ein Verfahren datenbasierter Prognose als Beispiel für eine entpolitisierende Form der sozio-technischen Hinwendung zur Zukunft.

Autor*in(nen)
Henning Füller
Buchtitel
Infrastrukturen der Biosicherheit Zur Macht sozio-technischer Prognoseverfahren am Beispiel des Syndromischen Gesundheitsmonitoring in den USA
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 282
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 3 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-6021-0
Warengruppe
1662
BIC-Code
RGC PDR
BISAC-Code
SOC015000 SOC026000 TEC052000
THEMA-Code
RGC PDR
Erscheinungsdatum
27. Juli 2022
Auflage
1
Themen
Medizin, Biopolitik, Amerika
Adressaten
Humangeographie, Techniksoziologie, Anthropologie, Kritische Sicherheitsforschung
Schlagworte
Public Health, Datafication, Kritische Sicherheitsforschung, Mensch-Technik-Verhältnisse, Prognose, Früherkennung, Katastrophe, Monitoring, Medizin, Biopolitik, Amerika, Sozialgeographie, Techniksoziologie, Geographie

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