Vjera Biller und das Kindliche

Primitivistische Entwürfe von Künstlerinnenschaft in der Avantgarde der 1920er Jahre

Vjera Biller gehört zu einer ganzen Generation heute unbekannter Künstlerinnen der Avantgarde, die im Berlin, Belgrad und Budapest der 1920er Jahre gemeinsam mit Künstlerkollegen wie Marc Chagall und Paul Klee große Erfolge über Ländergrenzen hinweg feierten. Nach dem »Anschluss« Österreichs an Nazi-Deutschland als Jüdin verfolgt und bis zu ihrer Ermordung als »Geisteskranke« in Psychiatrien interniert, ist Billers Leben und OEuvre wichtiges Zeugnis der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mirjam E. Wilhelm sammelte Quellenmaterial aus mehreren Ländern und erschließt – erstmals in deutscher Sprache – Billers Schaffen anhand ihres zentralen Motivs: dem Kindlichen.

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25. Februar 2022, 294 Seiten
ISBN: 978-3-8376-6033-3

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Mirjam E. Wilhelm

Mirjam E. Wilhelm, Wiesenthal Institut Wien, Österreich

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts war stark von jüdischer Teilhabe geprägt. Heute allerdings sind nur noch die wenigsten jener Protagonisten bekannt, insbesondere die Frauen unter ihnen, wie Vjera Biller. Dieses Buch lässt Biller wieder als die zeitlebens erfolgreiche Ausnahmekünstlerin in Erscheinung treten, die, um sich als solche zu behaupten, nicht mehr benötigt als das Motiv eines kleinen Kindes anhand dessen sie ihre ganz eigene primitivistische Vision des Kreativen entwirft.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In Billers untererforscht gebliebenen Lebenswerk verdichten sich Kunstgeschichte und jüdische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts in symptomatischer Weise. Neben der Analyse ihrer von Alterisierung und Pathologisierung geprägten spärlichen Rezeption wird der Blick geschärft für die Intersektionalität von NS-Verfolgung, die in der Ermordung Billers als jüdische, vermeintlich ›geisteskranke‹ und ›homosexuelle‹ Künstlerin im Rahmen der NS-›Euthanasie‹ 1940 in Hartheim eindringlich vor Augen geführt wird.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Biller ist in der aktuellen Forschung zur Avantgarde der 1920er Jahre kaum sichtbar. Mit der Wieder-sichtbar-Machung des Unsichtbar-Werdens dieser Künstlerin und ihres Oeuvrefragments – als historisch bedeutsame, weil unmittelbar mit den NS-Verbrechen in Verbindung stehende Leerstelle – bringt dieses Buch eine Akzentverschiebung hin zur Würdigung Billers an der Schnittstelle von Kunstgeschichte und Holocaustforschung auf den Weg, ohne dabei eine viktimisierende Perspektive einzunehmen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Margaret Olin, die mit ihrer Studie The Nation Without Art. Examining Modern Discourses in Jewish Art einen zentralen Beitrag zur jüdischen Kunstproduktion der Moderne und deren Rezeption vorgelegt hat. Olin zeigt, dass das Fach Kunstgeschichte und seine Historiografie keinen geringen Anteil an der Marginalisierung jüdischer Kunstproduktion gehabt haben. Umso größere Bedeutung kommt Forschungen zu, die als produktive Selbstkritik auch die Blindstellen der eigenen Disziplin reflektieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch hinterfragt und dekonstruiert etablierte Narrative zur Avantgarde der 1920er am Beispiel der jüdischen Künstlerin Vjera Biller.

Autor*in(nen)
Mirjam E. Wilhelm
Buchtitel
Vjera Biller und das Kindliche Primitivistische Entwürfe von Künstlerinnenschaft in der Avantgarde der 1920er Jahre
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
294
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 42 SW-Abbildungen, 3 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-6033-3
DOI
10.14361/9783839460337
Warengruppe
1582
BIC-Code
ACX JFSR1
BISAC-Code
ART015110 ART015000 SOC049000
THEMA-Code
AGA QRJP
Erscheinungsdatum
25. Februar 2022
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Kunst, Judentum
Adressaten
Kunstgeschichte, Visual Culture Studies, Holocaust-Forschung, Gender Studies
Schlagworte
Avantgarde, Kunst, Frauen, Post-Habsburg, Jüdische Kultur, NS-Euthanasie, Nationalsozialismus, Holocaust, 20. Jahrhundert, Judentum, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, Kunstgeschichte, Jüdische Studien, Kunstwissenschaft

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