Sehbehinderung und Arbeit

Rekonfigurationen im digitalen Kapitalismus

Eine Inklusion, die auf bedarfsgerechte Teilhabe am Niedriglohnsektor abzielt, steht im Kontrast zu den sozialen Interessen von Menschen mit Behinderung auf der Suche nach guter Arbeit. Andrea Fischer-Tahir setzt die Themen Behinderung, Digitalisierung und Arbeit in Bezug zueinander, ermittelt den Gebrauchswert assistiver Technologie und spürt den Rekonfigurationen von Lebensentwürfen nach. Anhand von Interviews und Fokusgruppen untersucht sie aus der Perspektive kritischer Sozialtheorie Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Kapitalismus für Sehbehinderte und rekonstruiert Erfahrungen von Exklusion im beruflichen Feld sowie Machtverhältnisse in Inklusionsmaßnahmen.

39,00 € *

25. November 2021, 312 Seiten
ISBN: 978-3-8376-6049-4

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer. Deutschsprachige Bücher = gebundener Ladenpreis, fremdsprachige Bücher = unverbindliche Preisempfehlung. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Weiterempfehlen

Andrea Fischer-Tahir

Andrea Fischer-Tahir, Technische Universität Dresden, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Behinderung ist, obwohl sie in Deutschland 9,5 Millionen Menschen betrifft, noch immer ein marginalisiertes Thema. Dies zeigte sich im Mai 2021 am lieblosen Umgang des Bundestages mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Derweil offenbart die Pandemie gravierende Gerechtigkeitsprobleme und führt zu noch mehr sozialer Ungleichheit. Als Sehbehinderte und Sozialwissenschaftlerin werbe ich für ein Bewusstsein, das Behinderung als eine Form sozialer Ungleichheit begreift.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch bietet tiefe Einblicke in die alltäglichen Erfahrungen und Kämpfe von Menschen mit Sehschädigung. In deren Geschichten geht es um Exklusion, gescheiterte oder gelungene Versuche der Partizipation an Arbeit, vor allen Dingen jedoch um Autonomie und Lebensentwürfe. Kritisch gegenüber Inklusionsoptimismus und Digitalisierungseuphorie wird gezeigt, wie der digitale Kapitalismus zu ›downgrading‹, Abwertung von Berufsbiographien und neuer Abhängigkeit führen kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ich beziehe mich auf die wiederauflebende materialistische Behindertenpädagogik, welche die Tätigkeit des Subjekts betont, und unterstütze den Trend, die Intersektionalität von Behinderung mit Gender, Klasse und ethnische Herkunft aufzudecken. Formen von Exklusion und Inklusion werden als räumliche Praktiken im Sinne der kritischen Geographie, in Bezug auf Foucaults Disziplinarmacht sowie auf neueste sozialwissenschaftliche Analysen zum digitalen Kapitalismus diskutiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit anderen, die Erfahrungen von Behinderung kennen und die ein solcher Austausch stärken kann. Außerdem hoffe ich auf Diskussionen mit Fachkolleg*innen, sozialpolitisch interessierten Menschen sowie anderen, denen die zunehmende Macht der digitalen Unternehmen bzw. Märkte über unser aller Leben, große Sorge bereitet. Und sehr gern würde ich mit meinen Studierenden weiter über die Widersprüche von Inklusion sowie die Folgen der digitalen Transformation diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein kapitalismuskritischer Blick auf Alltagskämpfe und Lebensentwürfe von Menschen mit Behinderung in Zeiten politisch-ökonomischer Transformation.

Autor_in(nen)
Andrea Fischer-Tahir
Buchtitel
Sehbehinderung und Arbeit Rekonfigurationen im digitalen Kapitalismus
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
312
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-6049-4
DOI
10.14361/9783839460498
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFG JFFM JFD
BISAC-Code
SOC029000 SOC050000 SOC052000
THEMA-Code
JBFM JBFQ JBCT1
Erscheinungsdatum
25. November 2021
Auflage
1
Themen
Arbeit, Körper
Adressaten
Soziologie, Kulturwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Inklusive Bildung, Blindenpädagogik, Rehabilitationswissenschaft sowie Praktiker*innen im Bereich Inklusion von Menschen mit Behinderungen und Akteur*innen der Behindertenbewegung
Schlagworte
Behinderung, Sehbehinderung, Barrierefreiheit, Arbeit, Digitalisierung, Inklusion, Soziale Ungleichheit, Körper, Digitale Medien, Sozialpolitik, Kulturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung