Das Karussell – Schwindel, Tausch und Täuschung

Szenen einer Medienphilosophie

Das Karussell ist eine Maschine, in der die Tauschparameter von Sinn und Sinnlichkeit im szenischen Arrangement erprobt werden. Ab dem 19. Jahrhundert wird der Auszug wissenschaftlich-medialer Schwindelmaschinen aus den Laboren der Psychophysik Teil einer psychischen Festkultur, die sich von der physisch orientierten Kirmeswelt absetzt. Ralf Bohn liest Medienszenen des Karussells in Literatur, Film, Architektur, Fotografie und Malerei als Illustrationen von physischem Schwindel, ökonomischem Tausch und medialer Täuschung. Damit zeigt er auf, wie durch Spielorte legitimierter Überschreitung die Tauschökonomie jenseits von Moral und diesseits pathologischer Abgründe ausgetestet wird.

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19. Mai 2022, 414 Seiten
ISBN: 978-3-7328-6125-5
Dateigröße: 1.9 MB

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Ralf Bohn

Ralf Bohn, Fachhochschule Dortmund, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Um ein Gegenbild zur romantischen Nostalgie der Karussellkonjunktur des 19. Jh. zu bieten. An der kindlichen Einübung im Karussellschwindel ist ablesbar, dass Rollenspiel und Rausch Zustände sind, in denen der Wechsel zwischen Körperbelastung und -entlastung mit Vergnügen antrainiert werden will. Das Buch analysiert Szenen, in denen die ökonomische Maschine mit der infantil-motorischen Maschine lustvoll kurzgeschlossen wird, Täuschung und Schwindel im Tausch somit legitimiert werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Unter anderem mit dem Karussell beginnt um 1800 die psycho-physische Motorik der Lust in die Ökonomie einzuziehen. Vergnügen, Schwindel, Desorientierung werden zu wissenschaftlichen Themen. Von den Wissenschaften wandern die Schwindel- und Täuschungsinstrumente schnell in die Vergnügungsparks. Dieser Austausch einer Ökonomisierung der Lüste und ihrer Instrumentalisierung ist bislang allenfalls von soziologischer, nicht aber aus medienphilosophischer Perspektive untersucht worden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Blick auf die Zirkularität von Arbeitsdisziplin – Aufmerksamkeit – Monotonie – Rausch – Körperaufhebung – Erholung eröffnet ein anderes Forschungsarrangement: Szenen in denen das Karussell zwischen ›Kirche‹ und ›Kaufhaus‹ (Nietzsche) eine zentrifugale Kraft entfaltet, die einen transökonomischen Raum eröffnet. Szenen, in denen das naive Karussell einen ganz dezidierten Ort in der Ökonomie der Lust und ihrer Verdrängung einnimmt, gilt es jenseits aller Moral zu analysieren.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die Verwandtschaft von Karussell und Kino, aber auch die Tendenz, Urbanität mit Event- und Vergnügen zu kombinieren, würde eine Diskussion mit Filmemachern wie Philosophen aber auch mit jenen Handwerkern interessant machen, die Karusselle aktuell sowohl nostalgisch wie auch futuristisch gestalten und im ›Konsumzirkus‹ betreiben – nicht zuletzt, um die Frage zu klären, was denn Vergnügen an Taumel, Schwindel, Täuschung macht – und warum wir uns denn alle gerne täuschen lassen wollen und warum eben nicht.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Karussell verursacht einen Schwindel, der zwischen Stillstand und Raserei sinnlich moderierte Vermittlungen vortäuscht.

Autor*in(nen)
Ralf Bohn
Buchtitel
Das Karussell – Schwindel, Tausch und Täuschung Szenen einer Medienphilosophie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
414
Ausstattung
3 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-7328-6125-5
DOI
10.14361/9783839461259
Warengruppe
1521
BIC-Code
JFD HP
BISAC-Code
SOC052000 HIS054000
THEMA-Code
JBCT QD
Erscheinungsdatum
19. Mai 2022
Themen
Kultur, Medien
Adressaten
Medienphilosophie, Kulturökonomie, Medienwissenschaft, Soziologie, Psychologie
Schlagworte
Medien, Festkultur, Ökonomie, Szenografie, Psychophysik, Tausch, Täuschung, Kirmes, Karussell, Literatur, Film, Architektur, Fotografie, Kunst, Kultur, Medienphilosophie, Medientheorie, Mediengeschichte, Kulturgeschichte, Medienwissenschaft
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