Menschenrechte und Antisemitismus

Die transnationale BDS-Kampagne gegen Israel

Die Sichtbarkeit der globalen »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen«-Kampagne (BDS) gegen Israel nimmt weltweit zu. Unter Berufung auf die universalen Menschenrechte fordern BDS-Akteure einen umfassenden Boykott des jüdischen Staats. Gleichzeitig wird die Bewegung oft als antisemitisch klassifiziert, was zu der Frage führt: Können Antisemitismen auch im Namen der Menschenrechte formuliert werden? Natascha Müller nimmt sich diesem Komplex an und untersucht, wie »menschenrechtsorientierte Antisemitismen« weltweit für den BDS-Diskurs mobilisieren. Durch die Entwicklung eines innovativen Theoriemodells gelingt ihr eine differenzierte Beurteilung der BDS-Akteure und ihrer Forderungen.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 10
  3. 1 Menschenrechte und Antisemitismus

    1.1 Der Forschungskontext

    Seiten 11 - 14
  4. 1.2 Die Problematisierung des Gegenstandes. Die Genese der transnationalen Palästinasolidaritätsbewegung

    Seiten 14 - 21
  5. 1.3 Die ambivalente Gleichzeitigkeit von antisemitischen Menschenrechtsforderungen: das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit

    Seiten 21 - 29
  6. 1.4 Poststrukturalistische Operationalisierung: Forschungsfrage und Methoden

    Seiten 29 - 33
  7. 1.5 Struktur der Studie

    Seiten 33 - 36
  8. 2 Das theoretische Problem

    2.1 Die paradoxe Gleichzeitigkeit menschenrechtsorientierter Antisemitismen als Leerstellen dominanter Ansätze der politischen Soziologie

    Seiten 37 - 54
  9. 3 Die konzeptuelle Blickverschiebung

    3.1 Einleitung: der Mehrwert poststrukturalistischer Theorien für die Analyse antisemitischer Menschenrechtsdiskurse sozialer Bewegungen

    Seiten 55 - 58
  10. 3.2 Postfundationalismus und Ontologie: theoretische Grundannahmen

    Seiten 58 - 66
  11. 3.3 Macht als Mittel der Erzeugung gesellschaftlicher Wirklichkeit: soziale Bewegungen im Kampf um Hegemonie

    Seiten 66 - 78
  12. 3.4 Das politische Subjekt der Hegemonie: zur Rolle der Fantasie

    Seiten 79 - 90
  13. 3.5 Der Übergang zwischen Gesellschafts- und Sozialtheorie mit der Empirie. Zur poststrukturalistischen Triangulation der Hegemonietheorie

    Seiten 90 - 92
  14. 3.6 Menschenrechte als Universalisierungslogik partikularer Diskurse: eine hegemonietheoretische Perspektive

    Seiten 92 - 105
  15. 3.7 Antisemitismen als Stabilisierungsfaktor politischer Diskurse. Eine hegemonietheoretische Perspektive

    Seiten 105 - 121
  16. 3.8 Auf dem Weg zur Operationalisierung: Hegemonie, Fantasie, Menschenrechte und Antisemitismen

    Seiten 121 - 130
  17. 4 Reflexionen zur Operationalisierung poststrukturalistischer Methodologie

    Einleitung

    Seiten 131 - 132
  18. 4.1 Plausibilität als Objektivität: poststrukturalistische Forschung und Methodologie

    Seiten 132 - 142
  19. 4.2 Externe Validität durch empirische Fallstudien

    Seiten 142 - 149
  20. 4.3 Wissenschaftlicher Konsens als Reliabilität

    Seiten 149 - 150
  21. 4.4 Schlussbetrachtung

    Seite 150
  22. 5 Ergebnisse der empirischen Fallstudie

    Einleitung

    Seiten 151 - 152
  23. 5.1 Der Nahostkonflikt als Konflikt um territoriale Ansprüche: die soziale Logik des israelisch-palästinensischen Diskurses

    Seiten 153 - 172
  24. 5.2 Schlussbetrachtung: die soziale Logik des Nahostkonflikts

    Seiten 172 - 175
  25. 5.3 Zum Verhältnis von palästinensischem und israelischem Recht auf universale Selbstbestimmung: die politische Logik des Diskurses

    Seiten 175 - 208
  26. 5.4 Schlussbetrachtung: die politische Logik des BDS-Diskurses

    Seiten 208 - 212
  27. 5.5 Eine Welt von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für das palästinensische Volk: zur phantasmatischen Logik des Diskurses

    Seiten 212 - 241
  28. 5.6 Zusammenfassung: universale Menschenrechte als glückseligmachende Dimension der Fantasie

    Seiten 241 - 242
  29. 5.7 Schlussbetrachtung: die phantasmatische Logik des BDS-Diskurses

    Seiten 243 - 246
  30. 6 Protoerklärung

    Einleitung

    Seiten 247 - 248
  31. 6.1 Empirische und theoretische Ergebnisse: Hegemonie, soziale Fantasie und die Einheit der Paradoxie

    Seiten 248 - 256
  32. 6.2 Zur poststrukturalistischen Anschlussfähigkeit der Ergebnisse: theoretische Implikationen und empirische Konsequenzen für Forschung und Praxis

    Seiten 257 - 263
  33. 6.3 Praktische Konsequenzen: zum politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der BDS-Kampagne

    Seiten 263 - 268
  34. Literatur- und Quellenverzeichnis

    Seiten 269 - 304
  35. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

    Seiten 305 - 308
Mehr
45,00 € *

19. Mai 2022, 308 Seiten
ISBN: 978-3-8376-6216-0

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer. Deutschsprachige Bücher = gebundener Ladenpreis, fremdsprachige Bücher = unverbindliche Preisempfehlung. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Weiterempfehlen

Natascha Müller

Natascha Müller, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die umstrittene Boykottkampagne gegen Israel (BDS) gewinnt an immer größerer Sichtbarkeit. Sie löst hitzige Feuilletondebatten aus, mobilisiert für Boykottaktionen vor Supermarktketten und ist sogar Diskussionsgegenstand im Deutschen Bundestag. Gleichzeitig bleibt die eminente Resonanz von BDS unverstanden, was fatale Konsequenzen für den Umgang mit dem antisemitischen Charakter der Bewegung hat. Das Buch interveniert in die BDS-Debatte und decodiert ihren ›Antisemitismus im Menschenrechtskostüm‹.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die öffentliche Debatte um BDS wird oft entlang dichotomer Pro-Contra-Positionen geführt, die BDS aufgrund ihres Menschenrechtsfokus entweder glorifizieren oder durch die Nähe zu antisemitischen Diskursen a priori delegitimieren. Wie Anitsemitismen gerade über Menschenrechtsnarrative hergestellt und damit beide Positionen miteinander vermittelt werden, geht in der binären Pro-Contra-Diskussion unter. Das Buch entwickelt eine vermittelnde Perspektive auf BDS als dritte Position der Debatte.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der BDS-Diskurs ist in die politisierte Auseinandersetzung um den Nahostkonflikt eingebunden, der auch die zentrale Frage streift, wo die Grenzen zwischen Israelkritik und anti-israelischem Antisemitismus liegen. Diese Grenzen lassen sich durch die aktuelle Antisemitismusforschung kaum skalieren. In dem Buch wird ein soziologisches Analysemodell entwickelt, das (Il-)legitime Israelkritik theoretisier- und rekonstruierbar macht, was einen zentralen Mehrwert für die weitere Forschung verspricht.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Noam Chomsky. Als prominenter BDS-Unterstützer und zentrale Figur einer akademischen US-Linken repräsentiert Chomsky beinah prototypisch jene pro-palästinensischen Positionen, die in BDS unisono den gerechten Kampf für den Frieden im Nahen Osten sehen. Wie israelische Rechte und Sichtweisen hinter dem Schlagwort ›Menschenrechte‹ delegitimiert und zum Schweigen gebracht werden, bleibt in diesen Positionen leider unberücksichtigt. Eine Diskussion darüber wäre sicherlich spannend.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Buch für all jene, die einen wissenschaftlich versachlichenden Blick in der emotional geführten Mediendebatte um die BDS-Bewegung vermissen.

Autor*in(nen)
Natascha Müller
Buchtitel
Menschenrechte und Antisemitismus Die transnationale BDS-Kampagne gegen Israel
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
308
Ausstattung
kart., Klebebindung, 7 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-6216-0
DOI
10.14361/9783839462164
Warengruppe
1728
BIC-Code
JHB JPW JPVH
BISAC-Code
POL010000 SOC026000 POL003000 POL035010
THEMA-Code
JHB JPW JPVH
Erscheinungsdatum
19. Mai 2022
Auflage
1
Themen
Judentum, Politik, Zivilgesellschaft
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Politische Bildung, Geschichtswissenschaft sowie politische Institutionen und Antisemitismusbeauftrage
Schlagworte
BDS, Antisemitismus, Boykott, Nahostkonflikt, Menschenrechte, Israel, Soziale Bewegung, Politik, Zivilgesellschaft, Judentum, Politische Soziologie, Jüdische Studien, Soziologie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung