Amateure im Netz

Selbstmanagement und Wissenstechnik im Web 2.0

Erstmals für den deutschsprachigen Raum untersucht dieses Buch die Medialisierung des Alltags in Online-Tagebüchern, Weblogs und Webportalen. Spätestens seit dem Aufkommen sozialer Portale wie MySpace, Facebook und Xing sowie mit der Etablierung user_innengenerierter Online-Formate wie YouTube, Flickr und Wikipedia kristallisieren sich im Internet neuartige diskursive, mediale, visuelle und technische Verfahrensweisen heraus. Der Band analysiert die sozialen Spielregeln der neuen Repräsentationspolitik und hybriden Wahrnehmungskultur. Dabei verfolgt er das Anliegen, die medienspezifischen Prozeduren sozialer Normalisierung und Subjektkonstitution im Spannungsfeld zwischen ›begeisterter‹ Selbstdarstellung und ›verinnerlichten‹ Kontrolldiskursen aufzuzeigen.

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2008-10-27, 246 Seiten
ISBN: 978-3-89942-861-2

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Ramón Reichert

Ramón Reichert, University of Lancaster/Universität St. Gallen, Großbritannien/Schweiz

... mit Ramón Reichert

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Mit dem Buch ›Amateure im Netz‹ liegt erstmalig ein Werk vor, das die Vielfalt der kulturellen Praktiken, die im Web 2.0 entstehen, untersucht. Es eröffnet Perspektiven der kritischen Internetkultur jenseits der emphatischen Individualitätskonzepte der digitalen Anwendungstechnologien.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit den digitalen Vernetzungsstrukturen im Internet ist eine neue Medienkultur der Selbstpraxis entstanden, die vielfach die Form von Selbstführung und Bekenntnis, von Buchführung und akribischem Leistungsvergleich, von experimentellem Selbstverhältnis und Selbstinszenierung als ästhetische Praxis, angenommen hat. ›Amateure im Netz‹ zeigt auf, dass die Diskurse der Selbstaufmerksamkeit und Selbstbeobachtung dazu geführt haben, dass es heute alltäglich und selbstverständlich ist, wenn die unterschiedlichsten Menschen in Blogs, Videocasts, Diaries, Community-Seiten, Portfolios bereitwillig über sich selbst Auskunft geben, und sich damit selbst als Objekt der Medienkonsumgesellschaft in Szene setzen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?

Selbstmanagement und Wissenstechnik sind im Web 2.0 allgegenwärtig geworden. Die Datenverarbeitung der Social Software hat einen Evaluationsboom ausgelöst. Heute konkurrieren die unterschiedlichsten Persönlichkeitsprofile, Rankingsysteme, Fragebögen, Checklisten, Eignungsdiagnosen, Hierarchiediagramme, Bedarfsanalysen, Kontroll- und Feedbackmechanismen, Beurteilungssysteme, Kompetenzdatenbanken, ein umfassendes Bildungscontrolling und diverse Anreizsystemen um mediale Aufmerksamkeit.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Eine wissenschaftliche Reflexion des Web 2.0 macht die sozialen Spielregeln einer neuen Repräsentationspolitik sichtbar. Im Rahmen der Theorie institutioneller Mechanismen ging man bisher davon aus, dass deutungskulturelle Aneignungspraktiken den symbolischen Repräsentationen eine institutionelle Relevanz verleihen. Nach diesem Ansatz stabilisiert das aneignende Handeln die Bedingungen der herrschenden Repräsentationspolitik. Konzediert man hingegen den Amateurinnen und Amateuren eine aktive, kontingente und produktive Handlungsfähigkeit, dann erscheinen ihre diskursiven Praktiken befähigt, den Weg für die Verschiebung und Umkehr der kulturellen Hegemonie und der ihr korrespondierenden politischen Institutionalisierungen zu bahnen.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Im Klub der toten Denker mit Pierre Bourdieu, Gilles Deleuze und Michel Foucault. Mit Luc Boltanski, Judith Butler, »ve Chiapello, Eva Illouz.

6. Ihr Buch in einem Satz:

›Amateure im Netz‹ versucht, den sozialen Imperativ der medialen Gegenwart ›Broadcast Yourself!‹ (Slogan von YouTube) in Frage zu stellen.

»Wer sich im deutschsprachigen Raum mit Web, Social Media und Online-Gaming auseinandersetzt, wird um ›Amateure im Netz‹ nicht herumkommen [...].«
Jana Herwig, [rezens.tfm], 06.05.2009
»›Amateure im Netz‹ bietet [...] kein abschliessendes Urteil, aber einen gelungenen Einstieg in die Diskussion.«
Caspar C. Mierau, www.berlinergazette.de, 11.12.2008
»Reichert [...] erkennt die Gefahren der Rundum-Kommerzialisierung und Selbstkontrolle durch Fremdkontrolle, vergisst aber auch nicht den Spiel- und Übungscharakter zahlreicher Anwendungen und Möglichkeiten, ist man nur reflektiert und erfahren genug. In diesem Sinne ist ›Amateure im Netz‹ ein nicht nur für Digital Natives durchaus mit Vergnügen zu lesender Expeditionsführer in Sachen Theorie-Anwendung.«
Christoph Jacke, DE:BUG, 129 (2008)
Besprochen in:

facts, 6 (2009), Bernhard Jäger
KULT_online, 26 (2011), Sascha Simons
Autor_in(nen)
Ramón Reichert
Buchtitel
Amateure im Netz Selbstmanagement und Wissenstechnik im Web 2.0
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
246
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-89942-861-2
DOI
10.14361/9783839408612
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD
BISAC-Code
SOC052000
THEMA-Code
JBCT1
Erscheinungsdatum
2008-10-27
Auflage
1
Themen
Medien, Zeitdiagnose, Internet
Adressaten
Medientheorie, Kulturwissenschaft, Soziologie, Kunstgeschichte, Politikwissenschaft, Filmwissenschaft, Kulturanthropologie
Schlagworte
Neue Medien, Online-Formate, Cultural Studies, Intermedialität, Subjekt, Soziale Kontrolle, Internet, Medien, Social Media, Mediensoziologie, Computerspiele, Medienwissenschaft

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