Ethnographie, Kino und Interpretation – die performative Wende der Sozialwissenschaften

Der Norman K. Denzin-Reader

Norman K. Denzin hat in den letzten Jahrzehnten entschieden dazu beigetragen, dass sich unser Verständnis von qualitativer Forschung und auch von Soziologie erheblich verändert hat. Zum einen hat er gezeigt, dass erst eine Abwendung von (post-)positivistischen Kriterien deutlich macht, dass im Zentrum jeder Art von sozialwissenschaftlicher Forschung die Interpretation steht, die gerade nicht formalisierbar ist, sondern unter ästhetischen Perspektiven beschrieben werden kann. Die Interpretation ist aber nicht nur eine Kunst, sondern hat auch immer politische Implikationen. Denzin dekonstruiert die Logiken traditioneller Sozialforschung und zeigt, wie sie in interpretative Gemeinschaften eingebunden sind, deren verborgene kulturelle Grundlagen er explizit macht. Zum anderen demonstriert er, wie mit qualitativen Methoden (z.B. der interpretativen Biographieforschung oder der Performance-Ethnographie) nicht nur Gesellschaftskritik geübt werden kann, sondern auch die Möglichkeit zum radikaldemokratischen Handeln eröffnet wird. An die Stelle der traditionellen Soziologie soll so eine neue Sozialwissenschaft treten, die sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst ist.

Dieser Reader versammelt – in deutscher Erstübersetzung – die wichtigsten Texte von Norman K. Denzin zur Begründung einer neuen qualitativen Sozialforschung, so zur performativen Wende der Sozialwissenschaften, zur Performance-Ethnographie, zum reflexiven Interview, zur Geburt der Kinogesellschaft und zum Rassismus im zeitgenössischen Hollywood-Kino.

29,80 € *

2008-07-27, 300 Seiten
ISBN: 978-3-89942-903-9

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Rainer Winter, Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt am Wörthersee, Österreich

Elisabeth Niederer

Elisabeth Niederer, Kärntner Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung, Österreich

... mit Rainer Winter und Elisabeth Niederer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die neoliberale, von ökonomistischen und individualistischen Perspektiven geprägte Gegenwart braucht Bücher wie die von Norman K. Denzin, der in den letzten Jahrzehnten entschieden dazu beigetragen hat, dass sich unser Verständnis von qualitativer Forschung und auch von Soziologie erheblich verändert hat. Er zeigt, wie wichtig es ist, in diesen Bereichen neue Wege zu beschreiten, die transdisziplinär, interpretativ und kritisch orientiert sind, um unsere Gegenwart verstehen und verändern zu können. Denzin vertritt eine interventionistische Konzeption von Wissenschaft, die sich für Demokratie und soziale Gerechtigkeit einsetzt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Denzins Arbeiten, die ihre Ausgangspunkte im Pragmatismus und im Symbolischen Interaktionismus haben, zeigen, was Soziologie und qualitative Sozialforschung vom Poststrukturalismus, von den Cultural Studies und von den Performance Studies lernen können. Sie werden dazu befähigt, die interpretativen und politischen Prozesse, deren Teil sie sind und auf die sie antworten, zu reflektieren, zu verstehen und zu transformieren. So entsteht eine neue Sozialwissenschaft, die gesellschaftskritisch orientiert und sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Denzin plädiert für eine performative Wende der Sozialwissenschaften. Die Berücksichtigung der performativen Dimension menschlichen Handelns führt zu einer Problematisierung herkömmlicher Methoden und zur Entwicklung des reflexiven Interviews und der performativ orientierten (Auto-) Ethnographie. Damit können nicht nur in der Forschung, sondern in vielen Anwendungsbereichen (z.B. in der pädagogischen und psychologischen Intervention, im Gesundheitsbereich) neue Wege beschritten werden, die an der Aufführung, am Dialog und am Empowerment orientiert sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Jürgen Habermas

5. Ihr Buch in einem Satz:

Der Optimismus des Willens ist wichtiger als der Pessimismus des Intellekts.

»Der Norman K. Denzin-Reader bietet deutschsprachigen Lesern erstmalig die Gelegenheit einen zusammenhängenden Überblick über die zentralen Themen- und Arbeitsfelder Denzins zu gewinnen, und er eröffnet [...] die Chance zur vertieften Auseinandersetzung mit einem durchaus anregenden Verständnis von qualitativer Sozialforschung und sozialwissenschaftlicher Theoriebildung.«
Jürgen Raab, Soziologische Revue, 34 (2011)
Autor_in(nen)
Rainer Winter / Elisabeth Niederer (Hg.)
Buchtitel
Ethnographie, Kino und Interpretation – die performative Wende der Sozialwissenschaften Der Norman K. Denzin-Reader
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
300
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-89942-903-9
DOI
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC JHBC
BISAC-Code
SOC022000 SOC019000
THEMA-Code
JBCC JHBC
Erscheinungsdatum
2008-07-27
Auflage
1
Themen
Kultur, Film
Adressaten
Kultur- und Sozialwissenschaften
Schlagworte
Macht, Medien, Empirische Sozialforschung, Partizipation, Demokratische Wissenschaft, Exklusion, Kultur, Film, Cultural Studies, Kultursoziologie, Qualitative Sozialforschung, Kulturwissenschaft

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