Die sanfte Macht

Die Rolle der wissenschaftlichen Politikberatung bei den rot-grünen Arbeitsmarktreformen

Das Thema Politikberatung hat wieder Konjunktur, seitdem die rot-grüne Regierung in bis dahin ungekannter Weise Wissenschaftler in die Vorbereitung von Reformen einbezog. In diesem Buch werden die entscheidungsrelevanten Beratungen für ein Politikfeld, die Arbeitsmarktpolitik, in Augenschein genommen. Es wird gezeigt, wie Wissenschaft und Politik sich in der Praxis miteinander verbinden und wie diese Beziehung sich entwickelt hat.

Ein organisationstheoretisches Erklärungsmodell bezieht die Bedeutung eines Beratergremiums für die Regierung und ihre Politik auf ihre Leistungsfähigkeit als Organisation. Mit der Betrachtung politischer Erwartungen und organisatorischer Prozesse betritt die Autorin wissenschaftliches Neuland und gibt zugleich praktische Hinweise für zukünftige Politikberatungen.

29,80 € *

2008-06-27, 300 Seiten
ISBN: 978-3-89942-935-0

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Katja Patzwaldt

Katja Patzwaldt, Jacobs University Bremen, Deutschland

... mit Katja Patzwaldt

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf das Buch nicht zu?

Dieses Buch greift die Diskussion um das Verhältnis von Wissenschaft und Politik auf, wie sie im Kontext der Wissensgesellschaft, aber auch der soziologischen Betrachtung von Wissenschaft unter den Bedingungen von Politisierung und Medialisierung geführt wird.

Der Titel »Die sanfte Macht« stützt sich auf eine Selbstbeschreibung von Beratern aus der Wissenschaft, die seit mehr als vierzig Jahren die Hoffnung auf eine bestimmte Wirkungsweise, nämlich die Kraft des Arguments, ausdrückt. Die Analyse nimmt hinter dieser suggestiven Beschreibung die wechselseitige Bedingtheit von wissenschaftlicher wie politischer Autorität und Beeinflussung in den Blick und führt aus, welche Regeln der Interaktion dazu genutzt werden, um jeweilige Interessen zu verfolgen und sich gegen die der anderen zu schützen.

Unter dem Begriff der »wissenschaftlichen Beratung« firmiert ein hoch politisches Engagement von Wissenschaftlern in politischen Prozessen. Die Verbindung zu Entscheidungsträgern wird zudem nicht selten dazu genutzt, wissenschaftspolitische Interessen zu verfolgen. Das Interesse an Forschung und Erkenntnis sowie die Interessenvertretung der Forscher geht hier über in wissenschaftspolitisches und Politikfeld-spezifisches Lobbying.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Seit Rot-Grün versuchte, mit Massenmedien und Kommissionen statt (nur) über Ausschüsse und kleine Runden Politik zu machen, ist Beratung ein umkämpftes Feld politischer Auseinandersetzung. Vorbei sind die Zeiten, in denen Wissenschaftler unangefochten als Experten galten.

Politikberatung, ein geachtetes Betätigungsfeld, folgt jedoch keinen transparenten Regeln und geht oftmals zu Ungunsten der Wissenschaftler, was etwa Umsetzung und Interpretation der Empfehlungen angeht, aus. Die Leserinnen und Leser gewinnen Einblick in die Perspektive von Entscheidungsträgern, die wissenschaftlich beraten werden wollen. Wozu brauchen sie diese Beratung und wie wirkt sie sich auf ihre Arbeit aus? Wie schustern sie sie auf ihre Bedürfnisse zu? Schon die Organisationsform der Beratung prägt das Ergebnis vor.

Auf der anderen, der wissenschaftlichen Seite dieser Beziehung, erfährt man, welche forschungspolitischen und fachlichen Interessen in den Beratungen verfolgt wurden. Wie veränderten sich unter diesen Bedingungen die Beziehungen zwischen Politik und Wissenschaft in einem bestimmten Politikfeld, der Arbeitsmarktpolitik?

In diesem Buch wird sowohl das Bemühen rot-grüner Politiker, mit der »Gesellschaft« bzw. der wissenschaftlichen Elite politisch zu gestalten, aufgezeigt, als auch die Bedrängnis des Machterhaltes und die Komplexität von Absprachen zwischen der Vielzahl von Akteuren. Neu ist ebenfalls, dass die verschiedenen Beratungsorganisationen in einem Politikfeld in Konkurrenz zu einander, und ihre jeweiligen Profile auch aus Sicht der Politik gezeigt werden. Nicht zuletzt ist das rot-grüne Beratungswesen eine kurzweilige und erhellende Geschichte von Macht und Wissenschaft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Forschungsdebatten zu?

Dieser empirische Beitrag zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik verbindet Wissenschafts- und Regierungsforschung. In der Wissenschaftsforschung betont dieser Beitrag die Bedeutung politischer Interaktion, also des Einflusses des politischen Entscheidungsprozesses, der Handlungsorientierungen von politischen Organisationen und die politische Wahrnehmung und Instrumentalisierung der Wissenschaft. In der Politikwissenschaft trägt die Untersuchung zur Erforschung der Wissensbestände von Akteuren und der institutionellen Regeln ihrer Aneignung und Gültigkeit bei.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Forschern zum Sozialstaat und zu politischen Prozessen, um die Perspektive der Wissenschaftsforschung aufzuzeigen. Mit an empirischer Forschung interessierten Vertretern der Wissenschaftsforschung, die ihre jeweiligen Kenntnisse zur deutschen Landschaft damit kontrastieren können.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wissenschaftliche Beratung spielte für die umstürzenden Arbeitsmarktreformen unter Schröder eine zentrale Rolle: als Ideengeber, um die Gesellschaft aufzumischen und zu modernisieren, schließlich als punktuell einzusetzendes Instrument, um politischen Widerstand auszuhebeln. Berater aus der Wissenschaft gingen und gehen dagegen oft mit einem nur geringen Bewusstsein von politischen Problemlagen und Verhältnissen in die Beratungen und waren und sind daher immer wieder negativ überrascht, wie die Politiker mit ihnen und ihren Ratschlägen umgehen.

Autor_in(nen)
Katja Patzwaldt
Buchtitel
Die sanfte Macht Die Rolle der wissenschaftlichen Politikberatung bei den rot-grünen Arbeitsmarktreformen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
300
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-89942-935-0
DOI
10.14361/9783839409350
Warengruppe
1739
BIC-Code
JPH PDR JHB
BISAC-Code
POL043000 SCI075000 POL010000 SOC026000
THEMA-Code
JPH PDR JHB
Erscheinungsdatum
2008-06-27
Auflage
1
Themen
Politik, Wissenschaft
Adressaten
Wissenschaftsforschung, Politikwissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Politikberatung, Arbeitsmarktreformen, Rot-Grün, Wissen(schaft)spolitik, Organisation, Politik, Wissenschaft, Wissenschaftssoziologie, Politische Soziologie, Politikwissenschaft

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