Details zu 10.14361/9783839436127-004

Ruth Ayaß
Medien als Schutz vor Interaktionen
DOI: 10.14361/9783839436127-004
 
Es ist die wesentliche Eigenschaft alter und neuer Medien, Kommunikation dann zu ermöglichen, wenn sich die Individuen nicht in wechselseitiger Reichweite zueinander befinden. In dieser klassischen Vorstellung dienen Medien dazu, eine Verbindung zwischen zwei oder mehr Individuen herzustellen. Medien können jedoch auch dazu verwendet werden, Kommunikation zu unterbinden. Dieser Beitrag diskutiert systematisch die verschiedenen Möglichkeiten von Medien, mittels derer die Akteure Zugänglichkeit und Nicht-Zugänglichkeit herstellen und anzeigen können. Die Analyse zeigt, dass die Verwendung von Medien und die Teilhabestrukturen, die sie gestatten, nicht einfach mit den Begriffen Anwesenheit oder Abwesenheit erfasst werden können. Vielmehr ermöglichen Medien unterschiedliche Grade an Zugänglichkeit, die besser als ein Kontinuum zu beschreiben sind. Der Beitrag zeigt anhand ethnographischen Materials, wie Bücher, Mobiltelefone etc. in privaten wie öffentlichen Kontexten als »involvement shields« (Goffman) verwendet werden. Mit den Mitteln einer fotografischen Ethnografie wird gezeigt, wie Medien in öffentlichen Kontexten als »involvement shields« eingesetzt werden. Diese Verwendungen tragen zu einem mediatisierten Verhalten in der Öffentlichkeit bei, welches im Wesentlichen auf Interaktionsvermeidung beruht. Zugleich ist diese Interaktionsvermeidung nur durch wechselseitige Wahrnehmung möglich.
 
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