Details zu 10.14361/9783839439081-009

Thomas Damberger
Self-Tracking als medienpädagogische Herausforderung
DOI: 10.14361/9783839439081-009
 
Der vorliegende Beitrag entfaltet folgenden gedanklichen Weg. Ausgehend von dem Phänomen Quantified Self wird die Frage nach dem Selbst, das durch Self-Tracking erfasst werden soll, gestellt. Diese Frage ist historisch eng mit der Selbstsorge verknüpft. Sowohl die Selbstsorge als auch das moderne Self-Tracking zielen entweder auf Selbsterkenntnis ab oder setzen diese voraus. Das, was es als Selbst zu erkennen gilt, hat in der griechischen Antike einen anderen Charakter als in der römischen. Exemplarisch wird daher im ersten Teil (Selbsterkenntnis und Selbstsorge) Platons Dialog zwischen Sokrates und Alkibiades den Briefen des Stoikers Marc Aurel gegenübergestellt, um die wesentlichen Unterschiede im Selbstverständnis herauszuarbeiten. Während bei Platon das Selbst als unbegreifbar gedacht wird, erscheint es bei Aurel als mit dem Begriff identisch. Diese Identität wird im Falle des Quantified Self zu einer datafizierten. Was dieses Datafizierte meint, wird im zweiten Teil (Die unmögliche Selbstvermessung) erörtert. Dabei wird deutlich, dass die datenmäßige Erfassung von Körperfunktionen und Verhaltensweisen Ausdruck eines digitalen Totalitarismus ist, der dazu verleitet, das Nicht-Messbare als nicht existent zu interpretieren. Die Problematik, die mit einer solchen Interpretation einhergeht, wird in Anlehnung an Adorno, Heidegger und Sartre skizziert, um im anschließenden dritten Teil (Besser als Nichts? – Selbsttracking als Kompensation) auf Möglichkeiten einzugehen, das prinzipiell Unerfassbare als Lücke unbedacht zu lassen und durch ein Mehr an Daten zu kompensieren. Dass ein solcher Ansatz eine doppelte Reduktion beinhaltet, die sowohl das Selbst als auch den eigenen Körper betrifft, der im Zuge dessen ausschließlich als überwindbares Medium verstanden werden muss, wird mit Bezug auf zwei aktuelle transhumanistische Ansätze reflektiert. Daraus resultiert insbesondere für eine philosophisch orientierte Medienpädagogik eine Aufgabe, mit deren Herleitung und Bedeutung der Beitrag schließt.
 
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