Details zu 10.14361/9783839440346-007

Ursula Dallinger
Die unzufriedene Mitte und die politischen Folgen: Gerechtigkeitsperzeptionen und Wahlabsichten im Wandel
DOI: 10.14361/9783839440346-007
 
Die Sozialwissenschaften sehen die Mittelschicht als politisch einflussreiche Kraft, die bei zunehmender Einkommensungleichheit marktkorrigierende Politiken fordert und cross-class-coalitions mit der politisch wenig einflussreichen Unterschicht sucht. Der Beitrag verbindet diese Annahme zum Mittelschichtwähler mit der aktuellen Debatte um eine erodierende Mittelschicht. Ist die Mittelschicht aufgrund materieller Verlusterfahrungen verunsichert und entwickelt eher »linke« Wahlabsichten im Sinne der Medien-Wähler-Theorie? Deuten veränderte Gerechtigkeitsperzeptionen in der Mitte eine neo-liberale Komplizenschaft an? Gestützt auf Daten des ALLBUS für die Zeit von 1994 bis 2014 wird analysiert, wie perzipierte Ungerechtigkeit und die subjektive Wirtschaftslage in der Mittelschicht die Parteienwahl beeinflussen. Gezeigt wird, dass Unzufriedenheit mit Ungleichheit und Wirtschaft in der unteren, nicht aber in der oberen Mitte wuchsen. Perzipierte Ungerechtigkeit senkt die Neigung, eine der etablierten Parteien zu wählen. Enttäuschte Fairnesserwartungen spalten die Mitte und lenken die Wahlabsicht einmal der unteren, das andere Mal der oberen Mittelschicht in unterschiedliche Richtungen. Die Mittelschicht ist weder bezüglich ihrer materiellen Lage noch bezüglich ihrer sozio-politischen Orientierungen einheitlich.
 
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