Details zu 10.14361/9783839440421-008

Andreas Folkers
Resilienz als Nomos der Erde: Earth System Governance und die Politik des Anthropozäns
DOI: 10.14361/9783839440421-008
 
Der Begriff »Anthropozän« zur Bezeichnung eines neuen Erdzeitalters ist auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften zu einer festen Bezugsgröße geworden. Nicht selten wird dabei der scheinbar harte naturwissenschaftliche Kern des Begriffes mobilisiert, um ansonsten wohl als allzu luftig angesehene Theorien über den Zusammenhang von Natur und Gesellschaft, Geschichts- und Geophilosophie zu »erden«. Darüber besteht jedoch die Gefahr, die problematischen Implikationen des Anthropozänbegriffs zu reproduzieren, anstatt sie kritisch zu hinterfragen. So setzt sich im Konzept des Anthropozäns ein - wenn auch verschämter - humanistischer Narzissmus fort. Auch als selbst bedrohter Zerstörer des Planeten versteht sich der Mensch noch als Herr der Erde. Zudem besteht die Gefahr, durch einen unkritischen Bezug auf das Anthropozänkonzept dessen Einsatz in politischen Strategien zu übersehen. Denn das »Anthropozän« ist nicht nur ein Stichwort in wissenschaftlichen Debatten, sondern längst ein politischer Begriff, der Regierungsprogrammatiken ebenso anleitet, wie er soziale Bewegungen inspiriert. Hier setzt der Text an, indem er die Realpolitik und die normative Ordnung des Anthropozäns analysiert. Der Text beschreibt das Anthropozän als Konjunktur in der Geschichte der Biomacht und zeigt die Bedeutung des Leitbildes der Resilienz in der »Earth System Governance«. Im Anschluss an die Skizzierung der bio-geopolitischen Rationalität des Anthropozäns bzw. des »offiziellen« Nomos der Erde wird der Text im zweiten Teil versuchen, Strategien und Ansätze für eine kritische und emanzipatorische Politik der Erde zu entwickeln. Dabei werden mit den Begriffen der »Luftnahme« und des »Atmosphärenarchivs« kritische Werkzeuge vorgeschlagen, die es ermöglichen, gegen die universalisierenden Tendenzen der Anthropozänerzählung die Ungleichheiten im Umweltverbrauch und die politischen Konfliktlinien der Klimapolitik zum Vorschein kommen zu lassen.
 
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