Details zu 10.14361/9783839441343-006

Thomas Etzemüller
Gegenwartsdiagnose heißt: etwas als etwas sichtbar machen
Wahrnehmung, Visualisierung und Intervention in Gestalten der Moderne
DOI: 10.14361/9783839441343-006
 
Gegenwartsdiagnosen bedürfen visueller wie sprachlicher Bilder, um Schlagkraft zu gewinnen. Bilder schneiden die komplexe Realität zu und machen sie durch Rahmung (framing) handhabbar. »Gestalten« sind ein besonderer Fall dieser Rahmung. Es handelt sich um imaginierte Figuren, die gleichwohl real wirken, wie etwa »der Stoßtruppführer« oder »die schwäbische Hausfrau«. Während »Sozialfiguren« jedoch aus realen empirischen Daten generiert werden, können Gestalten reine Fiktion oder reine Bilder bleiben, die dennoch einen Einsatz im politischen Kampf darstellen. Sie ziehen Grenzen, schärfen Gegensätze, polarisieren und verlangen eine Stellungsnahme. Die Gestalt, so Ernst Jünger, »fördert ebensosehr die totale Mobilmachung, wie sie alles zerstört, was sich dieser Mobilmachung widersetzt.« Der Beitrag diskutiert die Bedeutung solcher Gestalten, ihre Genese und die Frage, wie man sie analysieren kann.
 
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