Details zu 10.14361/9783839441480-016

Urte Helduser
Mobilität und Massen. Zur Artistik außergewöhnlicher Körper zwischen Schaubude, Zirkus und Kino
DOI: 10.14361/9783839441480-016
 
Urte Heldusers Beitrag nähert sich der Zirkuskunst ausgehend von einem kulturhistorischen Ort: dem legendären Vergnügungspark des Wiener Prater. Der Wiener »Wurstlprater« ist seit dem 19. Jahrhundert Schauplatz verschiedener Schausteller- und Manegenkünste. Hier finden sich bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts Wandermenagerien, Völkerschauen, Kasperletheater, Schaubuden und Abnormitätenkabinette, darunter seit 1892 auch ein feststehender Zirkus, des Zirkus Busch, der nicht zuletzt als Aufführungsort von Theater-Inszenierungen Max Reinhardts berühmt wird, bevor er in den 1920er Jahren in ein Kino umfunktioniert wird. Fester Bestandteil der performativen Künste des Wiener Praters sind die Darbietungen außergewöhnlicher Körper, der Abnormitätenschauen und Sideshows des Zirkus. Die Präsentation des anderen Körpers – der Affenfrauen, Haar- und Rumpfmenschen – steht hier im Spannungsfeld von Wissenspopularisierung (im Zeichen der Darwin'schen Evolutionslehre) und der performativen (Körper-)Künste. Wenn im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Kino seinen Siegeszug über die alte Schaubudenkultur antritt, betrifft das auch die Präsentation des »anderen Körpers«. Scheint das traditionelle Abnormitätenkabinett seine Bedeutung verloren zu haben, so taucht der Freak jetzt im Kino auf. Im Jahr 1932 läuft auch in Wien Tod Brownings Zirkusfilm »Freaks« (1932). Der Vortrag geht der Inszenierung des Freak-Artisten in verschiedenen Medien des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts zwischen Literatur, performativen Künsten und dem neuen Medium Film nach und fragt nach der Bedeutung der »bewegten Bilder« für die Ästhetik des anderen Körpers.
 
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