Details zu 10.14361/9783839442111-009

Tugba Tanyilmaz, Nadiye Ünsal, Koray Yilmaz-Günay
Ein Leben, das für alle lebbar ist?
Schutzsuchende LSBTTIQ zwischen Mainstreaming und Exzeptionalismus
DOI: 10.14361/9783839442111-009
 
Die »Flüchtlingskrise« von 2015/2016 hat mit unglaublicher Geschwindigkeit und Intensität ein Thema in die (queere und nicht-queere) Öffentlichkeit gespült, das trotz des zum Teil ausgiebigen queer-migrantischen Engagements jahrzehntelang kaum wahrgenommen worden war: Queere Lebensweisen und Migration müssen zusammen-gedacht werden. Bundesweit haben sich in kürzester Zeit zahlreiche Unterstützungsinitiativen und -netzwerke gegründet, es gibt politische Diskussionsrunden, Fortbildungen, Fachtagungen, Spendensammlungen, Veröffentlichungen und mit kleinem oder großem Geld unterstützte Projekte – darunter nicht zuletzt auch Gemeinschaftsunterkünfte für asylsuchende Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* (LSBTTIQ). So schnell das Interesse an einem solchen »Nischen-Thema« im Jahr 2015 entstanden ist, so wenig wird es sich verstetigen lassen, wenn die Verschränkungen von Migration und Fragen von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität nur als vorübergehendes »Problem« wahrgenommen werden. Nach einer Reflexion unserer eigenen Praxis im Umgang mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt beim Migrationsrat Berlin (MRB) wollen wir mit einem kleinen Exkurs zu Intersektionalität herausarbeiten, warum ein Exzeptionalismus, der einzelnen Gruppen von Geflüchteten ausnahmsweise bessere Lebensbedingungen gewährleistet, auch dazu dient, systematisch schlechtere Lebensbedingungen für andere zu legitimieren. Wir wollen damit zeigen, wie das Engagement für queere Geflüchtete zu einem Engagement für eine Verbesserung des Lebens aller ausgeweitet werden kann.
 
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