Details zu 10.14361/9783839442395-014

Leonie Otto
Was heißt: sich im Tanzen orientieren?
Zwei verschiedene Denkweisen auf der Bühne
DOI: 10.14361/9783839442395-014
 
Leonie Otto greift in ihrem Beitrag Kants Aufsatz »Was heißt: sich im Denken orientieren?« auf. Den dort beschriebenen Prozess der räumlichen Orientierung überträgt Otto auf das Denken von Tanzenden. Davon ausgehend, dass das Verständnis von Denken immer geschichtlich bedingt ist, unterscheidet Otto zwei verschiedene Denkweisen bzw. zwei verschiedene Weisen der räumlichen Orientierung im Tanzen. Das Denken, das Otto mit Heidegger als das Denken des neuzeitlichen Subjekts beschreibt und in Raoul-Auger Feuillets Lehrbuch des frühen Balletts »Chorégraphie ou L'art d'écrire la danse« ausmacht, stellt sie dem Denken der beiden Tanzenden im zeitgenössischen Tanzstück »Hommage an das Zaudern« des Choreographen Laurent Chétouane gegenüber. Bei Feuillet funktioniere die Choreographie als geometrischer Überblick, in deren Zentrum ein autonomes Subjekt seinen Körper positioniere, bei Chétouane arbeiteten die Tanzenden mit einem wechselseitigen Aufeinander-bezogen-sein.
 
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