Details zu 10.14361/9783839443156-011

Constanze Wimmer
Einen Sehnsuchtsort der Wahrnehmung öffnen. Musikvermittlung im Konzertbetrieb
DOI: 10.14361/9783839443156-011
 
Constanze Wimmer widmet sich in ihrem Beitrag den historischen und gegenwärtigen Entwicklungslinien der Musikvermittlung im Konzertbetrieb. Kontexte zur Musik zu liefern, sei es zu den Kompositionen selbst, zur Kulturgeschichte der Zeit oder zu den Komponist*innen, die dem Publikum neue und stimmige Möglichkeiten des Zuhörens und Erlebens von Musik eröffnen, war und ist das vorrangige Ziel. Vom Konzertführer Herrmann Kretzschmars bis zu den legendären »Young People's Concerts« von Leonard Bernstein reicht die frühe Palette der Musikvermittlung. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts verschiebt sich der Fokus deutlich zu Angeboten für Kinder und Jugendliche. Konzerte für Kinder zu gestalten, wurde zu einer neuen performativen Herausforderung. Mittlerweile spielen interaktive und partizipative Ansätze, die Kinder und Jugendliche musizierend und ästhetisch gestaltend an die Musik heranführen, eine mindestens so wichtige Rolle wie das Konzertformat. Und auch die Erwachsenen rücken wieder in das Blickfeld der Akteure der Musikvermittlung: interaktive Einführungen vor Konzerten, Künstlergespräche oder überraschende Konzertorte sprechen Erwachsene jeden Alters an und bemühen sich um eine Auseinandersetzung von Kontext und Musik. In Kooperationen mit sozialen Einrichtungen wird nach sinnstiftenden und partizipativen Zusammenhängen zwischen Kunst, die im Konzertsaal stattfindet und Bedürfnissen von Menschen einer Kommune im urbanen oder ländlichen Raum gesucht. Der "Educational Turn" der Orchester und Konzerthäuser verlangt Musiker*innen und Konzertveranstalter*innen heute eine neue Form von "Citizenship" ab - kaum eine Intendant*in oder eine Chefdirigent*in, der mittlerweile nicht die Bedeutung einer umfassenden Musikvermittlung für das Konzerthaus und für die Tätigkeit des Orchesters erfasst hätte. Wie in der Pionierphase des Konzerts scheint die Zukunft offen: neue Formate werden erprobt, neue Räume geschaffen und neue Treffpunkte zwischen Publikum und Künstlern organisiert.
 
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