Details zu 10.14361/9783839443231-002

Max Lieberman
Risikowahrnehmung im Mittelalter: Ein Versuch in kognitiver Geschichtswissenschaft
DOI: 10.14361/9783839443231-002
 
Dieser Aufsatz ist in doppelter Hinsicht unkonventionell, methodisch wie thematisch. Im ersten Teil steht die Sicht des menschlichen Wahrnehmungsapparates im Mittelpunkt, die der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman zusammen mit Amos Tversky in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Daran schließen sich methodische Überlegungen an, wie Historikerinnen und Historiker Begriffe und Theorien der kognitiven Experimentalpsychologie nutzen können bzw. sogar sollten, insbesondere dann, wenn sie zu verstehen versuchen, wie historische Akteure Risiken wahrnahmen und wieso sie solche eingingen. Im zweiten Teil dieses Beitrag wird erstmals darauf hingewiesen, dass Begriffe der Experimentalpsychologie relevant sind, wenn die Risikowahrnehmung in einem bedeutenden historiographischen Text des Hochmittelalters untersucht wird: in den um ca. 1126 verfassten (und ca. 1135-1143 revidierten) Gesta regum Anglorum, oder Taten der Könige Englands, des englischen Benediktinermönchs Wilhelm von Malmesbury.
 
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