Details zu 10.14361/9783839443590-011

Peter Mosser
Liebe als Alibi
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Bildungsinstitutionen
DOI: 10.14361/9783839443590-011
 
Ausgehend von einem umfassenden Literaturüberblick zu Prävalenz, Entstehungsbedingungen und Charakteristika von (sexualisierter) Gewalt in formalen Bildungseinrichtungen werden zentrale Erkenntnisse aus Tiefenanalysen exemplarisch ausgewählter Institutionen vorgestellt. Dabei zeigt sich, dass zwischen so unterschiedlichen pädagogischen Kontexten wie katholischen Internaten (Ettal, Kremsmünster) einerseits und der reformpädagogischen Odenwaldschule andererseits überraschende systemische Parallelen, die Gewalt begünstigten, bestanden. Bedeutsam sind dabei ideologisch begründbare Instrumentalisierungen des Liebesbegriffs, wie sie in Konzepten wie »Nächstenliebe«, »Liebe zum Kind« oder »pädagogischer Eros« zum Ausdruck kommen. Die inzwischen unbestreitbare Tatsache weitreichender sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten führt zu einer nachhaltigen Desavouierung von Liebe als pädagogischer Kategorie in formalen Bildungseinrichtungen. Konzepte von Bindung und Feinfühligkeit eignen sich daher wesentlich besser, um das Problem von pädagogischer Nähe und Distanz zu operationalisieren und entsprechende Anregungen für die Praxis zu geben.
 
Leseprobe