Details zu 10.14361/9783839443590-013

Evi Agostini
Pädagogische Verantwortung zwischen Eros und Ethos
Von Missbrauchsfällen, Normalisierungsprozessen und einer genuinen Wahrnehmungssensibilität
DOI: 10.14361/9783839443590-013
 
Evi Agostini geht in ihrem Beitrag der Frage nach pädagogischer Verantwortung am Beispiel der Odenwaldschule nach. Dabei werden viele Fragen virulent, nicht zuletzt die Frage nach Begriff und Subjekt der Verantwortung selbst. Die Odenwaldschule, das einstige reformpädagogische Vorzeigeprojekt Deutschlands, ist insbesondere bekannt geworden in Zusammenhang mit sexualisierten Übergriffen auf Schülerinnen und Schüler. Bei genauerem Hinsehen brechen Risse einer Verantwortungslosigkeit auf, die durch keine rationale Begründung zu kitten sind. In der theoretischen Auseinandersetzung mit der Problematik zeichnet sich ab, dass Verantwortung seine Kontur je nachdem ändert, wem sie wie zugeschrieben wird, auf welchem thematischen Feld sie sich bewegt und mit welchem normativen Gehalt sie auftritt. Indem pädagogische Verantwortung vor dem Hintergrund dieser Implikationen im Spannungsfeld von Eros und Ethos verortet wird, kommen unterschiedliche Facetten von pädagogischer Verantwortung in ihrer je spezifischen Bedeutung zum Vorschein: Selbst- bzw. Eigenverantwortung, Mitverantwortung, Verantwortungsgefühl, Verantwortungslosigkeit, Verantwortlichmachen, Verantwortungsübernahme und ein (Nicht-)Zur-Verantwortung-gezogen-Werden, aber auch eine Verantwortung im Sinne einer genuinen »Verantwortlichkeit«, die dem Gedanken Rechnung trägt, dass in jeder Handlung die eigenen personalen Möglichkeiten stets überschritten werden.
 
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