Details zu 10.14361/9783839444283-014

Jorg Sieweke
Hic sunt dracones
Hier sind Drachen. Ein Por trait des Aniene Unterlaufs
DOI: 10.14361/9783839444283-014
 
Hier sind Monster! Weltkarten aus den Tagen der Kolonialisierung zeigen noch nicht erschlossene Regionen, bevölkert von Drachen, Seeungeheuern und anderen Monstern. Diese weißen, noch unerforschten Flecken blieben für lange Zeit mythisch und unheimlich. Ausgehend von der Aufklärung sah Weber (1972) mit der Modernisierung in erster Linie einen Prozess der Rationalisierung am Werk. Die Vernunft ersetze zunehmend andere Begründungsweisen wie Tradition oder Autorität, Mythos und Magie würden zurückgedrängt, die Welt werde als kognitiv beherrschbar gedacht und dadurch entzaubert. So setzte sich eine Weltsicht durch, die alles Mythische oder Magische ins Reich des Ungebildeten oder Lächerlichen verdrängte. Doch aus den Fugen dieser zweckrationalisierten Weltanschauung steigen immer wieder die verleugneten Monster empor. Anstatt sie als rückständige Betrachtungen zu negieren, stellen diese ein produktives kulturelles Vehikel dar, das Ängste und Ungewissheiten bebildert, um diese mittels Auseinandersetzung zu durchdringen. Das folgende Portrait der rurbanen Flusslandschaft des Aniene eröffnet Blicke auf die weißen und unbekannten Flecken in unserer modernen Gesellschaft. Auffällig erscheint die Stigmatisierung des Wilden in der Zuschreibung gleichsam unzivilisierter Kultur als auch Natur. Diese Mischwesen aus Kultur und Natur widersetzen sich der rationalen Kategorisierung. Die Beobachtungen und photographischen Arbeiten entstanden im Rahmen eines Aufenthaltes des Autors als Stipendiat der Villa Massimo in Rom 2015.
 
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