Details zu 10.14361/9783839445136-016

Elena Revert Francés
Alltägliche Arbeiten werden rätselhaft. Früheisenzeitliche Knochenwerkzeuge aus Mitteleuropa
DOI: 10.14361/9783839445136-016
 
Im Sommer 2010 wurde eine Siedlungslandschaft bei Kleinpaschleben aufgedeckt, die im Mittelpunkt der Dissertation der Verfasserin steht. Unter den zahlreichen geborgenen Funden wurden zwei plättchenförmige Knochenwerkzeuge der früheisenzeitlichen Hausurnenkultur entdeckt. Diese Art Werkzeug ist schon lange bekannt. Außerdem gibt es zwar eine große Anzahl von Publikationen diesbezüglich, aber die beschäftigen sich nur mit einer reinen Beschreibung und einer beiläufigen Erwähnung der eventuellen Funktionalität als Schaber. Die Knochenwerkzeuge wurden herkömmlich zusammen mit den sogenannten »Flachshecheln« veröffentlicht, als wären beide Gerätschaften Varianten desselben Dinges. Das erschwert die Recherche. Da keine mikroskopischen Untersuchungen oder Versuche der experimentellen Archäologie vorgenommen wurden, ist die Frage nach der Funktionalität bisher unbeantwortet geblieben. Diese plättchenförmigen Knochenwerkzeuge findet man in der Früheisenzeit in Mitteldeutschland, Polen und in der Tschechischen Republik. Die geographische und kulturelle Ausbreitung stellt nicht unbedingt eine Hilfe für die Deutung des Werkzeuges dar. Die Schwierigkeiten für eine Bestimmung der Funktionalität sind ziemlich groß. Da wären die ethnologischen Parallelen eine große Hilfe. Aber wie sollte an das Problem herangegangen werden? Diese Knochenwerkzeuge wurden immer in Siedlungen gefunden, daher wird keine rituelle Bedeutung angenommen. Diese Art von Geräten ist eher für eine geläufige Tätigkeit repräsentativ, die bislang ein Rätsel ist. Alltägliche Arbeiten werden rätselhaft.
 
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