Details zu 10.14361/9783839446034-010

Kim Anna Juraschek, Klaus Geiselhart
Intersektionalität und die Macht der Kategorie
DOI: 10.14361/9783839446034-010
 
Intersektionale Ungleichheiten verweisen auf strukturelle Diskriminierungen, die durch Mehrfachzuschreibungen von Identitätskategorien wie Geschlecht, Klasse, Ethnizität u.a. entstehen. Die kritische Weißseinsforschung offenbart eine Hegemonie des Weißseins und das Missverhältnis, durch das gender oftmals als Metakategorie allen anderen Differenzen überordnet wird. Damit haben beide Formen der Kritik und der mit ihnen verbundene politische Aktivismus ihre Berechtigung im Kampf gegen die Reproduktion diskriminierender und marginalisierender Praktiken, wenn sie daran arbeiten, langfristig grundlegende kulturelle Repräsentationsregime zu verändern. Doch gibt es auch Grenzen dieser Kritik. Die Autor*innen beschreiben Situationen, in denen diese Kritik wenig zielführend oder gar emotional verletzend ist, und markieren dabei die jeweils situative Angemessenheit von Kritik. So wird eine Grenze immer dann überschritten, wenn die Anerkennung des Gegenübers als Person infrage gestellt wird. Eine Kritik, die die eigenen Kränkungen zum Maßstab erhebt, ist unsolidarisch, wenn sie nicht danach fragt, ob sie noch das Erleben anderer Betroffener abbildet. Ebenso sollte sie sich versichern, dass Betroffene ihren Aktivismus noch als der gemeinsamen Sache zuträglich ansehen. Für die Verletzung der Würde einer Person ist nicht allein die empfundene Kränkung dieser Person maßgeblich, sie manifestiert sich vor allem dann, wenn dieses subjektive Empfinden von anderer Seite nicht wahrgenommen und respektiert wird.
 
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