Details zu 10.14361/9783839446034-015

Klaus Geiselhart, Annika Hoppe-Seyler, Cosima Werner
Vom Absetzen theoretischer Brillen und der Öffnung des eigenen Blicks - Reflexionen über praxeologische Methodologien
DOI: 10.14361/9783839446034-015
 
Dieses Kapitel fragt danach, wie der Blick auf Praktiken und Praxis für die empirische Forschung genutzt werden kann, und bietet einen Überblick über verschiedene sozialwissenschaftliche Operationalisierungen. Hierzu zählen bspw. der methodologische Individualismus (Werlen), der methodische Situationalismus (Knorr Cetina), die transitive Methodologie (Schäfer), eine Praxeologisierung des Blicks (Schmidt) oder zyklische Verfahren zwischen Datengenerierung und Reflexion wie etwa in der Grounded Theory. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie mit der praxistheoretischen Grundannahme umzugehen ist, dass nicht nur empirische Forschung, sondern konsequenterweise auch jegliche wissenschaftliche Theoriebildung als Praxis verstanden werden muss. Eine Antwort darauf ist der Anspruch an die Forscher*innen, ihre Positionalität zu reflektieren. Hierzu reichen aber gesellschaftlich fixierte soziale Differenzkategorien nicht aus. Ebenso genügt auch nicht eine Reflexion der professionellen Perspektive, die man in Ausübung des Berufes als Wissenschaftler*in einnimmt. Eine angemessene Reflexion schließt vielmehr die konkreten Situationen und Positionalitäten, die im Forschungsprozess hervorgebracht werden, mit ein. Darüber hinaus stellt dieses Kapitel die Konsequenzen dar, die sich daraus ergeben, wenn man Methoden der empirischen Sozialforschung konsequent als Praktiken begreift. Methoden, verstanden als Praktiken, werden erst im Vollzug existent und dabei auf eine von vielen potentiellen Möglichkeiten fixiert. So kann es weder die eine »richtige« Ausführung einer Methode geben noch ein durch diese Methoden gewonnenes »wahres« Ergebnis. Forschende, Beforschte, Methode sowie Ergebnis bringen sich gegenseitig situativ hervor und konstituieren sich nur im Vollzug des Forschens. In diesem Sinne ist die Fähigkeit zentral, Methoden adäquat an die jeweilige Forschungssituation anpassen zu können.
 
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