Details zu 10.14361/9783839446140-007

Stefanie Herok, Ralf Himmelreicher, Dorina Spahn
Unsichere Arbeit
Sorgen und Ängste von Beschäftigten im Gastgewerbe nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns
DOI: 10.14361/9783839446140-007
 
Die Sorgen und Ängste von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Hotel- und Gaststättengewerbe in Berlin und Brandenburg stehen im Fokus dieser Untersuchung. Im Gastgewerbe sind flexible sowie überlange Arbeitszeiten und geringfügige Beschäftigung weit verbreitet. Zudem kamen vor der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2014 niedrig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse im Branchenvergleich besonders häufig vor. Insbesondere bei den Beschäftigten mit niedrigen Löhnen sollte der im Januar 2015 in Kraft getretene gesetzliche Mindestlohn Lohnsteigerungen auf 8,50 Euro und mehr bewirken und damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Dumpinglöhnen und Ausbeutung schützen. Um die Effekte des Mindestlohns beurteilen zu können, wurden Beschäftigte im Gastgewerbe mit Leitfadeninterviews befragt. Aus der Perspektive der Befragten kann die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland als Wegbereiter in Richtung mehr Lohngerechtigkeit gesehen werden. Zudem sind viele Beschäftigte im Gastgewerbe mit ihrer Arbeit überwiegend zufrieden. Gleichzeitig berichten sie von einer geringen Wertschätzung am Arbeitsplatz und sind in latenter Sorge um ihren Arbeitsplatz. Nahezu jederzeit austauschbar zu sein geht mit Arbeitsplatzverlustängsten einher. Diese Sorgen und Ängste sind ein Ausdruck von prekären Beschäftigungsverhältnissen und sind plausibel: Denn gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist individuelle Arbeitslosigkeit besonders schwer zu ertragen.
 
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